ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2001Großbritannien/Nordirland: Mythen und Legenden

Supplement: Reisemagazin

Großbritannien/Nordirland: Mythen und Legenden

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [10]

Sick, Hans-Peter

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LNSLNS Zwei abgewetzte Sofas, zwei ausgediente, gusseiserne Nähmaschinentischchen, in der Ecke ein schwarzes Klavier, Stehlampe, Stuckornamente an der Decke und Blümchentapete bilden mit mehreren Stühlen und Hockern das Interieur in einem kleinen Nebenzimmer des „Welcome Inns“ in Forkill in South Armagh in der
Provinz Ulster/Großbritannien. Nur wenige Kilometer sind es von hier noch bis in die Republik Irland. Über Jahrzehnte waren die der britischen Krone treu ergebenen Protestanten und die Katholiken aus dem Süden verfeindet.
Von den „troubles“, wie der jahrelange Bürgerkrieg umschrieben wird, haben die Bewohner Nordirlands lange die Nase voll. Heute sind Besucher herzlich willkommen. Auch im „Welcome Inn“, in dem die
Politik eher eine untergeordnete Rolle spielt. Jung und Alt
treffen sich auf ein paar Pints „Guinness“, musizieren mit „fiddle“ (der irischen Geige), „Quetschkommode“ (Ziehharmonika) und „uilleann pipes“ (Dudelsäcke). „Patricia, sing a Song“ fordert Michael. Er hat hier das Sagen und ist so etwas wie der Dorfälteste.
Unter dem Beifall der 30 Gäste und Einheimischen in dem 20 Quadratmeter großen Raum singt Patricia einige ihrer Lieder. Balladen und Songs, die von Liebe, Leid und Schmerz erzählen. John und Michael geben Geschichten und Legenden vom Leben in South Armagh zum Besten.
Nordirland ist nicht nur die liebliche Patchwork-Landschaft von South Armagh. Ein paar Kilometer nördlich liegt Lisburn, die Heimat der feinsten Damaststoffe der Welt. Das Leinen-Museum, im ehemaligen Leinen-Handelshaus der Stadt untergebracht, erzählt die Geschichte von der Flachsindustrie im 18. Jahrhundert. Nicht weit ist es bis Dromore. Dort kann man eine der vielen wasserbetriebenen Flachsmühlen be-
sichtigen. Hat man Glück, greift Flachsmann Eugene zur „fiddle“.
An der Nordküste wacht „Dunluce Castle“ über hohe, steile Felsklippen und lange Sandstrände. Nach der Sage soll im Jahr 1639 die gesamte Küche mitsamt allen Köchen während der Vorbereitungen für das Weihnachtsmenü von einer gigantischen Flutwelle in die Tiefe gerissen worden sein. Nicht weit davon entfernt soll sich der Riese Finn McCool in eine Schottin verliebt haben. Da er nicht schwimmen konnte, warf er aus lauter Verzweiflung jede Menge Steine in das der Grafschaft Antrim vorgelagerte Meer und baute sich so seinen Landweg zur jenseits des großen Wassers gelegenen Hebriden-Insel Staffa. In Wirklichkeit handelt es sich beim „Giant’s Causeway“ um erkaltete Lava, die vor 60 Millionen Jahren durch Erdspalten an die Oberfläche gedrückt wurde. Fast 40 000, bis zu zwölf Meter lange bizarre, zumeist sechseckige Basalt-
säulen wurden inzwischen von der Unesco zum Weltkulturgut erklärt.
Im nahen „Bushmills Inn“, einem feinen, kleinen alten, für die Gegend typischen Rasthaus, lassen wir Mythen und Legenden, aber auch
die beeindruckende Landschaft, die hier mit Seamus Heaney unter anderem einen Literatur-Nobelpreisträger hervorbrachte, Revue passieren. Nordirland stellte sich friedliebend, freundlich, aufgeschlossen und liebenswert dar – trotz mancherorts immer noch wachender „Trutzburgen“ von Kasernen und Polizeistationen der britischen Herrschaft.
Hans-Peter Sick

Reise-tipps: The Bushmills Inn
Anreise: Ab Deutschland fliegen mehrere Fluggesellschaften direkt nach Belfast, unter anderem British Midlands.
„Nord-Irlands bestgehütetstes Geheimnis“ heißt „The Bushmills Inn“, 25 Main Street, Bushmills, County Antrum BT57 8QA, Telefon: 00 44-1 26 57-3 23 39, Fax: 00 44-1 26 57-3 20 48, E-Mail: bushmills@bestloved.com.
Weitere Informationen: Nordirische Zentrale für Fremdenverkehr, West-
endstraße 16–22, 60325 Frankfurt am Main, Telefon: 0 69/23 45 04, Telefax: 0 69/23 34 80.
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