Supplement: Reisemagazin

Sevilla: Stadt der Kontraste

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [12]

Hamberger, Monika

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LNSLNS Spät am Abend erst füllen sich die Gassen mit elegant gekleideten Bürgern, bilden sich kleine Gruppen vor den Cafés, flanieren selbstbewusste junge Damen, klappern Caballeros mit den Absätzen, und der Kreislauf beginnt: Es werden nacheinander bestimmte Lokale besucht. Man steht an der Theke, nippt am kredenzten Sherry und nimmt sich mit den Fingern Oliven aus den dazu gereichten Schalen. Auf Tellern werden Tapas gereicht, kleine, kalte Köstlichkeiten, eine südspanische Spezialität. Dabei kreisen die Gespräche um Ereignisse des Tages. Gelungene Harmonie zwischen Geschichte und Gegenwart
Es war Absicht, mit dem Bau der Kathedrale Santa Maria de la Sede ein Monumentalbauwerk zu erstellen, das alles Bisherige in seinen Schatten verweist. Tatsächlich ist bis heute das während gotischer Zeit begonnene und zur Renaissance im 16. Jahrhundert vollendete Gebäude die größte gotische Kirche Europas. Wenn wir die vielen Steinstufen bis unter die Turmspitze zurückgelegt haben, blicken wir über das Dächermeer der 680 000 Einwohner zählenden Stadt und vernehmen vom dichten Straßenverkehr nur noch ein leises Brummen. Im Hintergrund erkennt man die modernen Bauten des Weltausstellungsgeländes, während schräg unter uns die Gärten und Gemächer des Alcázar das dichte Netz der Altstadtgassen unterbrechen. Am Flussufer reihen sich Parks und Anlagen mit subtropischer Vegetation.
Abendländischer und maurischer Baustil ergänzen sich. Noch aus römischer Zeit stammen Teile des Alcázar, als Julius Cäsar Sevilla befestigen ließ. Später errichteten Almohaden die zinnengekrönten Mauern um die Gärten, um hier ein Gegengewicht zur mächtigen Kalifenstadt Cordoba zu schaffen. Kernstück der Anlage ist die damalige Residenz von Peter dem Grausamem. Seinen Namen hat er nicht etwa wegen kriegerischer Lebensführung erhalten, sondern in Erinnerung an enttäuschte Liebe. Er regierte hier von 1350 bis 1369.
Der warme Abend verführt zum Plausch auf Plätzen. Viele Familien gehen jetzt zusammen zum Abendessen. Von den Weinen die Kreszenz auswählen, die das entsprechende Mahl abrundet? Der Kellner wird helfen.
Neben einem alten Fensterladen ist Reklame für Flamenco-Veranstaltungen angebracht. Erst später, nach 22 Uhr, wird diese unendliche Geschichte zwischen den Geschlechtern mit musikalisch-dramatischen Mitteln thematisiert, wenn Männer sie mit kehligen Lauten zu singen beginnen, in der Rolle des einsamen, unverstandenen Geliebten, im Flamencolokal El Arenal. Dann gesellen sich die Damen zur Gitarre und zum Gesang, zum rhythmischen Schlagen der Absätze auf dem Parkett. Dabei beginnen zunächst die Männer auf der Bühne zu applaudieren, feuern die Tänzerinnen an, bis die Begeisterung auf das Publikum überspringt.
Wir verlassen das Altstadtlokal El Arenal. Die Giralda wird von mehreren Scheinwerfern angestrahlt. Das Monument einer Begegnung
von Morgen- und Abendland leuchtet über Sevilla, einer Drehscheibe zwischen verschiedenen Zeitaltern und Kulturen.
Monika Hamberger

Reise-tipps
Reisezeit: Sevilla kann zu allen Jahreszeiten besucht werden. Die Sommermonate sind meistens sehr heiß. Täglich fliegt die Iberia via Barcelona oder Madrid von vielen deutschen Flughäfen nach Sevilla. Reiseangebote finden sich zum Beispiel in den Katalogen der TUI oder bei Jahn-Reisen.
Auskünfte: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Grafenberger Allee 100, 40237, Düsseldorf, Telefon: 02 11/6 80 39 80, Fax: 02 11/6 80 39 85; E-Mail: dusseldorf@tourspain.es
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