Supplement: Reisemagazin

Rom: Die Ewige Stadt

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [13]

Dressler, Günther

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LNSLNS Morgens von Anagnina, der Metro-Endstation am südwestlichen Stadtrand, mit Linie A nach Rom-Termini. Von Station zu Station wächst das Gedränge im Zug. Zu den Einheimischen, die zwischen Wohnquartier und Arbeitsplatz pendeln, gesellen sich unzählige Touristen und Pilger, die es auch nach dem Heiligen Jahr 2000 in die Ewige Stadt zieht.
Das Forum Romanum, Zentrum des wirtschaftlichen und religiösen Lebens im antiken Rom, liegt im weichen Sonnenlicht eines Frühsommertages. Links der Hügel des Palatins, auf dem einst mehrere Kaiser, später Patrizierfamilien residierten, vor uns der Kapitolhügel. In röt-
lichem Braun die wieder freigelegten Gemäuer, darüber das satte Grün der Pinien und Zypressen, die Säulenvorbauten einstiger Tempel, durchbrochen vom Himmelsblau. Beidseits der Via Sacra die steinernen Hinterlassenschaften eines Imperiums, imponierend noch als Ruinen.
Im Pantheon, dem großartigen erhalten gebliebenen Tempelbau des antiken Rom, ruht der einfallende Sonnenstrahl auf einem der Kassettenfelder der mächtigen Kuppel, einer Halbkugel, 43,40 Meter im Durchmesser – oben offen für Sonne und Regen. Den römischen Tempel, Allerheiligstes der Planetengötter, hatte man später in eine christliche Kirche, schließlich zur Gruft umgewandelt. Raffael liegt hier begraben, in Nachbarschaft der Savoyer Könige. Inmitten der Piazza Navona – betuchte Römer zahlen ein Vermögen für ihre Nobeladresse an diesem barocken weitläufigen Platz – der um 1650 von Bernini geschaffene Vier-Ströme-Brunnen.
Der Trevi-Brunnen nahe dem Quirinalspalast ist weit größer, als man ihn sich nach Fellinis Kultfilm „La Dolce Vita“ ausmalen konnte. Zwanzig Meter breit und 26 Meter hoch ist das gesamte – Neptuns Reich darstellende – Ensemble. Beckenrand und Brüstung säumen ein paar Hundert Leute – essend, trinkend, gestikulierend, lesend, träumend.
Die Spanische Treppe im Centro Storico: lang gestreckter Aufgang zur französischen Kirche Santissima Trinità dei Monti. Die Piazza di Spagna – benannt nach der seit dem 17. Jahrhundert dort ansässigen Spanischen Gesandtschaft am Heiligen Stuhl – hat etwas von einer Bühne. Von einem Logenplatz auf den Treppenstufen genießen wir das
Stück „Rom und der Rest der Welt“. Alle Sprachen, alle Moden, alle Temperamente.
Schnurgerade läuft die Via Condotti auf die Mitte der Spanischen Treppe zu, genauer noch: auf die Mitte zwischen den beiden Türmen der sie bekrönenden Kirche. Die Straße versammelt Geschäfte der gehobenen Preislagen: Alta Moda Italiana und Preziosen. Der Geschichte entgehst du, Besucher Roms, aber auch hier nicht. Denn schon stehst du vor dem denkmalgeschützten Antico Caffè Greco, das schon „Volfango Goethe“ zu seinen Gästen zählte.
Stadtstaat Vatikan
Am Eingang zum Petersdom kanalisieren Vatikan-Bedienstete mit ruhigen Gesten den nicht enden wollenden Menschenstrom. Ist das Hauptportal durchschritten, löst sich die Menge auf – so weiträumig ist dieses größte Gotteshaus der Christenheit. Der Eindruck über die Größe des Raumes ist überwältigend; erst allmählich werden die Sinne frei für Einzelnes: die dramaturgisch geniale Hinführung des Langhauses in den Zentralbau, die monumentale Kuppel, der haushohe Säulentabernakel Berninis über dem Papstaltar, die Pietà Michelangelos, der heilige Petrus in Bronze, dessen rechter Fuß abgegriffen ist von Millionen Berührungen, die Grabmale und Reliefs, die Büsten und Statuen, der rote Porphyr als Markierung, wo Karl der Große in der früheren Peterskirche am Weihnachtstag des Jahres 800 vom Papst die Kaiserkrone empfing.
Der Rundgang durch die langen Säle der Musei Vaticani endet in der Sixtinischen Kapelle. Michelangelo hat im frühen 16. Jahrhundert Schöpfungsgeschichte und Fall der Menschheit an die Decke gemalt, zwei Jahrzehnte später stellte er auf der Altarwand das Jüngste Gericht dar. Die Fresken an den Seitenwänden stammen von Botticelli, Perugino, Signorelli und anderen Malern.
Gäbe es nicht die in langen Reihen geparkten Motorroller – man fühlte sich in den Gassen der römischen Altstadt in frühere Jahrhunderte zurückversetzt. In der Via dei Cappellari arbeiten Tischler gebrauchtes Mobiliar auf, in der Via Margutta warten Galeristen und Antiquitätenhändler auf Kundschaft. Kleine Welt und große Welt – ganz nah beieinander. Exotische Tupfer im Straßenbild: Tipptopp gekleidete Jungmanager beiderlei Geschlechts mit martialischen Schutzhelmen auf dem Kopf, die sich auf bulligen Aprilias und Piaggios souverän ihren Weg
suchen. Günther Dressler

Piazza di Spagna mit Spanischer Treppe und Dreifaltigkeitskirche „auf dem Berg“

Reise-tipps
Reisezeit: Von Ostern bis in den Juni, Spätsommer und Herbst. Im Hochsommer ist es oft schwül-heiß.
Reiseveranstalter: airtours: Flugpauschalreisen mit Lufthansa ab Augsburg und München oder mit Alitalia ab München und Zürich oder mit Crossair/Swissair/Sabena.
Information: Staatliches Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT, Kaiserstraße 65, 60329 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/23 74 34, Fax: 0 69/23 28 94; Prospekte: Telefon: 01 90/70 64 40 (2,42 DM pro Minute).
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