ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2001Griechenland/Kykladen: Schippern um antike Gestade

Supplement: Reisemagazin

Griechenland/Kykladen: Schippern um antike Gestade

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [18]

Scheiper, Renate V.

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LNSLNS Dort, wo vor 2 480 Jahren die persische Flotte vor der Schlacht gegen die Griechen bei Salamis lag, ist der Heimathafen der „Angelika“, in Paleo Phaliron bei Athen. Als wir morgens in See stechen, fährt der Kapitän einige Seemeilen nach Westen in Richtung dieser Insel, damit wir den Schauplatz dieses eintägigen Gemetzels von nahem sehen, das die Griechen bravourös gewannen.
Die deutsche Lektorin an Bord, eine Archäologin, schildert das Geschehen so lebhaft, dass wir meinen, das Krachen und Splittern der sich rammenden Schiffsleiber zu hören. Dann aber nehmen wir Kurs Richtung Süden und fahren parallel zur Küste Attikas. Noch vor dem Mittagessen rasselt der Anker in der geschützten Bucht von Kap Sounion ins Wasser, die Badeleiter wird hinabgelassen, und wir genießen die erste Badepause im Angesicht des Poseidontempels hoch oben auf steilem Fels.
Erstes Ziel ist die Insel Kea. Üppig ranken Bougainvillea die weiß getünchten Fassaden in Chora, dem Hauptort der Insel, empor. Mit einem freundlichen „Kaliméra“ grüßen die Einwohner, als wir durch die engen Gassen zum steinernen Löwen laufen, der seit 2 700 Jahren mitten zwischen Weinbergen liegt. Es duftet nach Thymian und
anderen Kräutern, blutrot leuchten die Mohnblumen zwischen weißen Margariten hervor.
Auf Tinos besuchen wir die Wallfahrtskirche Panagia Evangelistria und das Nonnenkloster Kechrovouni, wo die Nonne Pelagia vor 180 Jahren die Vision einer wundertätigen Ikone hatte, die am Platz der heutigen Kirche dann tatsächlich gefunden wurde. Ein Ort romantischer Stille ist dieses Kloster, das nur zum Leben erwacht, wenn die Glocken zur Liturgie rufen und die Nonnen wie eine Schar schwarzer Vögel in die Kirche huschen. Köstliches Quellwasser plätschert aus der Felswand. Vor den Toren verkaufen Bauern Kräuter, Honig und Obst. Bei der Fahrt über die Insel halten wir zum Fotografieren bei den mit Ornamenten verzierten Taubenhäusern.
Früh am nächsten Morgen wird der Anker gelichtet, denn wir wollen um acht Uhr auf der Götterinsel Delos sein, bevor sich die Massen der großen Kreuzfahrtschiffe über das kleine Eiland ergießen. Aus einem Meer bunter Frühlingsblumen ragen die weißen Stümpfe der Marmorsäulen wie Verzierungen hervor, darunter auch ein großer Rückentorso der einst zwölf Meter hohen Statue des Sonnengottes Apollon, der mit seiner Zwillingsschwester Artemis von ihrer Mutter
Leto auf Delos geboren wurde. Die tragischen Umstände dieser Geburt der von Zeus verführten Sterblichen erzählt uns die Archäologin im Schatten einer Palme so packend, als würde die Geburt in diesem Moment stattfinden. Vom über hundert Meter hohen Berg Kynthos genießen wir einen weiten Blick über das tiefblaue Meer hinüber zum nahen Mykonos.
Naxos ist das nächste Ziel. Während der Fahrt hören wir die Geschichte von Ariadne, die hier vom athenischen Königssohn Theseus nach ihren Flitterwochen schmählich sitzen gelassen wurde. Schon von weitem ist das in voller Größe erhaltene Tor des einstigen Tempels am Meer zu erkennen. Grün und gebirgig ist die Insel. Wir schlendern durch kleine Gebirgsdörfer und staunen in Apollonas über eine neun Meter lange Marmorstatue, die einst unvollendet im Marmorbruch liegen blieb. Danach gönnen wir uns im idyllischen Fischerhafen ein lukullisches Mahl mit Wein vom Fass unter einer mit Weinlaub behangenen Taverne direkt am Meer.
Auf Santorin, der faszinierenden Vulkaninsel, melden wir uns abends beim Koch ab. Nach der Besichtigung der minoischen Ausgrabung von Akrotiri wollen wir durch den Ort bummeln und beim Abendessen in einem Restaurant erleben, wenn der rote Feuerball hinter Kaimeni, der ausgedehnten Kraterinsel mitten im Einbruchbecken, im Meer versinkt. Den gewaltigen Ausbruch und das Versinken des größten Teiles der Insel vor dreieinhalbtausend Jahren, bei dem auch die einst blühende minoische Handelsstadt Akrotiri auf Santorin durch eine fünfzig Meter mächtige Ascheschicht verschüttet wurde, hat der griechische Philosoph Platon für seine Geschichte vom untergegangenen Atlantis zur Grundlage genommen. Doch diese grausige Vision spülen wir hinunter mit dem Wein von Santorin, dessen Trauben ohne eine Krume Erde in der fruchtbaren Ascheschicht der Insel gedeihen.
Renate V. Scheiper

„Angelika“ im Hafen von Naxos


Reise-tipps

Veranstalter, Katalog, Informationen und Buchungen: Studienfahrten Prof. Kutscher, Bruckner Straße 54, 77654 Offenburg, Telefon: 07 81/9 32 89-10, Fax: 9 32 89-11. Die „Angelika“ fährt von April bis Oktober im 14-Tage-Turnus auch rund um die Peloponnes, rund um Kreta zu den Ionischen Inseln und den Inseln der Nordägäis.
Preise: einschließlich Transfers, Vollpension, Ausflüge und Eintrittsgelder: ab 5 240 DM pro Person in der Doppelkabine.
Literatur: Erica Wünsche: Kykladen. Griechische Inselwelt. Prestel Verlag, München, 48 DM; Annemarie und Danja Köhler: Faszinierende Unterwasserwelten, 49,80 DM, Verlag Delius Klasing Edition Nagelschmid;
F. Brümmer: Schnorcheln im Mittelmeer, 29,80 DM.
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