ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2001Mecklenburg-Vorpommern: Von Schloss zu Schloss

Supplement: Reisemagazin

Mecklenburg-Vorpommern: Von Schloss zu Schloss

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [20]

Berg, Detlef

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LNSLNS Mehr als 2 000 Burgen, Schlösser und Herrensitze gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Viele der historischen Gebäude stehen kurz vor dem Verfall. Doch ein gutes Dutzend Schlossherren hat seine Häuser restauriert und zu Hotels umfunktioniert.
Das Schloss Schorssow zum Beispiel überzeugt durch seine ideale Lage am Ufer des Haussees in der Mecklenburgischen Schweiz. Investor Alfred Rüßel entdeckte das verfallene Anwesen 1994 und machte aus dem klassizistischen Dreiflügel-Bau ein Kleinod mit 45 individuell eingerichteten Suiten und Zimmern. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgt Bernd Schmidt aus der Pfalz. Bei der Entscheidung für einen Wein kann man dem Schlossherrn Alfred Rüssel vertrauen. Der passionierte Weinliebhaber hat eine Auswahl erlesener Weine im Keller, auch zu moderaten Preisen. Im Wintergarten oder auf der Seeterrasse können die Gäste die selbst gebackenen Torten genießen.
Ruhe und Komfort garantiert auch das Schlosshotel Daschow nahe dem Plauer See. Vor etwa hundert Jahren wurde das einstige Herrenhaus aufgestockt und das schöne Portal hinzugefügt. Seither wird es als Schloss bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlitt das Haus das gleiche Schicksal wie viele Herrensitze in Mecklenburg und Vorpommern: Zunächst diente es als Quartier für Flüchtlinge, später wurde es Ferienheim und Dorfgaststätte. Immerhin ist das Gebäude durch die ständige Nutzung nicht total verfallen. Dennoch musste erheblich investiert werden, um daraus ein 16-Zimmer-Hotel zu machen. In einem ehemaligen Pferdestall sollen weitere 30 Zimmer entstehen. In den beiden Restaurants werden vor allem regionale, zum Teil fast vergessene mecklenburgische Gerichte aufgetischt wie Klopfschinken mit gebackener Petersilie, Schmantkartoffeln und Salat.
Immer wenn die Kraniche ziehen, beginnt oder endet die Saison auf Schloss Hohendorf bei Stralsund. Pünktlich im März und Oktober machen die grazilen Vögel auf ihrer Wanderung zwischen Skandinavien und der Iberischen Halbinsel bei dem herrschaftlichen Landsitz Zwischenstation. Dann sind sämtliche Zimmer im Schloss des Grafen Hubertus von Klot-Trautvetter ausgebucht. Das repräsentative Schinkel-Gebäude im zehn Hektar großen Park bietet 45 unterschiedlich große und eingerichtete Zimmer sowie ein Restaurant und eine Bar. Bis zur Enteignung 1945 war das Haus in Familienbesitz. 1992 kaufte Hubertus von Klot-Trautvetter das Anwesen seiner Vorväter zurück, eine schmerzliche Erfahrung, meint der Schlossherr. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten zählt Schloss Hohendorf wieder zu den Perlen klassizistischer Baukunst in Vorpommern. Besonders beliebt sind die Turm- und Galeriezimmer. Zu den Urlaubserlebnissen zählen Ausflüge mit Barkassen von Barhöft zu den Inseln Rügen und Hiddensee, zum Darß und zu den Werdischen Inseln.
Ein Refugium ist auch das am Plastener See zwischen Neubrandenburg und Waren gelegene Schloss Plasten. Ernst und Marga Walloschke haben den Herrensitz 1992 gekauft und im Stil des Neobarock restauriert. Es verfügt über 30 komfortable Zimmer und einen Fitnessbereich mit Sauna und Schwimmbad.
Rund 35 Kilometer von der Landeshauptstadt Schwerin entfernt liegt am Glambecksee das Schloss Basthorst. Das 1824 erbaute Schloss mit Stallungen und Landarbeiterkaten gehörte im Verlauf der Jahre unterschiedlichen Fabrikantenfamilien. Nach dem Krieg wurde es Bildungsstätte und Fluchtburg für den Rat des Bezirkes Schwerin für den „Ernstfall“, sogar eine Telefonzentrale der Staatssicherheit war hier verborgen. Das erklärt auch, warum der Ort Basthorst auf DDR-Landkarten nicht verzeichnet war. Über neun Millionen DM mussten für Kauf und Renovierung aufgewendet werden, bis das schmucke Haus mit 51 Zimmern Ende 1997 eröffnet werden konnte.
Schloss an der Elde
Auch das Europa-Schlosshotel in Neustadt-Glewe erwartet Gäste. Das Neue Schloss an der Elde, das 1619 im holländischen Renaissance-Stil begonnen und hundert Jahre später als Barockbau vollendet wurde, zeichnet sich durch wuchtige Gewölbe mit wertvollen Stuckarbeiten aus. Anders als in anderen Schlössern haben hier auch fast alle 29 luxuriös eingerichteten Zimmer aufwendig restaurierte Stuckdecken. Nach der „Wende“ gab es politisches Gezänk um den Verkauf der Anlage, und als der Erwerber mitten in den Umbauarbeiten wegen Geldmangels aufgeben musste, glaubte keiner mehr so recht an eine erfolgreiche Restaurierung. 1996 kaufte dann die Unternehmensgruppe Baumhoegger den Bau und vollendete die begonnenen Arbeiten.
Neu im Kreis der Schlosshotels ist das Schlosshotel Lütgenhof. Nach Jahrzehnten des Verfalls entstand durch das Engagement der Mast-Jägermeister AG eine Oase der Ruhe zwischen Schilf und Kastanien. Lütgenhof liegt im Örtchen Dassow unweit der Lübecker Bucht. 23 Zimmer belegen, dass der Investor weder Mühe noch Kosten gescheut hat, um ein hohes Maß an Perfektion zu erreichen. Stilvoll sind die Möbel, die für das Hotel von den Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau angefertigt wurden. Detlef Berg

Schloss Lütgenhof

Bis zu 1,10 Meter dick sind die Mauern von Schloss Hohendorf.
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