ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2001Tansania/Sansibar: Gewürzinsel mit orientalischem Flair

Supplement: Reisemagazin

Tansania/Sansibar: Gewürzinsel mit orientalischem Flair

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [28]

Schumacher, Barbara

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LNSLNS Seit dem 10. Jahrhundert von Arabern aus Persien beherrscht, hat Sansibar, das 1963 seine Unabhängigkeit erlangte, eine bewegte Geschichte hinter sich, in der auch die Portugiesen eine Rolle spielten. Im 19. Jahrhundert größter Sklavenmarkt der Welt und bedeutendster
Handelsplatz für Elfenbein, so bedeutend, dass der Sultan des Oman seine Hauptstadt hierher verlegte, Ausgangspunkt für legendäre Afrika-Forscher, wie Livingstone, Speke, Burton, die bei dem berüchtigten Sklavenhändler Tippu Tip zu Gast waren, Ort des kürzesten Krieges, in dem die Briten, mit denen der omanische Sultan Sayyid Said einen militärischen Sicherheitspakt abgeschlossen hatte, in 40 Minuten den „People’s Palace“ zerschossen. Noch heute verbindet sich der Hauch von exotischem Abenteuer mit dem Duft von Nelken (1818 von Sultan Sayyid Said eingeführt), Kardamom, Zimt, Muskat, Vanille, Zitronengras, Ingwer und anderen Gewürzen, die auf Unguja (genannt Sansibar) und seiner fruchtbaren, nördlich gelegenen Nachbarinsel Pemba wachsen.
Wer sich mit dem Schiff der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt der Hauptstadt Stonetown nähert, wird überrascht von
der Mischung aus Schwarz-Afrika und Orient, wenn die Nachmittagssonne das „House of Wonder“ mit seinen schlanken Säulen und 14 geschnitzten Türen mit Koranzitaten im Innern, das portugiesische Fort, Häuser aus Korallenstein mit Mangrovenholz-Balkonen in arabischem und viktorianischem Stil, Kathedralen, Moscheen und Hindu-Tempel als Kulisse für die Dhaus mit archaisch anmutenden, grau-weißlichen Segeln anstrahlt. Der Zahn der Zeit nagt überall in den verwinkelten Gassen von Stonetown: reichlich grün-graue Patina haben die Gemäuer und Paläste im Laufe der Zeit angesetzt.
Spätestens beim Singsang des Muezzin bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen ist der Besucher im Bann der Stadt – in Erwartung des Besuchs des Darajani-Marktes mit orientalischem Treiben bei Fisch- und Bananenversteigerungen, bei der Begegnung mit der Vergangenheit in den Museen und dem Erleben einer toleranten, zu 95 Prozent aus Muslimen bestehenden Gesellschaft, die das unmittelbare Nebeneinander von Kathedralen, Moscheen und Tempeln als selbstverständlich empfindet. Mehr als 500 der holzgeschnitzten, oft über 300 Jahre alten Swahili-Türen indischen, arabischen und suahelischen Stils sind noch erhalten und zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt. Kunsthandwerker pflegen die Tradition der Herstellung geschnitzter Truhen, und in den letzten Jahren entwickelte sich „Tinga-Tinga“, ein Stil naiver Malerei, der die Tierwelt in abstrakt/realistischer Weise darstellt.
Der Gegensatz zwischen Luxus aus Tausendundeiner Nacht in renommierten Hotels (zum Beispiel im Serena Hotel und im Tembo) und dem einfachen Leben der Inselbewohner könnte größer nicht sein. Fischerdörfer an der Ostküste haben weder Wasser noch Strom, wohingegen die Hotels sogar über eigene Meerwasserentsalzungsanlagen verfügen.
Ein nachahmenswertes Beispiel für „sanften Tourismus“ praktiziert das Breezes Beach Hotel am kilometerlangen Palmenstrand am Korallenriff an der Ostküste. Das Hotel bietet dem Nachbardorf Bwejuu Unterstützung durch Arbeitsplätze im Hotel, ein neues Dach für die Dorf-
Bibliothek. Das danken die Dorfbewohner interessierten Hotelgästen, die beim Head-Teacher der Schule und beim Dorfdoktor, der eigentlich Dentist ist und für seine Malaria-Patienten keine Medikamente in der staatlichen Krankenstation hat, willkommen sind. Jusuf, im Hotel Serena Empfangschef, lädt den Hotelgast in sein Haus im Dorf ein. Während die eine Ehefrau auf dem Bauch liegend das Geschehen um sie herum beobachtet, spielt die zweite Ehefrau mit den vier Kindern. Er betreibt auch noch ein kleines Restaurant mit vier Tischchen im traditionellen Swahili-Haus. Das Essen wird auf der Feuerstelle zubereitet – mangels Wasser, das aus einem der 20 Dorf-Brunnen herangeschleppt werden muss, wird mit Kokosmilch gekocht. „Der Verkauf von getrocknetem Seegras, Basis für die Herstellung von Kosmetika, hat unseren Frauen bisher eine bescheidene Einnahmequelle gesichert, das Interesse dafür ist aber plötzlich geschwunden. Die Frauen bauen das Seegras an, ernten und trocknen es, weil sie das nicht wahrhaben wollen. Derzeit ist die gesamte Arbeit umsonst.“ Der Zanzibari ist höflich, freundlich und bescheiden. Sein Gruß: „Jambo, karibu!“ Barbara Schumacher


Reise-tipps
Reisezeit: Ganz-jährig, besonders schön ist es im Dezember, wenn die Flamboyant- Bäume blühen und die Mangos geerntet werden.
Impfungen: Gelbfieber ist obligatorisch, Malaria-Prophylaxe (Lariam®) notwendig.
Ein Visum ist erforderlich, erhältlich bei der Botschaft von Tansania oder am Airport von Sansibar; der Pass muss noch über 6 Monate gültig sein.
African Safari Club (Kontakt über Reiseservice Afrika – Olaf Fey, Telefon: 0 84 42/96 44 68) bietet eine einwöchige Flug-Reise nach Sansibar ab Mombasa an (Flüge täglich mit Tansania Air: 70 Dollar, wöchentlich fliegt Condor ab Frankfurt nach Mombasa: ab 1 500 DM). Schöne Hotels in landestypischem Stil: Serena-Luxus-Hotel, Tembo-Hotel u. a.
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