ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2001Indonesien/Sumatra: Wo der Orang-Utan zu Hause ist

Supplement: Reisemagazin

Indonesien/Sumatra: Wo der Orang-Utan zu Hause ist

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [4]

Amann, Erika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Sumatra. Das Wort verführt zum Träumen: Von dunklen Dschungeln, in denen Tiger leben und Orang-Utans sich von Baum zu Baum schwingen. Man denkt an den Duft von Nelken, Zimt und Sandelholz – und an das würzige Aroma dicker Zigarren. Britische und holländische Pflanzer, chinesische und arabische Kaufleute, alles geliebte Figuren aus Joseph-Conrad-Romanen, die häufig in Indonesien spielen, geistern durch den Kopf.


Um es gleich vorwegzunehmen: Für die Herren der Schöpfung hält Westsumatra eine Enttäuschung bereit. Beim Stamm der Minangkabau, der hier lebt, geben nämlich Frauen den Ton an. Die matriarchalische Gesellschaft funktioniert ausgezeichnet, obwohl über neunzig Prozent der Bevölkerung Moslems sind. Hier hat nicht der Mann, sondern die Frau den Besitz. Nur Töchter können zu lachenden Erbinnen werden. Nach der Hochzeit – dazu tragen die Bräute die prächtigsten Kleider – „darf“ der Mann heute im Haus seiner Frau wohnen, früher erhielt er nur nachts eine Schlafstelle, als „Ehemann auf Besuch“. Was von einem Minangkabau-Gemahl zu halten ist, das sagt ein derbes Sprichwort: „Er ist wie eine Fliege auf einem Büffelschwanz oder wie Asche auf einem Baumstumpf. Schon der kleinste Windhauch bläst ihn davon . . .“ Den Männern scheint das System gut zu bekommen, sonst würden nicht die Minangkabau die größten Dichter des Landes und die meisten erfolgreichen Politiker stellen.
Auch an Dal, dem stets lachenden Fahrer, ist nichts Ungewöhnliches. Er sprach viel von seiner Ibu (Frau) und den „nur“ zwei Kindern. Dal ist strikt für „family planning“. Daran halten sich sonst wenige Familien; im Durchschnitt haben sie sechs Sprösslinge. Deshalb gehen die Knirpse in zwei Schichten, die einen vor-, die anderen nachmittags in die Schule.
Entdecken und Baden
Bukittinggi, was nichts anderes heißt als „hoher Hügel“, „thront“ auf einem solchen wie eine schöne, lebenslustige Prinzessin, Hotels aller Kategorien ziehen sich – der spektakulären Aussicht wegen – fast hinauf bis zu den eher mageren Überresten des holländischen „Sternenschans“-Forts. Umso eindrucksvoller zeigt sich die Kulturmetropole der Region im Baandjuang-Museum, das in einem alten Adathaus (Rajah-Palast) untergebracht ist. Mit schwarzem Sago-Palmenstroh gedeckt, ragen die Dächer mit ihren Büffelköpfen an der Sonnenauf- und Untergangseite wie umgedrehte Schiffe auf Baumstelzen in den blauen Himmel. Geschäftig klappern die Bendis, kleine Pferdekutschen, als Ein-PS-Taxis durch die Straßen. Die Kutscher wetteifern untereinander mit blitzenden Geschirren für ihre Pferdchen und schmücken sie zwischen den Ohren mit einer kessen roten Bommel. Meist halten sie für die Fremden unterm Jam Gadang, dem großen Uhrturm und Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus ist es nicht weit in die guten Kneipen des bunten Chinesen-Viertels, zum kleinen Theater mit sehenswerten Tänzen der Minangkabau in höchst farbenprächtigen Kostümen, und zum „unteren“ Markt.
Unablässig möchte man schauen, riechen und schmecken. Es türmen sich rote Chiliberge, exotische Früchte und glitzernde, fangfrische Fische zwischen Pfannkuchenbäckern, Gado-Gado-Köchinnen (Gemüse in Chilisoße) und Reis-Kuchenhändlern. Am „oberen“ Markt warten dann verlockende Textilien, Schuhe, Krimskrams wie aus Tausendundeiner Nacht und prall gefüllte, aufregende Antiquitätenläden mit edlen Holzmasken, Buddhaköpfen und Betelnussschalen.
Drei Tage braucht man mindestens, um die Stadt und ihre reizvolle Umgebung zu entdecken. Als Standquartier gönnt man sich am besten den Luxus des ruhig und zentral gelegenen Pusako-Hotels; es zählt zu den besten Häusern Westsumatras (Doppelzimmer ab 80 bis 180 US-$). Bukittinggi ist umgürtet von grünen Tälern und Terrassen mit Reisfeldern, von dunklen Kokoswäldern, Nelken-, Zimt-, Kakao- und Kaffee-Plantagen. Zu Füßen des grummelnden und legendenumwobenen Vulkan-Trios Singgalang, Merapi und Gunung Sago liegen tiefe Vulkanseen. Glasklar ist das Wasser zum Schwimmen am Maninjau-See. Auf schattigen Pfaden lässt er sich umwandern.
Hier hat Ibu (Frau) Rusti, eine fröhliche, singende, aber geschäftstüchtige Wirtin ihr Reich. Mit ihrem Mittelklasse-Strandhotel samt Terrassenrestaurant Pasir Panjang Permai hat sie vor zwanzig Jahren begonnen; inzwischen baut sie schon am zweiten. Ihr fangfrischer Fisch mit Bumbo, einer mit Safran, Chili und Limone gewürzten dicken Kokossoße, schmeckt pikant (10 bis 15 DM). Nicht zu vergessen die Handwerkerdörfer.
Viele Dörfler wohnen noch in charakteristischen „Rumah Bagonjon“, Holzhäusern mit Büffelhorndach. In Kota Gadang sitzen Danny & Dessy mit ihrem erhabenen Silberschmuck. Frisch gemahlenen Kaffee verkaufen die Müllerinnen von Sungai Tarab, in Baso steht die Nummer eins unter den Stickerei Fabriken Westsumatras. Im Dschungel-Tal von Anai, wo es noch Tiger geben soll, mit Sicherheit aber freche Langschwanzaffen, die am Wegrand um Bananen betteln, wandert es sich sicherer mit einem Führer wie Rafles. Sein Name verpflichtet: Im Juli und August, wenn die seltene Rafflesia Arnoldi ihre 110 cm weite weiße und rote Blüte öffnet, findet er sie auch. Seine Mutter war beim Anblick der größten Blume der Welt so begeistert, dass sie ihren Sohn nach ihr benannte. Als glücklicher Entdecker und Namensgeber der Rafflesia gilt allerdings Sir Stamford Raffles, ebenso berühmt als Begründer von Singapur wie für seinen Haus-Cocktail, den Singapur Sling.
Padang und Cubadole
Ideal für ein paar Tage Stranderholung ist die 20 Bootsminuten von der Provinzmetropole Padang entfernte Koralleninsel Cubadak mit dem Paradise Village (Doppelzimmer ab 240 $, außerdem Schnorcheln, Kanus, Wasserski und Tauchbasis). Oder man wohnt im modern angelegten, zumeist aber auch kolonial geblichenen Padang in einem der brandneuen Viersternehotels und besucht von dort aus
die einsamen Strände, die sich in der zerklüfteten Küste im nahen Bungus und Pasir Putih verstecken. Wer Abenteuertrips mit Eingeborenen-Kanus im Dschungel sowie mit Zeltcamp zum Baden sucht, ist auf den Mantawai-Inseln am richtigen Fleck (150 km per Boot, Auskünfte: Mr. Aan, Ero-Tours, Fax: 00 62-7 51-44 26 56).
Orang-Utans leben im Norden Sumatras. Vor die Linse bekommt man sie garantiert im etwa 90 Kilometer von Medan entfernten Bohorok-Naturreservat, wo es ein Orang-Utan-Rehabilitationscenter gibt. Dort werden die Orangs für die Auswilderung vorbereitet. Erika Amann


Unter weit ausladenden Bäumen duckt sich die weiße Dorfmoschee am Mananjau-Vulkansee.


Auf Sumatra: Die bunten Tänze der Einheimischen werden von Flötenspielern und Trommlern begleitet.

Reise-tipps

Formalitäten: Deutscher Reisepass, mindestens noch sechs Monate gültig, Malaria-Prophylaxe empfohlen.
Geld: 4 200 Indonesische Rupiah = 1 DM, außerdem US- oder DM-Bar-Schecks bzw. Travellerschecks und internationale Kreditkarten.
Zeit: plus fünf Stunden (MEZ).
Klima: wegen Äquatornähe feucht-heiß, oft Tropenschauer; Kleidung: nur Baumwolle, Shorts; T-Shirts, Regenschutz, feste Wander- und Badeschuhe.
Nebenkosten: relativ niedrig: Menü ab zehn DM, Tee, Kaffee, frische Fruchtsäfte 1 bis 2 DM, Bier 5 DM, Wein und Spirituosen teuer.
Preise: Mit Garuda Indonesia ab Frankfurt/Main via Singapur nach Medan und zurück ab rund 1 650 DM. Ideal der Premium-Service
mit Business-Class-Sitzen bei einem Zuschlag in Höhe von rund 750 DM. Täglich Flüge Medan–Padang mit Merpati; Tickets zu 100 DM.
Informationen und Buchungen (auch für Hotels): Horas Tours, Medan; Fax: 00 62/61/41 59 95; E-Mail: horas@horas.famili.com und horas@idola.net.id.
Privattouren zu Pauschalpreisen: Tagestour ab Medan: nach Bohorok mit Orang-Utan-Station. Sieben Tage Sumatra Overland Privattour: Medan-Toba-See, Insel Samosir, Äqatorstadt Bonjol, Bukit-
tinggi-Pandang mit Guide und HP: 1 270 DM. Insel Cubadak: VP-Badewoche ab Padang: ab rund 1 900 DM (bei Tischler-Reisebüro GmbH, Garmisch-Partenkirchen).
Sicherheit: www.Auswaertiges-Amt.de sowie Telefon: 0 30/18 88-170
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema