ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001EBM 2000 plus: Hängepartie

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EBM 2000 plus: Hängepartie

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-569 / B-477 / C-453

Maus, Josef

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LNSLNS Provisorien zeichnen sich häufig durch eine unvermutete Gemeinsamkeit aus: Sie halten länger, als jemals beabsichtigt war. Eine solche (unfreiwillige) Karriere ist offenbar auch den Praxisbudgets der niedergelassenen Vertragsärzte beschieden, denn der neue Einheitliche Bewertungsmaßstab für ärztliche Leistungen (EBM) kommt nicht von der Stelle.
Eigentlich sollte am 28. Februar in Siegburg der Durchbruch gelingen. Die Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) trafen sich dort mit ihren Verhandlungspartnern von den Spitzenverbänden der Krankenkassen. Die Sitzung dauerte zwar lange, das Ergebnis war jedoch eher mager: Ab dem 1. Januar 2002 soll der EBM 2000 plus in wenigstens zwei Kassenärztlichen Vereinigungen mindestens zwei Quartale lang getestet werden. Nach dem Probelauf und dessen Auswertung soll schließlich über die bundesweite Einführung der neuen Gebührenordnung zum 1. Juli 2003 entschieden werden.
Damit ist die KBV – realistisch betrachtet – keinen Schritt weiter als im Herbst vergangenen Jahres. Damals drohten die Verhandlungen endgültig zu scheitern, weil sich die Krankenkassen auf nichts einlassen wollten. Erst ihre Zusage im letzten
Moment, den neuen EBM in eine
Erprobungsphase zu schicken, verhin-
derte die Anrufung des Erweiterten
Bewertungausschusses – einer Art Schiedsamt auf Bundesebene. Damals wie auch jetzt spielen die Krankenkassen auf Zeit. Sie scheuen das finanzielle Risiko eines neuen EBM, der nach Jahren der Stagnation ärztliche Leistungen höher bewerten würde. Sie fordern überdies eine Garantie, dass es nicht zu unkontrollierbaren Mengenausweitungen kommt.
Bei der Verhandlung am Aschermittwoch in Siegburg konnten sich die Vertragspartner weder bei der Leistungsbewertung noch auf die Leistungssteuerung einigen. Dies soll nun bis Mitte dieses Jahres nachgeholt werden. Spätestens dann dürfte die Geduld der KBV jedoch erschöpft sein. Mauern die Krankenkassen weiter, wird wohl der Erweiterte Bewertungsausschuss über einen neuen EBM befinden müssen.
Einstweilen, mindestens bis Mitte 2003, gelten also die ungeliebten Praxisbudgets weiter. Sie waren als „Übergangslösung“ am 1. Juli 1997 eingeführt worden. Josef Maus
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