ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Alkoholsucht: Soziale Kosten

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Alkoholsucht: Soziale Kosten

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-569 / B-477 / C-453

Clade, Harald

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LNSLNS Die aktuelle Suchtbilanz für Deutschland ist erschreckend: Mehr als 1,6 Millionen Bürger sind alkoholkrank. Weitere 2,7 Millionen trinken Alkohol in einem gesundheitsabträglichen Ausmaß. Hinzu kommt: 4,9 Millionen Bürger, die in Deutschland leben, konsumieren ein größeres Maß an reinem Alkohol, als es die
Risikoschwelle (30-40 Gramm reiner
Alkohol bei Männern und 20 Gramm
bei Frauen) toleriert. Diese Alkoholismus-Bilanz legte die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V., Hamm/Westfalen, vor. Die öffent-liche Resonanz blieb jedoch gering.
Während Männer täglich etwa 40 Gramm reinen Alkohol konsumieren, sind es bei den Frauen rund 20 Gramm. Durchschnittlich „genießt“ jeder Deutsche jährlich mehr als 10,6 Liter reinen Alkohol – bezogen auf die Bevölkerungsgruppe zwischen 14 und 69 Jahren. Die Folgen dieser Suchtbilanz: Allein 1 114 Tote im Straßenverkehr waren im vergangenen Jahr aufgrund alkoholbedingten Fehlverhaltens zu beklagen. Die volkswirtschaft-lichen (sozialen) Gesamtkosten: mehr als 40 Milliarden DM jährlich! Davon entfallen allein 14
Milliarden DM auf Ausgaben im Gesundheitswesen infolge alkoholbedingter und alkoholassoziierter Erkrankungen.
Deutschland rangiert mit an der Spitze des Alkoholkonsums im Vergleich der europäischen Länder.
Der Staat profitiert von den auf Alkoholkonsum lastenden Verbrauchssteuern enorm: Die Biersteuer beispielsweise spielte 1998 allein 1,65 Milliarden DM in die Kassen der Bundesländer. In den Bundeshaushalt fließen aus Branntwein- und Schaumweinsteuer jährlich rund 5,5 bis sechs Milliarden DM. Zum Vergleich: Der Staat ist auch bei den Steuern aus Tabakprodukten beteiligt. Er erzielte im vergangenen Jahr mehr als 23 Milliarden DM aus dieser gesundheitspolitsch fragwürdigen Quelle. Dr. rer. pol. Harald Clade
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