ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Kassenärztliche Bundesvereinigung: Große Herausforderungen

POLITIK

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Große Herausforderungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-586 / B-490 / C-465

Klemm, Helmut

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LNSLNS Am 17. März findet in Köln die konstituierende Sitzung
der neu gewählten KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung statt.

Rund 70 Prozent der Delegierten sind neu in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zum größten Teil sind es niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die als ordentliche Mitglieder von ihrer Landes-KV entsandt werden. Zum kleineren Teil sind es außerordentliche Mitglieder – Ärztinnen und Ärzte, die noch nicht oder nicht mehr zugelassen sind.
Bislang gab es nur diese beiden Gruppen von Delegierten. Doch mit dem In-Kraft-Treten des Psychotherapeutengesetzes 1999 ist die Situation komplexer geworden. Acht Delegierte der VV in der kommenden Legislaturperiode sind Psychologische Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten – sieben als ordentliche Mitglieder, einer als außerordentliches Mitglied.
Zum ersten Mal sind einige Mitglieder der Ver­tre­ter­ver­samm­lung also keine Ärzte. Die ärztlichen Kollegen werden lernen müssen, sie als gleichberechtigte Delegierte und nicht nur als Gäste zu akzeptieren. Gleichzeitig müssen die Psychotherapeuten Sensibilität und ein inhaltliches Verständnis der ärztlichen Belange entwickeln. Ihre Integration in die Arbeit der Ver­tre­ter­ver­samm­lung und in die entsprechenden Arbeitsgremien ist ein wichtiges Ziel für die kommende Wahlperiode.
Erfahrungsgemäß wird es einige Monate dauern, bis die neuen Delegierten – Ärzte wie Psychotherapeuten – sich in die Sachfragen eingearbeitet haben. Wichtige und brisante Themen für die nächsten vier Jahre gibt es genügend: Die Palette reicht von der Abschaffung des Arzneimittelbudgets und deren Ablösung durch arztgruppenspezifische Richtgrößen, über die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen bis hin zur Honorarmisere der niedergelassenen Ärzte – vor allem in Ostdeutschland.
Inwieweit die Delegiertenversammlung (berufspolitisch) erfolgreich wirken kann, wird davon abhängen, ob es ihr gelingt, Geschlossenheit zu wahren. Die Devise muss lauten: Erst in der Sache konstruktiv miteinander streiten, darüber einen Konsens entwickeln und diesen dann nach außen nachdrücklich und vor allem einheitlich vertreten. Aufreibende Grabenkämpfe zwischen verschiedenen Interessengruppen – nicht nur zwischen Ärzten und nicht-ärztlichen Psychotherapeuten – können der gemeinsamen Sache nur schaden, besonders, wenn die Kontrahenten sie in der Öffentlichkeit austragen.
Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung kann ihren Teil zur Verwirklichung der berufspolitischen Ziele der niedergelassenen Ärzte beitragen, wenn sie in ihren Positionen beharrlich ist, fortgesetzte Überzeugungsarbeit leistet und sich nicht in Einzelinteressen spalten lässt. Darin liegt sowohl die Herausforderung als auch die große Chance der kommenden vier Jahre. Dr. med. Helmut Klemm
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