ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Kommentar: Interdisziplinäre Endoskopie

MEDIZIN

Kommentar: Interdisziplinäre Endoskopie

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-603 / B-491 / C-463

Greten, Heiner

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Entwicklung moderner endoskopischer Techniken ist in den letzten Jahrzehnten ein wesentlicher Bestandteil der deutschen gastroenterologischen Forschung. Stellvertretend für viele sei die Erlanger Schule um Ludwig Demling erwähnt. Zunächst als diagnostische Methode eingesetzt, haben sich inzwischen zahlreiche therapeutisch invasive Verfahren durchgesetzt. Sie alle erfordern den ständigen persönlichen Einsatz des Untersuchers und ein hohes Maß an Expertise.
An den meisten deutschen Universitätskliniken haben sich oft gleichzeitig endoskopische Arbeitsbereiche sowohl in internistischen als auch in chirurgischen Kliniken etabliert. Sie werden in der Regel von erfahrenen Oberärzten geleitet. Sobald jedoch diese versierten Gastroenterologen und Endoskopiker die Klinik verlassen und eine selbständige Position übernehmen, entsteht eine Vakanz, die erst nach unterschiedlich langen zeitlichen Intervallen durch entsprechend ausgebildeten Nachwuchs beendet wird. Dies ist keine gute Organisationsform –insbesondere deswegen nicht, weil die zunehmende Öko­nomi­sierung in der Medizin auf die Dauer nicht zwei ähnlich vorgehende Arbeitsbereiche erlaubt. Eine optimale Nutzung der Ressourcen mit einem gemeinsamen Gerätepark und einem gemeinsamen Rufdienst der Ärzte und des Pflegepersonals ist mehr denn je geboten.
Klinik für interdisziplinäre Endoskopie
In dieser Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts erscheinen zwei Beiträge zum Thema „Endoskopische Therapie der oberen gastrointestinalen Blutungen“ aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Krankenhaus Sankt Adolf-Stift, Reinbek. In Hamburg wurden auf Vorschlag der jeweiligen Klinikdirektoren die Arbeitsbereiche Endoskopie der Medizinischen Klinik und die Abteilung für chirurgische Endoskopie vereint. Nach einjähriger Probezeit, während der die Vor- und Nachteile einer solchen Fusion sorgfältig beobachtet wurden, wurde die „Klinik für Interdisziplinäre Endoskopie“ im Sommer 1999 eingerichtet, in der Internisten und Chirurgen interdisziplinär zusammenarbeiten. Der Direktor ist Chirurg, sein stellvertretender Leiter ist Oberarzt der Medizinischen Klinik. Welches sind neben den besseren ökonomischen Voraussetzungen die Vorteile einer solchen Fusion?
Fusion verbessert Weiterbildung
Ohne Zweifel die bessere Weiterbildung angehender Gastroenterologen, Internisten und endoskopisch tätiger Chirurgen. Aufgrund der hohen Fallzahlen und des größeren Spektrums der Untersuchungen und Interventionen – zurzeit etwa 15 000 Patienten jährlich – werden Indikationsstellung, eventuelle Komplikationen aber auch die Möglichkeiten der modernen Endoskopie besser erlernt. Die dauerhafte Supervision aller Untersucher durch erfahrene Endoskopiker bei interdisziplinärer Betreuung durch Chirurgen und Gastroenterologen optimiert die Patientenbetreuung. Hohe Fallzahlen schaffen bessere Voraussetzungen für die wissenschaftliche Arbeit der Klinik.
Die interdisziplinäre klinische Tätigkeit setzt Respekt und Achtung gegenüber der Leistung des anderen voraus. Sind diese Eigenschaften nicht vorhanden, werden solche Projekte scheitern. Die gelegentlich kritisch geäußerte Auffassung, der eine oder andere „gäbe etwas auf von seinem Fachgebiet“, ist nicht sehr weitsichtig. Universitätskliniken der Zukunft werden sich mehr denn je darauf besinnen müssen, exzellente Bedingungen für erfolgreiche Forschung zu schaffen
bei gleichzeitiger optimaler klinischer Weiterbildung. Die molekulare Medizin mit ihrem rasanten Fortschritt erfordert es, und ökonomische gesundheitspolitische Maßnahmen, gerade auch an deutschen Universitätskliniken, erzwingen es geradezu. Es ist nicht nur möglich, sondern notwendig, dass auch in anderen Bereichen der Medizin die Patientenbetreuung fachübergreifend betrieben wird. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Onkologie. Die „Klinik für Interdisziplinäre Endoskopie“ in Hamburg arbeitet erfolgreich und wird dies auch in der Zukunft tun. Ähnliche Einrichtungen auch an anderen deutschen Universitätskliniken werden folgen – je eher desto besser.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2001; 98: A 603 [Heft 10]

Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. Heiner Greten
Direktor der Medizinischen Kernklinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: greten@uke.uni-hamburg.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema