ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Gastroösophageale Refluxkrankheit und Barrett-Ösophagus: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Gastroösophageale Refluxkrankheit und Barrett-Ösophagus: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-618 / B-520 / C-495

Fuchs, Karl-Hermann; Schrenck, Tammo von

zu dem Beitrag Gastroösophageale Refluxkrankheit und Barrett-Ösophagus Aktueller Stand der Diagnostik von Prof. Dr. med. Tammo von Schrenck Prof. Dr. med. Karl-Hermann Fuchs in Heft 40/2000
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LNSLNS Fraglos hat die Histologie in der Dia-
gnostik des Barrett-Ösophagus einen hohen Stellenwert (2, 5). Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist die Histologie unabhängig von den endoskopischen Befunden jedoch von untergeordneter Bedeutung, denn der Schweregrad der makroskopisch und histologisch nachgewiesenen Ösophagitis steht weder in Einklang mit der Ausprägung der Symptome noch mit dem Ausmaß der Exposition gegenüber Säure oder Galle (2). Die interindividuelle Variabilität der Befunde und Sym-
ptome erklärt sich durch zahlreiche Faktoren, zu denen die zentralnervöse Perzeption eines gastroösophagealen Säurerefluxes (4) und unterschiedliche mukosale Abwehrmechanismen im Ösophagus gehören (3). Nach unserer Kenntnis sind keine Studien publiziert, die gezeigt hätten, dass die systematische Erfassung mikroskopischer Ösophagusschleimhautveränderungen bei makroskopisch unauffälligem Befund das diagnostische oder therapeutische Management sinnvoll ergänzt. Auch ist der Stellenwert der Histologie für die Prävention peptischer Stenosen ebenso wenig wissenschaftlich gesichert wie die histologische Graduierung der Ösophagitis zur Kontrolle einer medikamentösen Behandlung. Wir stimmen überein, dass die Histologie die Differenzialdiagnostik zwischen einer chronischen Gastritis mit intestinaler Metaplasie und einem Barrett-Ösophagus ermöglicht. Nach wie vor wird durchaus kontrovers diskutiert, wie die gastroösophageale Übergangsregion makroskopisch und vor allem auch histologisch zu differenzieren ist und wie es zu der Entstehung eines Barrett-Epithels kommt (5). Die Entwicklung der refluxbedingten Entzündung der Kardiaregion (so genannte „Karditis“) steht jedoch nicht in direkter Beziehung zu einer Helicobacter-pylori-Infektion oder pathologischen Veränderungen in anderen Regionen des Magens (1). Selbst bei nachgewiesenem Barrett-Ösophagus können regelmäßige endoskopisch-bioptische Kontrollen nicht als allgemein akzeptiert gelten. Zwar steigt die Inzidenz des Adenokarzinoms in einem bedrohlichen Ausmaß an, in absoluten Zahlen gemessen ist sie jedoch niedrig. Dabei dürften die bislang publizierten Berichte über den Barrett-Ösophagus das Karzinomrisiko eher überschätzt haben (5, 6). Vor diesem Hintergrund muss erst recht bei makroskopisch unauffälliger Ösophagusschleimhaut und somit geringem Karzinomrisiko kritisch die Frage nach den diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen und nach der Kosten-Nutzen-Effektivität von Biopsie und Histologie gestellt werden. Die Prävalenz der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist sehr hoch, und bei der Endoskopie ist bei der überwiegenden Zahl der Patienten mit gastroösophagealer Refluxkrankheit keine Ösophagitis zu finden (2). Routinemäßige Biopsien von makroskopisch unauffälliger Schleimhaut des Ösophagus oder der Kardiaregion würden einen erheblichen Aufwand und Kosten generieren, ohne dass der Nutzen dieser Maßnahmen erwiesen wäre.

Literatur
1. DeMeester SR, DeMeester TR: Columnar mucosa and intestinal metaplasia of the esophagus: Fifty years of controversy. Ann Surg 2000; 3: 303–321.
2. Dent J, Brun J, Fendrick AM, Fennerty MB, Janssens J, Kahrilas PJ, Lauritsen K, Reynolds JC, Shaw M, Talley NJ on behalf of the Genval Workshop Group: An evidence-based appraisal of reflux disease management – The Genval Workshop Report. Gut 1999; 44: S1–S16.
3. Marcinkiewicz M, Han K, Zbroch T, Poplawski C, Gramley W, Goldin G, Sarosiek J: The potential role of the esophageal pre-epithelial barrier components in the maintenance of integrity of the esophageal mucosa in patients with endoscopically negative gastroesophageal reflux disease. Am J Gastroenterol 2000; 95: 1652–1660.
4. Richter JE: Typical and atypical presentations of gastroesophageal reflux disease. The role of esophageal testing in diagnosis and management. Gastro-
enterol Clin North Am 1996; 25: 75–102.
5. Sampliner RE: Practice guidelines on the diagnosis, surveillance, and therapy of Barrett’s esophagus. Am J Gastroenterol 1998; 93: 1028–1032.
6. Shaheen NJ, Crosby MA, Bozymski EM, Sandler RS. Is there publication bias in the reporting of cancer risk in Barrett’s esophagus? Gastroenterology 2000; 119: 333–338.

Prof. Dr. med. Tammo von Schrenck
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Prof. Dr. med. Karl-Hermann Fuchs
Chirurgische Universitätsklinik
Julius-Maximilians-Universität
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg

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