ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Giuseppe Verdi: Kein Pomp um seine Person

VARIA: Feuilleton

Giuseppe Verdi: Kein Pomp um seine Person

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-621 / B-523 / C-499

Schmidt, Ronald

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LNSLNS Der italienische Komponist kümmerte sich auch um soziale Belange.

Die Opernwelt feiert in diesem Jahr einen ihrer größten Komponisten: Giuseppe Verdi. Der Italiener, der 26 Bühnenwerke geschaffen hat, starb vor hundert Jahren, am 27. Januar 1901, im Alter von 87 Jahren auf seinem Landgut Sant’ Agata.
Giuseppe Verdi wurde am 10. Oktober 1813 als Sohn eines Gastwirtes in Le Roncole bei Busseto in der Nähe von Parma geboren. Wegen seiner außerordentlichen musikalischen Begabung übertrug man Verdi bald die Organistenstelle seines Heimatortes und ernannte ihn 1836 zum städtischen Musikdirektor von Busseto. Einen ersten Achtungserfolg erzielte der junge Musiker 1839 mit der Oper „Oberto“, die ihm einen begehrten Werkvertrag mit der Mailänder Scala einbrachte.
Durch den frühen Tod seiner Ehefrau und seiner zwei kleinen Kinder, die innerhalb von zwei Jahren (1838 – 1840) an einer Epidemie starben, wurde Verdis schöpferische Kraft vorübergehend beeinträchtigt. Geplagt von Depressionen, trug er sich lange Zeit mit dem Gedanken, das Komponieren ganz aufzugeben. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, schaffte Verdi 1842 mit seiner zweiten Oper „Nabucco“, die zum Symbol der Freiheit und des Widerstandes des italienischen Volkes gegen die österreichische Besatzungmacht wurde, den nationalen Durchbruch und löste die bis dahin führenden italienischen Opernkomponsten Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini und Gioacchino Rossini ab. In der Folge machten die Opern „La Traviata“, „Troubadour“, „Rigoletto“ und vor allem die zur Eröffnung des Italienischen Theaters in Kairo 1871 aufgeführte Oper „Aida“ Verdi international bekannt und zum Konkurrenten des deutschen Musikdramatikers Richard Wagner. Der bis heute umstrittene Vorwurf, Verdi habe sich bei der Komposition der „Aida“ zu sehr an Wagner orientiert und dadurch ein Element des „Germanismus“ in die italienische Oper eingeführt, traf Verdi tief und hat unter anderem dazu beigetragen, dass er 16 Jahre lang keine Oper komponierte. Stattdessen schrieb er überwiegend Kammermusik, Kantaten, geistliche Musik und 1874 das bekannte „Requiem“ aus Anlass des Todes seines Freundes und Dichters Alessandro Manzoni. Verdis Enthaltsamkeit im Hinblick auf sein kompositorisches Schaffen hatte mit der Uraufführung der Oper „Otello“
im Jahr 1887 ein Ende. Danach komponierte der Gran Vegliardo (Herrscher), wie Verdi von seinen Landsleuten genannt wurde, die Oper „Falstaff“. Mit dieser Commedia lirica, die am 9. Februar 1893 an der Scala Uraufführung hatte, verabschiedete sich der 80-jährige Komponist von der Bühne.
Giuseppe Verdi hat mit seinen Werken ein großes Vermögen verdient, viele bedeutende Auszeichnungen entgegengenommen und im Gegensatz zu anderen Komponisten seiner Zeit jeden Pomp um seine Person abgelehnt. Mehr noch: Dieser, zuweilen aufbrausende, leicht reizbare Künstler, der zeitlebens unter Magenschmerzen, chronischer Bronchitis, depressiven Verstimmungen und Rheumatismus zu leiden hatte und die Einsamkeit seines Landgutes dem Großstadtleben vorzog, kümmerte sich auch um soziale Belange. Er baute 1888 ein kleines Hospital in Villanova, unterstützte notleidende Künstler und vermachte nach seinem Tod – er starb am 27. Januar 1901 an den Folgen eines Schlaganfalls – fast die Hälfte seines Vermögens karitativen Einrichtungen. Ein Musikerheim in Mailand, die Casa di Riposo, wurde ebenso bedacht wie das Taubstummen-Institut, das Rachitisheim und die Blindenanstalt von Genua.
Am 26. Februar 1901 wurde Verdi zusammen mit seiner 1897 gestorbenen zweiten Frau Giuseppina im Oratorium der Casa di Riposo von Mailand beigesetzt.
Dr. med. Ronald Schmidt
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