ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Buchmarkt online: Lesestoff aus dem Internet

VARIA: Bücher

Buchmarkt online: Lesestoff aus dem Internet

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-622 / B-510 / C-481

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Verlage arbeiten mit Hochdruck an elektronischen Ausgaben und neuen Vermarktungsmöglichkeiten ihrer Produkte.
Ü ber das Internet wurden im Jahr 2000 für weit mehr als 200 Millionen DM (1999: rund 165 Millionen DM) Bücher verkauft. In drei bis vier Jahren soll der Umsatz bereits die Milliarden-DM-Grenze überschreiten – Schätzungen zufolge werden dann fünf Prozent des gesamten Umsatzes der Branche über das Internet abgewickelt. Von einer „Kannibalisierung“ durch den Online-Handel ist jedoch keine Rede mehr, denn es hat sich herausgestellt, dass ein großer Teil der online georderten Bücher, darunter vor allem Fachliteratur, zusätzlich zum stationären Umsatz verkauft wird.
Das gedruckte Buch wird seine wichtige Funktion als permanenter „Wissensspeicher“ auf absehbare Zeit nicht verlieren. Elektronische Publikationen erweitern jedoch das Angebot für den Leser. Experten erwarten eine Zunahme von ausschließlich in elektronischer Form veröffentlichten Produkten insbesondere in der Fachinformation. Deshalb bereiten die Verlage ihre Publikationen zunehmend „medienneutral“ vor, sodass sie sowohl gedruckt als auch in elektronischer Form veröffentlicht werden können. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich: Der Springer Verlag, Heidelberg, Berlin, New York, veröffentlicht wichtige, zunächst ausschließlich online erschienene Produkte aus dem Zeitschriftensektor nachträglich noch gedruckt.
Mehrfachverwertung
Content Syndication – die Mehrfachverwertung und Bündelung von Inhalten, beispielsweise von Nachrichten, Dokumenten, Bildern, Musik und Videos im Internet – ist ein neues Schlagwort in der Medienbranche. Nachrichtenagenturen, Verlage und Rundfunkanstalten als „Content-Produzenten“ sehen den „Bedarf nach einer wirtschaftlichen und urheberrechtlich abgesicherten Geschäftsgrundlage für die Übernahme von Qualitätsinhalten“, so Volker Scheuren vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP; www.akep.de) auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr. Eine Studie der Unternehmensberatung Forrester ergab, dass sich trotz vorhandener Konzepte des Digital Rights Management (DRM) urheberrechtlich abgesicherte Inhalte im Internet nicht schützen lassen. Deshalb vermarkten sich die Verlage immer stärker selbst, schützen ihre Inhalte durch Verschlüsselung vor Raubkopien und suchen nach Wegen, sich als „Qualitätsfilter“ für hochwertige Inhalte zu profilieren. Was bislang jedoch fehlt, sind präzise Regelwerke, nach denen der Handel mit Inhalten funktioniert.
E-Books: Zukunftsfantasien
Während das Internet-Geschäft mit Printmedien bereits Marktbedeutung erlangt hat, steckt der Online-Handel mit elektronischen Büchern noch in den Anfängen: „Elektronische Bücher haben eine große Zukunft – aber niemand weiß, wann sie beginnt“, zitierte Hans Kreutzfeld vom AKEP eine Headline aus dem Wall Street Journal.
Vor zweieinhalb Jahren kamen die ersten E-Books – spezielle Lesegeräte für elektronische Bücher – auf den Markt. Inzwischen hat die technologische Entwicklung einen großen Sprung nach vorn gemacht. Die Geräte sind handlich und funktionell, teilweise mit Farbdisplay und integriertem Modem ausgestattet, sodass für das Herunterladen kein Internet-Anschluss benötigt wird. Doch konkurrierende Standards und die immer noch hohen Preise der Geräte schrecken zurzeit noch manchen Käufer ab.
Zwar sind sämtliche E-Books kompatibel zum Industriestandard Open-E-Book (OEB; www.openebook.org). Dennoch lassen sich zwei unterschiedliche Ansätze unterscheiden: Während Firmen wie Gemstar, Franklin und Cytale darauf setzen, dass die einmal geladenen Inhalte über eine individuelle Verschlüsselung fest an das Lesegerät gebunden sind, bieten die Firmen Microsoft und Adobe kostenfreie Lesesoftware für PCs und mobile Computer, die geräteunabhängig ist.
Das erste Verfahren kommt den Verlagen entgegen; es hat den Vorteil, dass die Urheberrechte gewahrt bleiben: Die Texte lassen sich nicht kopieren und ausdrucken, weil keine Schnittstelle zum PC vorhanden ist. Solche Sicherungsfunktionen sind bei mobilen Endgeräten wie dem Palm Pilot oder dem Pocket PC nicht möglich. Hier hat der Anwender allerdings den Vorteil einer plattformübergreifenden Lesesoftware, da sich die im OEB-Format gespeicherten Inhalte problemlos in die bekannten, miteinander konkurrierenden Formate Microsoft Reader und PDF (Adobe) konvertieren lassen.
PDF-kompatibel ist bislang keines der proprietären E-Book-Lesegeräte, obwohl das technisch kein Problem wäre. Inzwischen hat Adobe eine eigene Lösung für den Vertrieb und die Nutzung von E-Books im PDF-Format entwickelt, die auch Sicherheitsfunktionen beinhaltet.
Rund 600 E-Books sind bislang in Deutschland erhältlich. In zehn Jahren sol-
len circa zehn Prozent aller Bücher als E-Books veröffentlicht werden. Erwartet wird eine breite Nutzung der E-Books im Bereich von Fachzeitschriften, Fachbüchern, Wörterbüchern und Lexika. Der Online-Shop
DIBI (www.dibi.de) verkauft gegenwärtig allerdings vor
allem Krimis und Science-
Fiction als elektronische Lektüre. Heike E. Krüger-Brand


Die US-amerikanische Firma GemStar hat mit dem Reb 1100 (200 US-Dollar) und dem besser ausgestatteten Reb 1200 (700 US-Dollar) zwei Nachfolgemodelle des Rocket-E-Book vorgestellt.


In das „E-Bookman“ der US-amerikanischen Firma Franklin Electronic Publishers sind auch Organizer-Funktionen integriert. So lassen sich zum Beispiel Sprachnachrichten aufzeichnen und Adressen und Termine verwalten. (Preis: unter 500 DM)
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema