ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001Steuerberater: Klug auswählen, stets prüfen

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Steuerberater: Klug auswählen, stets prüfen

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): A-628 / B-514 / C-485

Löhr, Haralt

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LNSLNS Niedergelassene Ärzte und Ärztinnen müssen ständig Probleme lösen, die außerhalb ihrer ärztlichen Ausbildung und Erfahrungen liegen. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit dem Steuerberater.

Unabhängig davon, mit welchen Aufgaben der Arzt seinen Steuerberater betraut, muss er ihn „pflegen“. Sonst kann dieser seine ureigene Aufgabe, seinen Mandanten optimal zu beraten, nicht wahrnehmen. Das bedeutet: vollständige und zeitnahe Information über die wirtschaftlichen Gegebenheiten und Ziele der Praxis und des Praxisinhabers – einschließlich der qualifizierten Zuleitungen der dazugehörigen Daten/Unterlagen. Auch für regelmäßige Besprechungen sollte Zeit sein.
Generell ist aber zwischen steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Beratung und Buchführung zu unterscheiden. Ärzte meinen jedoch häufig: „Das macht alles mein Steuerberater!“ Steuerberatung hat aber nichts mit betriebswirtschaftlicher Beratung oder sonstiger Beratung in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu tun, selbst wenn der durch das Steuerbüro erstellte monatliche Zahlenspiegel „betriebswirtschaftliche Auswertung“ heißt. Die Erledigung der Buchführung und der Lohnbuchhaltung sind ebenfalls Leistungsbereiche, die nicht zur steuerlichen Beratung gehören.
Wer eine umfassende betriebswirtschaftliche Beratung wünscht, muss sie vereinbaren. Dazu gehört wesentlich mehr. Die Arztpraxis wird von mehreren Faktoren beeinflusst: Vermögen, Strategie, Banken, Personal, Recht, Mahnwesen, Marketing, Organisation, Kosten, Versicherung, Liquidität, Steuern, Familie und Privates.
Nur wer als Berater diese Zusammenhänge berücksichtigt, kann seinen Mandanten betriebswirtschaftlich gut beraten. Es gibt durchaus Steuerberater, die diese betriebswirtschaftliche Beratung zusätzlich zur steuerlichen Verantwortung wahrnehmen. Selbstverständlich ist das jedoch nicht.
Häufig überlegen Ärzte gar nicht, ob sie grundsätzlich für die Regelung ihrer steuerlichen Angelegenheiten auf einen Steuerberater verzichten wollen. Theoretisch können sie jedoch Buchführung, Lohnbuchführung, Gewinn- ermittlung, Steuererklärung mit Anlagen, das Prüfen von Finanzamtbescheiden und gegebenfalls den Einspruch dagegen selbst übernehmen. Dabei bieten Vereine wie zum Beispiel der für zahnärztliche Buchführungshilfe (VZBH) in Hamburg Hilfe zur Selbsthilfe an.
Meist wird jedoch der Komfort, den ein Steuerberater bietet, bevorzugt. Die Steuerberatergebührenverordnung sieht dann Wert-, Zeit- und Betrags(rahmen)-Gebühren für folgende Leistungsbereiche vor: Steuererklärungen; Anträge; Buchführung; Abschlüsse, Status; Überschussrechnung; Prüfungstätigkeiten; sonstige steuerliche Hilfeleistungen; Rechtsbehelfsverfahren. Zu den Gebühren kommen Auslagenersatz und Umsatzsteuer hinzu.
Wer auf der Suche nach einem guten Steuer- und betriebswirtschaftlichen Berater ist, sollte jemanden auswählen, der sich auf Ärzte spezialisiert hat. Wer bereits einen Steuerberatungs- oder Buchführungspartner hat, mit dem er bisher menschlich und fachlich gut klargekommen ist, sollte an diesem festhalten. Doch auch wer zufrieden ist, sollte die Arbeit seines Steuerberaters kritisch überprüfen. Folgende Fehler kommen häufig vor:
c Die versehentliche Fehlbuchung von Bewirtungskosten (das 100fache des Betrags) fiel nicht auf und verursachte Steuernachzahlungen.
c Beim Existenzgründer mit Anfangsverlusten wurden Anlagegüter degressiv statt linear abgeschrieben, sodass die Steuervorteile trotz Verlustvortrag im Hinblick auf die Sonderausgaben zumindest teilweise verloren gingen.
c Ein Umfinanzierungskonzept, das dem Arzt nur durch Ausnutzung vorhandener Verträge 40 000 DM nach Steuern einsparen sollte, wurde wegen mangelnder Sachkenntnis durch den Steuerberater zu boykottieren versucht.
c Obwohl die betriebswirtschaftliche Auswertung durch den Steuerberater zehn Jahre lang eine Liquiditätsunterdeckung von jährlich gut 20 000 DM auswies, empfahl dieser dem Arzt bei wachsender Verschuldung keine weiteren Maßnahmen außer Umschuldung des Kontokorrents.
c Ein Steuerberater empfahl, in den Öko-Tarif der bestehenden Kran­ken­ver­siche­rung zu wechseln, um Beiträge zu sparen. Er hatte aber übersehen, dass hierfür eine neuerliche Gesundheitsprüfung (mit 55 Jahren) notwendig war.
c Teilweise verwenden Steuerberater berufsfremde ungeeignete Kontenrahmen für die steuerliche Buchführung, sodass keine Zahlentransparenz für den Arzt erkennbar ist. Es gibt aber spezielle Kontenrahmen für Ärzte, die ihre Einnahmen und Kosten optimal aufgeschlüsselt erfassen.
c Auch die Verwendung unterschiedlicher Kontenrahmen von Jahr zu Jahr oder zwischen betriebswirtschaftlicher Auswertung und Jahresgewinnermittlung ist schlecht. Im Zeitvergleich der Praxis lassen sich so wichtige Impulse für Optimierungen nicht erkennen.
c Ein guter Steuerberater unterlässt es, gleiche Kosten (zum Beispiel Telefon) im Laufe der Zeit auf verschiedenen Konten zu buchen, sodass sich Kostenentwicklungen in der Praxis nicht beobachten lassen.
c Ein weiterer teurer Fehler: Bei deutlich gesunkenem Einkommen versäumen es Steuerberater zuweilen, die Einkommensteuervorauszahlungen den neuen Verhältnissen anzupassen. In einem Fall kam es so für den Arzt zu einer Mehrbelastung durch Einkommensteuern von 100 000 DM im betroffenen Jahr. Haralt Löhr
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