ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2001DaimlerChrysler: Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

VARIA: Schlusspunkt

DaimlerChrysler: Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

Dtsch Arztebl 2001; 98(10): [108]

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LNSLNS Eifrige Leser dieser Kolumne wissen noch, dass ich die Fusion von DaimlerChrysler sehr kritisch kommentierte. In den letzten
eineinhalb Jahren habe ich
denn auch beim samstäglichen Börsebius-Leserservice (jeden ersten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr) zum Verkauf der Aktie geraten, wenn besorgte Anrufer meine Meinung dazu hören wollten. Der Aktienkurs ist in dieser Zeit von 90 Euro fast um 50 Prozent gefallen.
Das wahre Ausmaß des Desasters musste der Konzernchef von DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, in diesen Tagen der Öffentlichkeit preisgeben. Danach ist alles noch viel schlimmer als selbst von mir befürchtet und die Schremppsche Fantasie von der globalen Herrschaft des Stuttgarters Sterns mit Getöse in sich zusammengefallen.
Der so genannte „Operating Profit“, also der Gewinn aus dem Geschäftsbetrieb, wird weiter in sich zusammensacken. Waren es im letzten Jahr noch 5,2 Milliarden Euro, wird der Profit in 2001 bestenfalls noch 1,5 Milliarden Euro betragen. Zur Erinnerung: Um die Fusion in trockene Tücher zu bekommen, waren die geplanten Ertragszahlen für 2001 noch auf eine zweistellige Milliardensumme hochgeschönt worden.
Es kann sogar sein, dass durch den erwarteten Konzernverlust ein totaler Ausfall der Dividendenzahlung droht. Angesichts dieses Debakels glauben mittlerweile viele Anleger, dass dem Kurs nur noch Übles drohen kann, und verkaufen ihre DaimlerChrysler-Aktien fluchtartig.
Ob das allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, kann durchaus bezweifelt werden. Nun gibt es einerseits die
alte Börsenweisheit, dass der schlaue Investor dann kaufen muss, wenn die Kanonen donnern. Eine andere Regel haut in die gleiche Kerbe, „buy on bad news“.
Ob das in solchen Sprüchen gesammelte Wissen tatsächlich im konkreten Fall, hier also bei DaimlerChrysler, zum Tragen kommt, hängt in allererster Linie davon ab, ob die beabsichtigte Umstrukturierung gelingt. Das Wort Sanierung
mag ich eigentlich fast nicht in den Mund nehmen, aber eigentlich geht es beim ehemaligen schwäbischen Vorzeigeunternehmen genau darum.
Jürgen Schrempp ist nach eigenen Angaben wild entschlossen, bereits im Jahr 2002 wieder die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft zu haben. Langfristig orientier-
te Anleger können dem
Sanierungsprozess durchaus Vertrauen entgegenbringen. Wenn auch eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, zeigt die aktuelle Nachricht, dass Federal Express bei DaimlerChrysler soeben 1 900 Transporter Freightliner Sprin-
ter für den Einsatz in den USA bestellt hat, doch schon einen Silberstreifen am Horizont. Na ja, eher ein Streifchen, aber immerhin.
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