ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Bischofskonferenz: Warnung vor Missbrauch der Gentechnik

POLITIK

Bischofskonferenz: Warnung vor Missbrauch der Gentechnik

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-660 / B-534 / C-528

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Die katholischen Bischöfe lehnen Präimplantationsdiagnostik und therapeutisches Klonen ab.

Der Mensch: sein eigener Schöpfer?“ ist der Titel einer Schrift, die von der Deutschen Bischofskonferenz letzte Woche in Augsburg vorgestellt wurde. Die Antwort lautet erwartungsgemäß „nein“, und dies wird auch gleich zu Beginn des Papiers begründet: „Menschliches Leben ist heilig und steht weder an seinem Anfang noch an seinem Ende zur Disposition. Das Leben ist der Verfügbarkeit des Menschen entzogen; da alle Menschen unter Gottes Schutz stehen, darf sich keiner am Leben des anderen vergreifen.“
Folgerichtig wird von den Bischöfen die Präimplantationsdiagnostik als „Tötung menschlichen Lebens“ kategorisch abgelehnt. Sie sei ein „eindeutiges Instrument zur Selektion“, da genetisch belastete Embryonen aussortiert und vernichtet würden. Sie müsse daher in Deutschland auch weiterhin verboten bleiben, fordert die Bischofskonferenz. Beim therapeutischen Klonen werde menschliches Leben, das immer zugleich personales und von Gott bejahtes Leben ist, zum Ersatzteillager degradiert. Auch medizinischer Nutzen könne kein Verfahren mit menschlichen Embryonen rechtfertigen, das die unantastbare Würde dieses Lebens infrage stelle. Das reproduktive Klonen wird ebenfalls abgelehnt, unter anderem weil der Embryo instrumentalisiert würde.
Die Gentherapie wird allerdings nicht grundsätzlich von den Bischöfen verurteilt. Schon jetzt würden in Deutschland Gentests für mehr als hundert Krankheiten angeboten. Mit ihrer Hilfe könne man nicht nur bestehende Krankheiten feststellen, sondern auch Veranlagungen für Krankheiten, die sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erst in Zukunft auswirken würden. Das Recht auf Nichtwissen gehöre allerdings zu den verfassungsmäßig verbrieften Persönlichkeitsrechten. Prädiktive Gentests dürfen nach Auffassung der Bischöfe weder von Arbeitgebern noch von Versicherungen verlangt, angenommen oder verwertet werden. Bei der pränatalen Diagnostik heben die Bischöfe die Möglichkeit einer vorzeitigen Therapie hervor. Es könne jedoch nicht gebilligt werden, einen Embryo abzutreiben, bei dem eine Krankheit oder Behinderung festgestellt wurde. Gegen die Keimbahntherapie sprechen nach Ansicht der Bischöfe vor allem drei Argumente: die noch unausgereifte Methode; die für die Entwicklung notwendige verbrauchende Embryonenforschung und die Gefahr des Missbrauchs zur Menschenzüchtung.
Die Bischofskonferenz fordert den Bundestag auf, den Missbrauch der Gentechnik durch Gesetze zu verhindern. Unterstützung für ihr Anliegen erhielten sie unter anderem vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock. „In diesen Fragen passt kein Blatt Papier zwischen uns“, sagte er. Gisela Klinkhammer
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