ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001BSE: An vorderster Front

POLITIK

BSE: An vorderster Front

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-673 / B-549 / C-517

Richter, Eva A.

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LNSLNS Um die Beschäftigten der Fleisch- und Wurstproduktion vor
einer Infektion mit Prionen zu schützen, empfiehlt die
Berufsgenossenschaft besondere Arbeitsschutzmaßnahmen.

Noch sind es nur Spekulationen: Fehlgefaltete Prionen, die Erreger von BSE und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, könnten vom Menschen nicht nur oral, sondern auch über die Schleimhäute oder bei Verletzungen der Haut aufgenommen werden. In diesem Fall wären die 270 000 Beschäftigten in der Fleischwarenindustrie besonders gefährdet. Die Fleischerei-Berufsgenossenschaft (FBG) hat unter diesem Blickwinkel vorsorglich für spezielle Arbeitsschutzmaßnahmen plädiert.
Danach sollen alle Versicherten, die mit BSE-Risikomaterial des Rindes (Schädel einschließlich Gehirn und Augen, Rückenmark, Tonsillen, Darm) in Kontakt kommen, feuchtigkeitsdichte Handschuhe tragen. Zusätzlich sollen Beschäftigte, die mit scharfen Werkzeugen arbeiten, schnitthemmende Handschuhe benutzen. An Arbeitsplätzen, an denen Risikomaterial ins Gesicht spritzen kann, empfiehlt man einen Gesichtsschutz.
„Bereits im September 2000 hat die FBG ihren Schlachtbetrieben ein Symposium zum Thema BSE angeboten. Danach wurden alle Schlachtbetriebe schriftlich über die Ergebnisse informiert“, berichtet Hartwin Wörth, Hauptgeschäftsführer der FBG. Seitdem würden die Schutzempfehlungen sukzessive in den Betrieben umgesetzt, spezielle Schutzkleidung würde hergestellt. Ob der präventive Arbeitsschutz eingehalten wird, wird demnächst auch durch die Aufsichtsbehörden in den Bundesländern kontrolliert werden. Denn der Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung konkretisierte Anfang des Jahres die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen (BioStoffV)“. Sie soll Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden als Hilfestellung dienen und wird entsprechend dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse durch eine neu eingesetzte Projektgruppe des Ausschusses fortlaufend aktualisiert.
Der Ausschuss ist zwar aufgrund der Datenlage der Ansicht, dass „die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts von Beschäftigten mit den Erregern als gering angesehen werden kann“. Dennoch dehnte er die Arbeitsschutzmaßnahmen bei Beschäftigten in Schlachthöfen aus und verpflichtete die Arbeitgeber, entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Bei der Tiermehlherstellung und -verwertung könne jedoch davon ausgegangen werden, dass die Maßnahmen zur Inaktivierung und Entsorgung von Risikomaterialien ausreichen. Auch bei Landwirten müssten die Arbeitsschutzbestimmungen nicht erweitert werden. Dr. med. Eva A. Richter
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