ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Wechseljahre: Hormondefizit ist grundsätzlich substitutionsbedürftig

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Wechseljahre: Hormondefizit ist grundsätzlich substitutionsbedürftig

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-681 / B-571 / C-544

Nocke, Wolfgang

Zu dem Beitrag „Wechseljahre: Beginn einer Krankheit?“ von Klaus Koch in Heft 4/2001:
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LNSLNS Herr Koch hält den deutschen Gynäkologen vor, sie hätten den Nutzen der HST (Hormon-Substitutions-Therapie) bisher überschätzt und die Risiken unterschätzt. Er ignoriert dabei, dass die Greiser-„Studie“ propädeutische Regeln der Biostatistik missachtet, die Resultate und die Schlussfolgerungen daraus wissenschaftlich wertlos und also für die Nutzen-Risiko-Abwägung der HST unbrauchbar sind. Im zweiten Teil seiner Kolumne verteilt Koch Noten an die „Meinungsbildner“ und lobt die jüngste Stellungnahme der Deutschen Menopause Gesellschaft. Mithilfe eines unvollständigen Zitats unterstellt er dem Autor dieser Zeilen, jede postmenopausale Frau als krank anzusehen, und folgert, dass „von Ärzten mit einem derartig verankerten Frauenbild“ eine unvoreingenommene Nutzen-Risiko-Abwägung der HST nicht zu erwarten ist. Ich verzichte darauf, die Zitat-Manipulation im Einzelnen zu kommentieren und beschränke meine Replik auf die sachlichen Argumente, die der von Koch zitierten Meinungsäußerung in meinem MMW-Editorial (2000; 142[48]: 48) zugrunde liegen:
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung müssen Frauen heute mit einer bis zu 30 Jahre dauernden Postmenopause rechnen. Ob die altersabhängig ansteigende chronische Morbidität durch die Altersinvolution allein oder durch die endokrine Involution (mit)verursacht wird, ist kaum zu entscheiden, da beide Prozesse synchron verlaufen und vielfältig korreliert sind. Wenig sinnvoll erscheint auch eine semantische Diskussion, ob noch eine Befindlichkeitsstörung oder bereits eine Erkrankung vorliegt, da die Übergänge fließend und pathophysiologisch nicht exakt definiert sind. Unstrittig ist, dass eine primäre Ovarinsuffizienz die Postmenopause verursacht. Unbestritten ist auch, dass die potenziell pathologischen Auswirkungen des endokrinen Defizits auf zahlreiche Organfunktionen durch Substitution des ovariellen Sekretionsprodukts verringert, verhindert oder beseitigt werden können. Aus endokrinologischer Sicht ist deshalb das postmenopausale Hormondefizit, da Folge einer primär-glandulären Insuffizienz, grundsätzlich ebenso substitutionsbedürftig wie ein Diabetes oder eine Hypothyreose.
Prof. Dr. med. Wolfgang Nocke, FRSM, Im Dottenberg 4, 53129 Bonn
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