VARIA: Post scriptum

Ein Lied der Vernunft

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Woher das Schachspiel kommt und wann die erste Partie gespielt wurde, weiß man nicht. Wahrscheinlich in Indien vor etwa 1 500 Jahren, vielleicht aber auch in Persien oder Ägypten. Liebhaber fand es zu allen Zeiten. Gustave Flaubert bewunderte es ebenso wie John Cage, Ludwig Wittgenstein und die heilige Teresa von Avila, die Schutzpatronin der spanischen Schachspieler (M. Ehn). Oder Marcel Duchamp, Avantgardist und zeitweise einer der stärksten Spieler Frankreichs. "Das sind", sagte Duchamp über die Schachspieler, "so richtig umnebelte blinde Leute, Leute mit Scheuklappen, Verrückte mit Bedeutung, so wie Künstler eigentlich sein sollten, es aber nur selten sind." Für Duchamp war Schach eine "Schule des Schweigens" inmitten einer lauten Welt und zugleich eine Kunstform: "Schach hat die visuellen Möglichkeiten von Kunst. Es ist eine mechanische Skulptur, die aufregende plastische Werte vorlegt." Vor einiger Zeit fand im Jüdischen Museum Wien eine Ausstellung "Ein Lied der Vernunft – Schach: Die Welt in 64 Feldern" statt. Während im ersten Stock die Geschichte des Schachs und eine der Glanzpartien Rubinsteins (1882 bis 1961), des "Spinoza des Schachspiels", für Ewigkeiten festgeschrieben war, entstanden beim gleichzeitig stattfindenden Internationalen Turnier im Erdgeschoß "momenthaft Skulpturen voller Klarheit und Logik, die zudem den Vorteil (!) hatten, sich im Lauf der Partien Zug um Zug selbst zu zerstören" (Ernst Strouhal, der Ausstellungskurator). Duchamp hätte seine helle Freude daran gehabt, sicher auch am folgenden Kraftzug.
Offensichtlich leidet der im Eck eingeklemmte weiße König des Österreichers Roth an akuter Luftnot. Doch wie soll man den Würgegriff ansetzen oder nochmals Duchamp: "Schach ist ein brutales Spiel" bestätigen? Der Ungar Tschernin als Schwarzer fand jedenfalls einen solch perfiden Zug, daß Weiß augenblicklich die Lust am Weiterspielen verlor. Welcher war’s?

Lösung:
Nach dem "Hammer" 1. ... Sh4! gab Weiß unverzüglich auf, weil nicht nur eine Struktur, sondern eine ganze Königsfestung zerstört wird. Der neuralgische Punkt g2 ist nicht zu halten, entweder bedeutet h3xg2+ oder (nach 2. gxh3) g3–g2+ mit schrecklichen Folgen das Ende dieses Lieds der Vernunft. Der Damentausch 2. Dxb7+ Kxb7 hätte nur aufschiebende Wirkung des Verdikts

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