ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Flugreisen: Economy Class Syndrome

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Flugreisen: Economy Class Syndrome

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-682 / B-558 / C-525

Bauersachs, R. M.; Landgraf, H.

Zu Thromboembolien nach Flugreisen:
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LNSLNS In letzter Zeit wurde wegen spektakulärer Einzelfälle das so genannte Economy Class Syndrome mit Thromboembolien nach Flugreisen lebhaft diskutiert. Die Kommentierung in der Presse reicht von Verharmlosung bis hin zu übertriebener Panikmache, sodass hier der Versuch unternommen werden soll, aufgrund von vorliegenden epidemiologischen Daten eine Abschätzung des tatsächlichen Risikos vorzunehmen.
In der Allgemeinbevölkerung kommt es in einem Zeitraum von drei Wochen im Mittel zu sechs Thrombosen pro 100 000 Personen. Nach einer kürzlich erschienenen Fall-Kontrollstudie steigt das Risiko innerhalb von drei Wochen nach einer Langstrecken-Reise auf etwa das Doppelte (OR gleich 2.35, Konfidenzintervall 1.45-3.80) an, das heißt 14 pro 100 000 Personen. Selbst wenn prophylaktische Maßnahmen, zum Beispiel Kompressionsstrümpfe, einen absolut sicheren Schutz bieten würden und alle Thrombosen, auch die unabhängig von der Reise auftretenden, verhindern könnten, würden von 100 000 Menschen 99 986 diese Prophylaxe umsonst durchführen. Bei Patienten, die bereits eine spontane Thrombose erlitten haben, sieht bei einem Rezidiv-
risiko von etwa acht Prozent pro Jahr dieses Verhältnis anders aus: Hier würden rechnerisch insgesamt 1 084 Thrombosen in drei Wochen auftreten, davon 623 im Zusammenhang mit der Reise. Von 100 000 reisenden Thrombosepatienten hätten 98 916 eine Prophylaxe umsonst durchgeführt. Ob sich ein solches Vorgehen bei Patienten mit stattgehabten Thrombosen „lohnt“, sollte individuell unter Erörterung des in Absolutzahlen niedrigen Risikos besprochen
werden und dem (ebenfalls niedrigen) Risiko prophylaktischer Interventionen gegenübergestellt werden. Die Beachtung von Basismaßnahmen wie Betätigung der Wadenpumpe, ausreichende Hydrierung, gelegentliches Umherlaufen, Vermeiden von Schlafen in unphysiologischer Position ist ohne Nebenwirkung und kostengünstig.
Wenn im Einzelfall eine Risikokonstellation mit individuell erhöhtem Thromboserisiko besteht, dann kann eine nebenwirkungsarme Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin erwogen werden, auch wenn derzeit keine kontrollierten Studien hierzu vorliegen.
Literatur bei den Verfassern
Priv.-Doz. Dr. R. M. Bauersachs, Angiologie, Flugmedizin, Universitätsklinik Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt/Main,
Prof. Dr. H. Landgraf, Angiologie, Flugmedizin, Wenckebach-Klinik, Wenckebachstraße 23, 12099 Berlin
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