ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Buchbesprechung: Respektlos

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Buchbesprechung: Respektlos

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-684 / B-574 / C-547

Thomsen, Christian

Zur Besprechung von Lynn S. Bickley (Hrsg.): „Bates’ großes Untersuchungsbuch“ durch Rüdiger Meyer in Heft 5/2001:
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LNSLNS Es ist verdienstvoll, wenn angesichts biochemischer Laboratorien, hightech ausgestatteter Röntgeninstitute, endoskopischer Abteilungen und zytologischer Untersuchungsplätze, angesichts der Elektro- und Ultraschalldiagnostik ein Buch mit zum Teil 200 Jahre alten Methoden der modernen körperlichen Untersuchung im DÄ besprochen wird. Es ist allerdings respektlos und ignorant, welchen Stellenwert der Rezensent diesen Methoden zugesteht: „Dennoch bleiben Anamnese und körperliche Untersuchung eine medizinische Basistechnik – und sei es nur zur Freude . . . Denn selbst wenn viele Diagnosen im Prinzip auch ohne apparative Hilfe erahnt werden können, sind sie Labor und bildgebenden Verfahren doch deutlich unterlegen. Ein Beispiel dafür ist die Pneumonie.“
Die Pneumonie ist mit Sicherheit kein Beispiel dafür.
Klinische Diagnosen werden nicht „erahnt“, sondern durch die erlernbare Technik der Anamnese und körperlichen Untersuchung und einen nachfolgenden geistigen Prozess abgegrenzt und festgelegt. Dieses klinische Handwerk, gepaart mit dem Wissen um die Pathologie, ist unverzichtbar. Im hausärztlichen Notdienst und im ärztlichen Rettungsdienst hat es eine einzigartige Bedeutung. Die körperliche Untersuchung erhebt Befunde – und nicht mehr. Ein anschließendes diagnostisches Raisonnement führt zur Diagnose.
Anamnese und körperliche Untersuchung geben Informationen in der Inneren Medizin zum Beispiel für eine Treffsicherheit der Diagnose in 80 bis 90 Prozent der Fälle. Die diagnostischen Methoden konkurrieren nicht zwangsläufig, sondern ergänzen sich . . .
Dr. med. Christian Thomsen, Mienenbütteler Weg 4, 21224 Rosengarten
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