ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Gesundheitspolitik: Ein Danaergeschenk?

BRIEFE

Gesundheitspolitik: Ein Danaergeschenk?

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-684 / B-574 / C-547

Joist, Thomas

Zur Aufhebung des Kollektivregresses und zur Verhinderung der Festbeträge für bestimmte Arzneimittel:
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LNSLNS Eine milliardenschwere Pharmaindustrie schafft, was der Ärzteschaft nicht gelingt.
Geplante Festbeträge für Erstattungsobergrenzen bei bestimmten Medikamenten werden unter Hinweis auf kartellrechtliche Bedenken nicht zustande kommen. Ein juristisch mehr als fragwürdiger Kollektivregress wird unter großem Jubel zurückgezogen.
! Doch dass Hausärzte und Hausärztinnen weiterhin Hausbesuche durchführen, zu Erträgen, bei denen jede Pharmaindustrie diese Leistung wegen Unrentabilität nicht mehr anbieten würde, stört kein Kartellamt.
! Doch dass die niedergelassenen Ärzte weiterhin bei floatenden Punktwerten und starren Budgets etliche Leistungen nicht kostendeckend erbringen, stört kein Kartellamt.
! Doch dass Assistenzärzte weiterhin übermüdet 36-stündige Schichten haben werden, stört kein Kartellamt.
! Doch dass AiP weiterhin für Gehälter arbeiten, die häufig genug nicht der übertragenen Verantwortung entsprechen, stört kein Kartellamt.
Die Begrüßungsgeschenke der neuen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin könnten sich also als Trojanisches Pferd entpuppen. Individualregresse bei knapp bemessenen Budgets und bald auch juristischer Pflicht, den mit Milliardenbeträgen gesponserten Leitlinien folgen zu müssen, werden den Druck auf uns nicht mindern.
Es gilt das alte Sprichwort: „Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“
Dr. med. Thomas Joist, Heidelberger Straße 37, 51065 Köln
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