ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1996MfS-Operativvorgang „Teufel“

SPEKTRUM: Bücher

MfS-Operativvorgang „Teufel“

Hohmann, S.; Wieland, Günther

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LNSLNS NS-"Euthanasie"
Handlanger
Joachim S. Hohmann, Günther Wieland: MfS-Operativvorgang "Teufel" – "Eu-thanasie"-Arzt Otto Hebold vor Gericht, Metropol-Verlag, Berlin, 1996, 320 Seiten, 32 DM
Dr. med. Otto Hebold arbeitete für T 4, die NS-Organisation, die auf geradezu industrielle Weise psychiatrische Patienten umbrachte. Er war Gutachter und Aufpasser, ein williger Handlanger. Als Gutachter bestimmte er, welche Patienten der "Euthanasie" zuzuführen seien, als Aufpasser überwachte er in den Tötungsanstalten höchst persönlich die Vergasung. Anschließend sorgte er für die gefälschten Todesbescheinigungen. Nach dem Krieg lebte Hebold zunächst unerkannt in der DDR; er praktizierte als (offenbar wenig befähigter) Arzt; Mitte der sechziger Jahre wurde ihm der Prozeß gemacht. Das Buch enthält zwei sehr unterschiedliche Teile. Ein Kern sind die Vernehmungsprotokolle, aus denen bedrängend hervorgeht, wie ein Arzt "Euthanasie" als alltäglichen Beruf betreiben konnte. Ein weiterer Teil des Buches geht der Frage nach, inwieweit in der früheren DDR NS-Verbrechen verfolgt werden konnten und verfolgt wurden. Das ist ein weithin unbekanntes Kapitel. 1951 gab es in der DDR 331 einschlägige Schuldsprüche. Danach sank die Zahl der Verurteilungen rapide und erreichte 1958 einen Tiefpunkt mit drei Urteilen. Die sozialhistorische Aufarbeitung der NS-"Euthanasie", soweit sie auf dem Gebiet der DDR stattfand, unterblieb. Erst seit der Wende ist eine vorsichtige Aufarbeitung zu beobachten.
Norbert Jachertz,
Köln
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