ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 1/2001CeBIT 2001, 22. bis 28. März 2001: Das Internet wird mobil

Supplement: Praxis Computer

CeBIT 2001, 22. bis 28. März 2001: Das Internet wird mobil

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): [2]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Mit 8 000 Ausstellern aus mehr
als 60 Ländern wird die CeBIT in
Hannover erneut alle Rekorde
brechen. Auf der weltgrößten
Computermesse sind sämtliche Bereiche der Informations- und
Kommunikationstechnologiebranche vertreten.
Vor allem durch die Entwicklungen im E-Commerce werden neue Softwarelösungen und Anwendungen angestoßen. Das Internet stellt dabei die global verfügbare Plattform sowohl für die elektronische Abwicklung der Geschäftsprozesse zwischen Unternehmen als auch für die Anbindung der Verbraucher dar: Ob Bankgeschäfte, Reisebuchung, Bü-cherkauf oder Auktionsteilnahme – vieles lässt sich heute bereits komplett am PC erledigen.
Zunehmend werden Dienstleistungen jedoch nicht nur über Festnetzverbindungen, sondern auch über Mobilfunknetze angeboten. Das mobile Internet steht für den – geschäftlichen oder privaten – Informationszugang zu jeder Zeit, an jedem Ort. In wenigen Jahren sollen mehr Nutzer über das Handy oder andere mobile Endgeräte, beispielsweise Web-Pads, Organizer mit Internet-Zugang und E-Books, auf das Internet zugreifen als über den „klassischen“ PC. Dabei wird die Übertragung von Sprache durch den steigenden Anteil der Datenübertragung immer weiter zurückgedrängt. Experten erwarten, dass der Sprachanteil des über Mobilfunknetze übertragenen Volumens bereits bis zum Jahr 2005 auf unter 50 Prozent sinken soll.
Für die „neue Mobilität“ stehen verschiedene Infrastrukturen zur Verfügung: Zwar waren Anwendungen auf der Basis von WAP (Wireless Application Protocol) bislang eher ein Flop – nur rund drei Prozent der knapp 50 Millionen Handy-Nutzer nutzen WAP –, doch wird hier mit einem deutlichen Aufschwung durch die neuen Mobilfunkgenerationen GPRS (General Packet Radio Service) und UMTS (Universal Mobile Telecommnications System) gerechnet.
Seit Februar haben T-Mobil und Viag Intercom den GPRS-Betrieb aufgenommen, mit dem zurzeit eine verfügbare Datenrate von 40 kBit/s möglich ist. Zu interessanten Anwendungen, die auf der CeBIT präsentiert werden, zählen die Online-Übermittlung von Börsencharts, Online-Buchung und -Shopping und das Bezahlen per Handy. So kann schon in einigen Städten die Taxifahrt per Handy bezahlt werden: Der Fahrer übermittelt die Handy-Nummer des bei der Abrechnungszentrale registrierten Fahrgastes. Diese sendet eine SMS auf das Handy zurück, die der Fahrgast mit der Eingabe eines Kodes (PIN-Nummer) und dem Rechnungsbetrag beantwortet – die Zahlung erfolgt über eine in den Prozess eingebundene Bank.
GPRS-Handys allerdings sind noch Mangelware: Nur die Firma Motorola hat mit dem Timeport 260 bereits ein Modell ausgeliefert. Das GPRS-Handy der Firma Siemens beispielsweise, das auf der Messe vorgestellt wird, soll erst im Juli auf den Markt kommen. Der Handy-Marktführer Nokia präsentiert mit dem „9210 Communicator“ ein Kombigerät aus Mobiltelefon und Personal Organizer mit Farbbildschirm, das neben dem drahtlosen Internet-Zugang einen Videoplayer, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation integriert. Auch Micro-
soft engagiert sich in diesem Markt. Für Hersteller mobiler Endgeräte und Netzbetreiber bietet das Unternehmen zwei Softwarelösungen: den „Microsoft Mobile Explorer“, ein Mikro-Browser für webfähige Handys, und eine auf dem Betriebssystem Windows CE 3.0 basierende Plattform für Smartphones unter dem Codenamen „Stinger“. Marktreife Lösungen sind allerdings erst für die zweite Jahreshälfte angekündigt.
Auf der CeBIT werden darüber hinaus bereits Prototypen von UMTS-Telefonen sowie UMTS-Demonstrationen zu sehen sein. Anwendungen sind zum Beispiel Videostreaming, intelligente und interaktive Städteführer und Spiele. Zum zukunftsträchtigen „Silent-E-Commerce“-Bereich zählen Telematik-Anwendungen für das Gebäudemanagement. Hierzu gehört beispielsweise die Fernsteuerung von Hausgeräten, wie Kühlschrank und Waschmaschine, oder die Regelung von Alarm, Beleuchtung, Temperatur und Ähnliches.
Mehr als 300 Millionen Nutzer surfen heute im Internet – der Bedarf an Netzkapazität wächst mit dem steigenden Volumen der Datenmengen. Weltweite Netze werden immer engmaschiger, Kupferkabel werden von Glasfasernetzen und Wireless-Lösungen abgelöst. Noch immer ist die Zufahrt vom Anschluss-Bereich auf die schnellen Backbone-Netze der entscheidende Flaschenhals. Zur Überbrückung gibt es verschiedene technische Lösungen. Im Festnetz kommen hier dem Breitbandkabel-Anschluss und der xDSL-Technik besondere Bedeutung zu. Die DSL-(Digital Subscriber Line-)Technologie ermöglicht die breitbandige Datenübertragung über das herkömmliche Kupferkabel. Erreicht werden zurzeit Datenübertragungsraten von bis zu neun MBit/s. Die Deutsche Telekom verzeichnet allein 800 000 Aufträge für ihre T-DSL-Variante – aufgrund der starken Nachfrage sind davon jedoch erst 200 000 geschaltet. Zunehmend populärer wird auch „Voice over DSL“: Hierbei werden über klassische Zwei-Draht-Telefonleitungen gemeinsam Sprache und Daten mit Hochgeschwindigkeit übertragen.
Der „tragbare“ Computer
Mit dem Stichwort „Pervasive Computing“ wird die Integration von Computertechnologie in Alltagsgegenständen bezeichnet. Einen Vorgeschmack auf die Zukunft liefert die originelle digitale Modeschmuckkollektion, die IBM präsentiert: Ohrringe dienen als Lautsprecher, eine Halskette fungiert als Mikrofon, in den Ring ist eine Cursorsteuerung integriert, und das Armband enthält ein Display, das E-Mails empfangen kann. Die verschiedenen Teile der Schmuckkollektion sollen miteinander interagieren können, um dem Benutzer zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugang zu Informationen zu verschaffen.
Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Trends der Informations- und Kommunikationstechnologie liefern die themenorientierten Gemeinschaftspräsentationen, unter anderem die internationalen Themenstände zu Bluetooth (siehe in diesem Heft, Seite 29), Linux und DSL. Weitere Schwerpunkte bilden die Bereiche Netzwerktechnik, IT-Sicherheit, Powerline (Technik zur Übertragung von Daten und Sprache per Stromleitung) und Satellitentechnik. Heike E. Krüger-Brand

Das GPRS-Handy von Siemens ermöglicht nicht nur den schnurlo-
sen Internet-Zugang, sondern ist
mit Organizer-Funktionen und einem eingebauten Daten- und Faxmodem ausgestattet. Foto: Siemens
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