ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1996Krankenhausmanagement: Mehr Kompetenzen für Leitende

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Krankenhausmanagement: Mehr Kompetenzen für Leitende

Braun, E.

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LNSLNS Die Umstellung der Krankenhäuser auf mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb bedingt auch eine stärkere Einbeziehung der leitenden Krankenhausärzte in das Management und die Betriebsführung. Nur die Zusammenarbeit der Verwaltungsökonomen und der Ärzte kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Krankenhauses erhöhen. Erste positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Medizin und Betriebswirtschaft haben sich bei der Einführung der Fallpauschalen und Sonderentgelte für Kliniken ergeben.
Gelegentlich wird sogar davon gesprochen, die Rolle des leitenden Arztes hin zu einem "Medizin-Manager" zu erweitern. Diese Diskussion wird nicht nur von Ökonomen in Praxis und Wissenschaft betrieben, sondern findet durchaus auch im ärztlichen Bereich selbst statt. Es geht für den leitenden Arzt darum, einen wichtigen Part im Rahmen der inter-nen Budgetierung sowie der Lei-stungs-, Kosten- und Erlössteuerung zu übernehmen. Er soll bei der Entwicklung und Umsetzung der internen Budgets mitwirken. Diese Aufgabenerweiterung des leitenden Arztes ist auf keinen Fall von heute auf morgen umzusetzen, obgleich der zunehmende Wettbewerb eine rasche Anpassung prämiert. Einzelne Krankenhäuser haben dabei durchaus schon Beachtliches geleistet.
Ein Organisationsgrundsatz besagt, daß mit der Übertragung neuer Aufgaben auch eine entsprechende Übertragung von neuen Pflichten und Rechten erfolgen muß. Man bezeichnet dies als Kongruenz von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung. Die Erörterung von Pflichten für leitende Ärzte hat neben der Darstellung der neuen Aufgaben heute schon besonderes Gewicht. Man betont, daß neben die medizinische Verantwortung des leitenden Arztes eine Budgetverantwortung einschließlich einer Leistungs-, Kosten- und Erlösverantwortung treten müsse. Der Chefarzt als Budgetverantwortlicher einer bettenführenden Abteilung hätte demnach eine umfassende Verantwortung wahrzunehmen. Dazu gehört auch die ökonomisch vorteilhafte Realisierung der medizinischen Aufgabe, Kranke zu heilen oder Leiden zu verringern. Die Kostenverantwortung zeigt sich beispielsweise darin, die Frage nach der Vermeidung von Doppeluntersuchungen im Bereich der Diagnostik zu stellen.
Damit der leitende Arzt die neuen Management-Aufgaben erfüllen und seine Verantwortung wahrnehmen kann, müssen ihm auch neue Rechte zugebilligt werden. Diese werden als Kompetenzen bezeichnet. Stehen sie nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung, so kann man für die Erfüllung einer Aufgabe nicht verantwortlich gemacht werden.
In der Konkretisierung des Organisationsgrundsatzes liegt eine große Herausforderung für die Krankenhäuser. Dies bedeutet letztlich eine Veränderung der sogenannten Krankenhausverfassung beziehungsweise der Führungsorganisation. Folgende Kompetenzen sind wichtig:
lVerfügungskompetenz: Der leitende Krankenhausarzt muß das Recht erhalten, Informationen über Leistungsdaten, Kosten und Erlösdaten seiner Abteilung von der Verwaltung zu verlangen. Diese werden ihm in der Regel im Rahmen des Controlling und der internen Budgetierung zur Verfügung gestellt.
lUnterstützungskompetenz: Die neue Management-Rolle ist nur dann zu "spielen", wenn die Verwaltung mitzieht. Diese Unterstützung stellt gewissermaßen ein Recht dar, damit der Arzt seine Managementaufgaben wahrnehmen kann.
lEntscheidungskompetenz: Wenn die operative Leistungs-, Kosten- und Erlösverantwortung für den medizinischen Leistungsprozeß "vor Ort" dem Arzt zustehen soll, so sind ihm unter anderem auch entsprechende Kompetenzen zur Steuerung von Personal- und Sachkosten zur Verfügung zu stellen. In einer krankenhausindividuellen Analyse sind die Kompetenzgeflechte zwischen Verwaltung und leitenden Ärzten auf den Prüfstand zu stellen. Neben einer Alleinentscheidungskompetenz sieht die Organisationslehre dabei auch eine Mitsprachekompetenz vor.
Je mehr Management-Kompetenzen der leitende Arzt erhält, desto stärker ist seine Autonomie. Damit diese organisationsverträglich und nicht im Sinne eines Abteilungsegoismus wahrgenommen wird, hat der Verwaltungsdirektor für entsprechende Rahmenvorgaben zu sorgen. Er ist für die Koordination verantwortlich. Sofern die bettenführenden Abteilungen als sogenanntes Profitcenter zu organisieren sind, ist ein Mehr an Kompetenzen der leitenden Ärzte wünschenswert. Allerdings können diese nur krankenhausindividuell bestimmt werden. Letztlich geht es um eine zufriedenstellende Zusammenarbeit zwischen Ärzten und der Verwaltung zum Wohle des ganzen Hauses. Prof. Dr. Günther E. Braun, München
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