Supplement: Praxis Computer

Internet-Recherche: Angststörungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): [25]

Eichenberg, Christiane

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LNSLNS Patienten mit Angststörungen
sind in der Hausarztpraxis keine Seltenheit. Das Internet stellt
einen reichhaltigen Fundus an weiterführenden Informationen zu diesem Krankheitsbild zur
Verfügung.
Das Internet bietet sowohl für Professionelle (Ott, 1998) als auch für Ratsuchende (Eichenberg, Ott, 1999) vielfältige Informationen zu psychischen Störungen. Angststörungen zählen – in Abhängigkeit vom Alter und dem zugrunde gelegten diagnostischen Klassifikationssystem – mit einer Lebenszeitprävalenz zwischen 9,2 Prozent und 24,9 Prozent (Perkonigg, Wittchen, 1995) zu den häufigsten psychischen Störungen. Aus allgemeinärztlicher Sicht zählen rund 30 Prozent aller Patienten, die beim Hausarzt vorstellig werden, zur Gruppe der Angstkranken (Müller, 1991). Daher ist es wichtig, dass auch Ärzte aus dem nichtpsychiatrischen oder -psychotherapeutischen Bereich mit diesem Störungsbild vertraut sind.
Die Realität sieht nach einer Studie (Müller, 1991) häufig anders aus: Fast 88 Prozent der befragten Allgemeinmediziner waren mit ihrer Ausbildung in psychologisch/psychiatrischen Fächern an der Universität nicht zufrieden. Zwei Drittel der Klagen bezogen sich auf eine vollkommen fehlende, mangelhafte oder nicht praxisrelevante Ausbildung durch die Hochschullehrer. Das Internet bietet hier gerade für Allgemeinärzte die Möglichkeit, Wissenslücken im Bereich der Angststörungen zu schließen. Auch wenn der Hausarzt keine gezielte Psychotherapie durchführt, kann er entsprechendes Wissen bei der Behandlung eines Patienten anwenden. Kenntnisse in Gesprächsführung, Beratung, Selbsthilfe und die konkrete Informationsvermittlung bei den verschiedenen Angststörungen können einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser Erkrankung leisten (Margraf, 1995).
Im Folgenden werden einige Internet-Adressen als Startpunkte zur Wissenserweiterung im Bereich der Angsterkrankungen vorgestellt. Zu diesen gehören neben den Angststörungen im engeren Sinne gemäß dem amerikanischen psychiatrischen Diagnoseschema (DSM-IV) ebenso die Zwangserkrankungen sowie akute und posttraumatische Belastungsstörungen.
Einen breitgefächerten Überblick zu Angststörungen aller Art findet sich bei „tAPir“ (the Anxiety Panic internet resource; 1). Vorgestellt werden unter anderem aktuelle diagnostische Kriterien, Übersichten zu therapeutischen Maßnahmen und Adressen von Hilfsorganisationen. Ebenso finden sich Verweise auf andere Internet-Ressourcen, die sich mit Angststörungen beschäftigen.
Im Bereich der deutschsprachigen Angebote sind die WWW-Seiten von medizinfo (2) zu nennen: Dieser Dienst informiert über Symptome und Ursachen von Angst, über Angst als Zeichen einer organischen Erkrankung und als seelisch-geistige Störung, über Behandlungsmöglichkeiten, über die Unterscheidung von normaler, angemessener und krankhafter Angst sowie über seelische und körperliche Erkrankungen mit Angstfolgen. Der Internet-Auftritt der Saarbrücker Winterbergkliniken (3) klärt unter anderem über den „langen Irrweg vieler Angstpatienten von Arzt zu Arzt“ auf und stellt zudem einen Panikfragebogen („Habe ich eine Panikstörung?“) bereit. Die Homepage von Dipl.-Psych. Volker Drewes (4) berücksichtigt zusätzlich theoretische Aspekte der Angst; es werden sowohl die gängigsten Angsttheorien als auch Erklärungsansätze zur Herkunft von Angst im Überblick vorgestellt.
Spezielle Aspekte
Neben diesen allgemeinen Metasites zu Angststörungen gibt es einige Angebote, die sich speziell der Diagnostik (zum Beispiel 5) widmen, den Aspekt der unterschiedlichen Therapiemethoden von Angststörungen (6) oder einen speziellen Behandlungsansatz (7; Verhaltenstherapie) besonders hervorheben.
Über Zwangserkrankungen gibt die Deutsche Gesellschaft für Zwangsstörungen einen detaillierten Überblick (8): Hier finden sich sowohl an aktueller Forschung orientierte Informationen zu diesem Krankheitsbild (Diagnose, Psychotherapie, Pharmakotherapie, aktuelle Biografie) als auch Materialien, die der Therapeut einem Betroffenen weiterreichen kann.
Eine umfassende Internet-Ressource zu Belastungsstörungen ist die Homepage des National Center for PTSD (Post Traumaic Stress Disorders; 9). Hier finden sich nicht nur theoretische Grundlagen und Informationen zur Diagnostik und Therapie dieser Störungsgruppe, sondern ebenso Details und hochwertige aktuelle Forschungsergebnisse. Ein ständig erweitertes Literatur- und Linkverzeichnis rundet das Web-Angebot ab. Auch zeichnet es sich dadurch aus, dass die Informationen jeweils für unterschiedliche Adressaten (zum Beispiel: Information for Clinicians, Researchers, Students, Policymakers, Trauma Survivors, Family Members) aufbereitet werden. So finden sowohl Betroffene als auch Professionelle eine qualifizierte Anlaufstelle.
Zahlreiche Selbsthilfeangebote und Erfahrungsberichte von Leidensgenossen stehen Angstpatienten im Internet zur Verfügung (siehe Web-Adressen 10 bis 14). Dem Praktiker bleibt es überlassen, diese Adressen an seine Patienten weiterzugeben.
Weiterführende kommentierte Linklisten zu Panik (Laszig, Rieg,
2000) und Posttraumtischen Belastungsstörungen (Eichenberg, Schmitt, 2001) finden sich in den zitierten Artikeln. Christiane Eichenberg
Kontaktadresse: Christiane Eichenberg,
E-Mail: Christiane@rz-online.de, Internet: www.christianeeichenberg.de


Literatur
Eichenberg C, Ott R: Informationen über psychische Störungen im Internet: Wissenschaftliches, Selbsthilfe
und Berichte Betroffener. Psychomed 1999; 3: 184-189.
Eichenberg C, Schmitt M: Informationen über akute und posttraumatische Belastungsstörungen im Internet. Teil 1: Wissenschaftliche Ressourcen. Psychomed 2001; 1: 53-57.
Laszig P, Rieg K: WWW-Links zu Panik. Psychotherapie im Dialog 2000; 3: 86-88.
Margraf J: Was kann der Hausarzt tun? Zeitschrift für ärztliche Fortbildung 1995; 2: 133-136.
Müller A: Angstpatienten in der Allgemeinpraxis. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 1991; 8: 447-453.
Ott R: Klinische Psychologie und Psychotherapie im Internet. Ein Wegweiser durch das WWW. Psychomed 1998; 10: 182-187.
Perkonigg A, Wittchen H-U: Epidemiologie von Angststörungen. In: Kaspar S, Möller H-J (Hrsg.): Angst- und
Panikerkrankungen. Jena 1995.
Weel C: Epidemiologie psychosomatischer Störungen in der Allgemeinmedizin. Allgemeinmedizin 1987; 2-3: 61-63.


Internet-Quellen (Auswahl)
1  www.algy.com/anxiety/index.html © the Anxiety Panic internet
resource (tAPir)
2  www.medizinfo.com/kopfundseele/angst/angst.htm © medizinfo
3  www.winterbergkliniken.de/kliniken/innere1/Info/Angst.html ©Infor-
mationen der Saarbrücker Winterbergkliniken
4  www.beratung-therapie.de/krankheitsbilder/angst/angst.html ©
Homepage von Dipl-Psych. Volker Drewes
5  http://icd.web.med.uni-muenchen.de/ALL/F40-F48.html © Diagnosti-
sche Kriterien des ICD-10: Psychische Störungen und Verhaltensstörungen
6  www.medicineworldwide.de/krankheiten/psychische_krankheiten/angst.
html © medicine worldwide
7  www.christoph-dornier-stiftung.de/therapie/th_angst.htm ©
Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie
8  www.zwaenge.de © Deutsche Gesellschaft für Zwangsstörungen
9  www.ncptsd.org © National Center for PTSD
10 http://kuckuck.solution.de/angst.html © Das Kuckucksnest
11 www.geocities.com/CapitolHill/3743/Main.htm © Erfahrungsbericht
über Agoraphobie
12 http://privat.schlund.de/S/SASH © Martins Seite zur Sozialen Phobie
13 Newsgroup: de.etc.selbsthilfe.angst © Virtuelle Selbsthilfegruppen
für Angstkranke;
www.proports.de © Homepage zu dieser Selbsthilfe-Newsgroup
14 www.psychologieonline.ch/mailingliste.htm © Übersicht über verschiedene Selbsthilfe-Mailinglisten zum Thema Angst
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