ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 1/2001Funkstandard Bluetooth: Die Zukunft ist kabelfrei

Supplement: Praxis Computer

Funkstandard Bluetooth: Die Zukunft ist kabelfrei

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): [29]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Mit der weltweit einsetzbaren Kurzstrecken-Funktechnologie Bluetooth werden Kabelverbindungen zwischen Computern und Peripheriegeräten überflüssig.

PC-Anwender, die sich schon immer über das Kabelwirrwarr hinter ihrem Schreibtisch geärgert haben, können aufatmen: Mit der drahtlosen Kurzstrecken-Verbindungstechnik Bluetooth können PC, Drucker, Scanner, PDA, digitale Kamera, Handy und andere elektronische Peripheriegeräte künftig schnurlos per Funk miteinander kommunizieren. Die Funkkomponente ist dabei in einem Mikrochip von der Größe eines Zweimarkstücks (15 x 30 x 3 Millimeter) verborgen, sodass Bluetooth-Module in nahezu jedem elektronischen Gerät Platz finden können.
Bluetooth ermöglicht Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Multipunkt-Verbindungen: Maximal acht Geräte bilden in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung ein so genanntes Pico-Netz. Jedes Gerät kann auch Teilnehmer eines oder mehrerer anderer Pico-Netze sein, die zusammen „Scatter-Netze“ bilden. Im Höchstfall lassen sich 127 Geräte miteinander verbinden. Die sendenden und empfangenden Geräte dürfen maximal bis zu zehn Metern voneinander entfernt sein. Selbst nichtmetallische Wände oder Möbel stellen kein Übertragungshindernis dar. Experten gehen davon aus, dass sich die Reichweite des Netzwerkes künftig bis auf 100 Meter erweitern lässt.
Im nichtkommunizierenden Zustand befinden sich die Bluetooth-Geräte im (stromsparenden) Standby-Modus ohne Netzverbindung. Jedes Gerät innerhalb eines Pico-Netzes kann dieses initialisieren und einen Verbindungsaufbau auslösen. Dieses Gerät wird als „Master“ bezeichnet – es kontrolliert die übrigen Geräte, die „Slaves“, und gibt diesen sämtliche Einstellungen vor.
Bluetooth ermöglicht, Daten und Sprache simultan zu übertragen. Es nutzt dafür das lizenzfreie Ultra-Kurzwellenband ISM (Industrial Scientific Medical), das mit einer Frequenz von 2,45 GHz arbeitet. Die Brutto-Übertragungsrate liegt zurzeit bei circa 1 Mbit pro Sekunde.
Unterstützt werden gleichzeitig ein asynchroner und bis zu drei synchrone Datenkanäle. Grundsätzlich kann ein Kanal auch zur gleichzeitigen Übertragung von Daten (asynchron) und Sprache (synchron) genutzt werden. Die Sprachkanäle bieten mit 64 Kbit/s ISDN-Qualität. Im asynchronen Übertragungsmodus stehen maximal 721 Bit/s in der einen und 57,6 Kbit/s in der anderen Richtung zur Verfügung; im synchronen Betrieb sind jeweils 432,6 Kbit/s möglich.
Funkinterferenzen werden dadurch vermieden, dass Sender und Empfänger bis zu 1 600-mal in der Sekunde die Frequenz wechseln. Dieses Frequenzsprungverfahren unterstützt – ebenso wie die integrierten Identifizierungs- und Verschlüsselungsmechanismen – auch die Datensicherheit und den Abhörschutz. Verschlüsselt wird im Pico-Netz je nach Voreinstellung zwischen acht und 128 Bit. Bei Bedarf lassen sich weitere Sicherheitsmechanismen oder eine zusätzliche Verschlüsselungssoftware installieren.
Die Kurzstreckenfunktechnik geht auf eine Initiative der Special Interest Group (SIG) zurück, die Anfang 1998 von den Firmen Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba gegründet wurde und der sich mittlerweile rund 2 000 Unternehmen weltweit – darunter auch Microsoft, 3Com, Motorola – angeschlossen haben (siehe im Internet unter www.bluetooth.org).
Konkurrierende Verfahren
Die Idee, Daten innerhalb von Netzwerken drahtlos zu übertragen (WLAN – Wireless Local Area Network), ist allerdings nicht neu. Ähnliche Ziele wie die SIG verfolgt beispielsweise die Infrared Data Association (IRDA) mit der Datenübertragung per Infrarot-Technik (Nachteil: zur Datenübertragung ist Sichtkontakt zwischen den Geräten erforderlich). Auch das internationale DECT-Forum bietet mit dem DECT-(Digital Enhanced Cordless Telephony-)Standard eine Alternative, die vor allem im Bereich schnurloser digitaler Telefone verbreitet ist.
Bislang konnte sich noch kein technisches Verfahren durchsetzen. Seit Microsoft jedoch angekündigt hat, Bluetooth in den nächsten Windows-Versionen zu unterstützen, sind die Aussichten für eine breite Unterstützung des Funkstandards durch die Industrie gestiegen. Heike E. Krüger-Brand
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