ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2001Namibia: Afrika wird dich verändern

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Namibia: Afrika wird dich verändern

Dtsch Arztebl 2001; 98(11): A-706 / B-576 / C-542

Loose, Hans-Werner

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LNSLNS Heino und Hereros, Apfelstrudel und Antilopensteak, Wasser so kalt wie auf Sylt und 60 Grad heißer Wüstensand, Farbkontraste von Himmelblau bis Goldgelb, schroffe Berge und endlose Savannen, flach wie ein Brett: Namibia ist ein Land der Gegensätze.

Maja von Biljon steuert den klimatisierten VW-Bus. 2 800 Kilometer in einer Woche sind für die Reiseleiterin, die acht Autos vor einer Ampel als Stau deutet, ein stressfreier Kurzausflug auf Straßen, wie mit dem Lineal gezogen. Betonbänder und Schotterpisten reichen in jeden Winkel des Landes, das zweieinhalbmal so groß ist wie Deutschland und weniger Einwohner hat als Hamburg – 1,8 Millionen.
Afrika riecht anders, eher nach Holzfeuern als nach Seife. Die Spuren der Deutschen, deren „Schutzgebiet“ die Südwestküste des Schwarzen Kontinents knapp 30 Jahre bis 1918 war, sind nicht zu tilgen. Das bevölkerungsärmste Land der Erde, zehn Flugstunden von Deutschland entfernt, ist noch immer so deutsch wie ein sauberer Badeort an der Ostsee oder ein Dorf in der Eifel.
Jürgen Drews schnulzt im „Musik Shop“ an der Independence Street, in der Hauptstadt Windhuk, die bis zur Unabhängigkeit vor knapp zehn Jahren noch Kaiserstraße hieß und heute 280 000 Einwohner hat. Die Regierungsmetropole ist so beschaulich wie Bonn ohne Regierung, ein wenig aufregender als das Städtchen Swakopmund südlich der mythenumwobenen Skelettküste, das an eine zu groß geratene Puppenstube erinnert.
Namibias Vorzeigeklinik
Im Industriegebiet von Windhuk füttert Martin Wiemers, Direktor des Reiseveranstalters Springbok-Atlas, mit Fakten: Jährlich geschätzte 10 000 Touristen, 90 Prozent Deutsche, sind neben Bergbau, Fischerei und Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle des Staates, aber einen Massenansturm auf Hotels, Lodges und Farmen will Namibia nicht: „Es ist das Traumland der Individualisten.“ Viele deutsche Ärzte und Zahnärzte, weiß der Tourismus-Manager, besuchen das Land, „meistens in Gruppen“. Bevor sie zur Rundreise aufbrechen, ist das Katutura-Krankenhaus an der Peripherie der Hauptstadt ihr Ziel: Namibias viel frequentierte Klinik mit Intensivstation versorgt alle Unfallopfer für 15 bis 30 Dollar (fünf bis zehn DM); oft werden die Patienten mit Kleinflugzeugen der Flying Doctors aus allen Winkeln des Landes zur Erstversorgung gebracht – wenn die Zauberheiler der Stämme nicht helfen können.
Maja, kundige Führerin und Fahrerin mit deutschen Vorfahren, berichtet in akzentfreiem Deutsch vom Tierreichtum zwischen Kunene-, Kavango- und Oranjefluss: Wildhüter zählten 350 Nashörner, 350 Löwen, 150 Leoparden und Geparden, 5 000 Antilopen, 11 000 Zebras, 20 000 Springböcke, 3 000 Elefanten, 2 000 Kudus, dazu 1 500 Strauße, 2 000 Giraffen, 4 000 Oryxantilopen. Am liebsten spricht Maja Afrikaans, bei Bedarf auch die Staatssprache Englisch und die Schnalzlaute der Buschmänner. Plötzlich bremst sie, setzt zurück und weist auf den Straßenrand. Auf dem warmen Teer sonnt sich eine Kobra.
Die älteste Wüste auf Erden
Die älteste Wüste der Erde, die dem jungen Staat ihren Namen gab, lebt: Wind treibt feinen roten Quarzsand vor sich her und türmt ihn zu Dünen, die sich bis zu 350 Meter hoch in den wolkenlosen Himmel recken. Schlangen tanzen, Springböcke jagen durch die Täler zur Sossusvlei-Senke und teilen sich dort den Rest des Regenwassers mit Oryxantilopen, dem Wappentier Namibias. Der Wüstenwind hat eine bizarre Landschaft von archaischer Schönheit geformt und modelliert sie ständig neu – Schlösser, Terrassen und Türme, verziert wie Paläste.
Neben Straßen, die wie Striche in die Unendlichkeit reichen, markieren rotblühende Feuerbäume die Häuser der Farmer – eher bescheidene Unterkünfte von Großgrundbesitzern, die auf kargem Land hinter Maschendraht Rinder, Schafe oder Ziegen weiden lassen. Und Wild, das jährlich mehr als 1 500 Jäger aus Deutschland in das Land zieht. Immerhin: Fast die Hälfte des bewirtschafteten Bodens ist in deutscher Hand. Die vielen Trockenflüsse, die Straßen neben Termitenhügeln kreuzen, führen nur in der Regenzeit Wasser: Sie sind Rinnen ohne Quelle, ohne Mündung ins Meer. Das Nass verdunstet oder versickert in der Dornenbuschsavanne.
Maja chauffiert den Kleinbus gen Norden, zum Etoscha-Nationalpark: ein Stück ursprüngliches Afrika, 22 270 Quadratkilometer groß, eines der größten Wildreservate des Kontinents, deren Resorts seit zwei Jahren vom Staat an private Betreiber verpachtet wurden. Die gigantische Pfanne misst 120 mal 72 Kilometer. Das Wild wagt sich nur in den ausgetrockneten See, so weit es die Akazien sehen kann; jenseits des Horizonts fühlen sich allenfalls Puffotter oder Schwarze Mamba wohl. An den wenigen Wasserstellen rings um die Pfanne ist pralles Leben: Elefanten tanken Wasser mit Warzenschweinen, Zebras und Giraffen.
Außer den Fotos bleiben Erinnerungen an sieben Tage Namibia, auch an die Sternbilder auf der anderen Seite des Äquators, wo in sternklaren Nächten das Kreuz des Südens die Milchstraße dominiert und der Große Wagen auf dem Kopf steht. „Du kannst Afrika nicht verändern“, sagt Maja und lässt den Bus am Flughafen ausrollen, „aber Afrika wird dich verändern.“ Hans-Werner Loose

Reise-tipps



Reisezeit
Ganzjährig, am besten April/Mai; nach der Regenzeit. Für die Wildbeobachtung sind die trockenen Monate Juni bis November ideal.
Einreise
Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist.
Währung
Namibischer Dollar (NS). Drei NS = etwa 1 DM. Umtausch im Land. Kreditkarten werden fast überall akzeptiert.
Sprache
Amtssprache Englisch. Viele Namibier sprechen Deutsch.
Mietwagen
Teuer; etwas preiswerter in Deutschland zu buchen. Achtung, Selbstfahrer: Gefahr auf holprigen Schotterpisten bei Überqueren der Trockenflüsse. Linksverkehr.
Gesundheit
Impfungen nicht vorgeschrieben. Das Leitungswasser hat Trinkwasser-qualität.
Zeit
Plus eine Stunde während der Winterzeit.
Souvenirs
Halbedelsteine, Schnitzereien.
Unterkünfte
Windhuk: Safari Country Club; Swakopmund: Swakopmund Hotel; Namib-Wüste: Mövenpick, Sossuvlei Lodge; Omaruru: Namatubis Gästefarm, Etoscha-Nationalpark: Mokuti Lodge, Halali, Okaukuejo, Oropoko/Okahandja: Oropoko Lodge, für Jäger: Oropoko Farm (Olympia Reisen Ltd. Eros Airport Windhuk).
Buchungen
Zum Beispiel: Aeroworld Hamburg.
Preisbeispiele
Flug mit Air Namibia oder LTU ab/an Frankfurt oder ab/an München. Das neue Programm „Namibia Flexipass“ einschließlich Flug: acht Tage Mietwagen und sieben Hotelübernachtungen inklusive Frühstück ab 2 280 DM. Individuelle Routenvorschläge im Katalog.
Rundreise Namibia
Acht Übernachtungen in Hotels, Lodges, Rastlagern oder Gästefarmen in Begleitung einer deutschsprachigen Reiseleitung ab 4 158 DM einschließlich Flug.
Infos
Namibia Tourism, Heinz Kramer, Schilderstraße 42–44, 60313 Frankfurt/ Main, Telefon: 0 69/13 37 36–25

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