ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Aortokoronarer Bypass: Postoperativ häufig kognitive Störungen

AKTUELL: Akut

Aortokoronarer Bypass: Postoperativ häufig kognitive Störungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-725 / B-587 / C-553

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Fortschritte in Anästhesie und Operationstechnik ermöglichen heute einen aortokoronaren Bypass auch bei multimorbiden Patienten mit stark eingeschränkter Herzfunktion. Viele Patienten kommen erst zur Operation, wenn der Versuch einer Angioplastie fehlgeschlagen ist. Aus kardiochirurgischer Sicht ist heute vieles machbar. Das Risiko von intraoperativen Embolien ist kalkulierbar. Der Anteil der postoperativen Schlaganfälle liegt bei unter fünf Prozent. Viele Patienten berichten jedoch, dass sie nach der Operation nicht mehr die Gleichen sind wie vorher. Ursache sind kognitive Hirnleistungsstörungen, die heute bei etwa jedem zweiten Patienten nach der Operation auftreten. Bisher wurde ihnen keine große Bedeutung beigemessen, weil die kognitiven Defizite zumeist leicht sind und die Patienten sich in der Regel nach wenigen Tagen wieder erholen.

Doch die Besserung ist möglicherweise nur vorübergehend, wie eine prospektive Studie von Mark Newman und Mitarbeiter der Duke-Universität in Durham, North Carolina, zeigt
(NEJM 2001; 344: 395–402). An der Klinik wurden überwiegend Patienten mit höchstem Anästhesierisiko, schlechter Herzfunktion und vorbestehenden Krankheiten operiert. Etwa die Hälfte der Patienten hatte bereits einen Herzinfarkt erlitten, und die linksventrikuläre Auswurffraktion betrug im Durchschnitt nur 51 Prozent. Bei der Entlassung aus der Klinik hatten 53 Prozent einen Abfall in Gedächtnis- und Intelligenztests. Nach einem halben Jahr war der Anteil zwar auf 24 Prozent gefallen, doch nach fünf Jahren hatten wiederum 42 Prozent eine kognitive Schwäche. Das Ausmaß war deutlich abhängig vom postoperativen Status: Ein kognitiver Abbau in den ersten Tagen nach der Operation erhöhte neben hohem Alter und geringem Ausbildungsstand der Patienten das Risiko auf einen späteren kognitiven Verfall.

Die Ursache der Störungen ist noch unbekannt. Denkbar ist, dass während der Operation kleinere Embolien in den Kreislauf gelangen und zerebrale Blutgefäße verlegen. Welche Faktoren während der Operation dies begünstigen, ist unklar. Die Dauer des kardiopulmonalen Bypasses und auch die Dauer des aortalen Cross-Clampings hatten in der Studie keinen Einfluss auf die späteren Ergebnisse in den Tests zur Kognition. Für eine schlechte linksventrikuläre Funktion war das Risiko grenzwertig signifikant. Die Ergebnisse stellen den Sinn der Bypassoperation nicht infrage. Nach Ansicht der Autoren besteht jedoch dringender Bedarf nach klinischen Studien, um die Möglichkeiten einer aggressiven neuroprotektiven Begleitbehandlung zu untersuchen. Rüdiger Meyer
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