POLITIK

Einmal Gott spielen

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-732 / B-595 / C-560

Richter, Eva A.

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LNSLNS Reproduktives Klonen ist für Experten „reine Scharlatanerie“
Nicht die therapeutischen Möglichkeiten, sondern die Idee, den Menschen zu optimieren, stünde anscheinend bislang im Mittelpunkt der Bemühungen um das Klonen, warnte der Kulturstaatsminister Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin bei den „Berliner Wissenschaftsgesprächen“, die am 12. März von der Berliner Zeitung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veranstaltet wurden. Das therapeutische Klonen könne den Einstieg in das Projekt des „optimierten Menschen“ bedeuten. Solange diese Gefahr bestehe, wende auch er sich gegen diese Bemühungen. Sobald das Risiko aber ausgeschlossen sei, habe er keine grundsätzlichen Einwände gegen das therapeutische Klonen. Zugleich räumte der Minister auf der Veranstaltung ein, sich möglicherweise im Januar missverständlich ausgedrückt zu haben. Damals hatte er im „Tagesspiegel“ Embryonen im frühen Stadium die Menschenwürde abgesprochen. Menschenwürde sei jedoch nicht mit Schutzwürdigkeit gleichzusetzen, betonte der Philosoph jetzt in Berlin. Die Schutzwürdigkeit des Embryos bestünde von Anbeginn an und nähme im Reifungsprozess graduell zu.
Das Vorhaben der italienischen Forschergruppe um Severino Antinori, einen Menschen zu klonen, bezeichnete Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der DFG, als „reine Scharlatanerie“. Das Klonen eines vollständigen Organismus sei inakzeptabel. Bereits der Weg dahin sei unvertretbar, weil Tierversuche gezeigt hätten, dass viele Embryonen sterben und Jungtiere missgebildet oder lebensunfähig zur Welt kämen. Auch der Benefit des therapeutischen Klonens läge noch in weiter Ferne. Eine Alternative sieht der DFG-Präsident hingegen in der Forschung an adulten Stammzellen. Eine Änderung des deutschen Embryonenschutzgesetzes, in dem das therapeutische Klonen verboten wird, lehnt Winnacker ab. Deutschland dürfe sich allerdings innerhalb der internationalen Wissenschaft nicht isolieren. ER
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