ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Ungeklärte Punkte

MEDIZIN: Diskussion

Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Ungeklärte Punkte

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-770 / B-651 / C-619

Adler, Meinhard

zu dem Beitrag von Dr. med. Sigrid von Eckardstein Prof. Dr. med.Eberhard Nieschlag, FRCP in Heft 47/2000
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LNSLNS Die erwähnte Therapie ist eigentlich nichts Neues, sondern hat eine sehr lange Tradition in der „praktischen Andrologie“. Allerdings sind uns aus dieser längeren Tradition einige eigentlich als gesichert geltende Ergebnisse bekannt, die in der vorliegenden Arbeit unklar geblieben sind. Die Produktion des Testosteron ist eine pulsatile und im Alter reduziert sich nicht (nur) das arithmetische Mittel, sondern die Amplituden, der Rhythmus der Ausscheidung. Dies hat Konsequenzen für die Diagnostik (mehrfache Blutentnahme wird von vielen Praktikern und Theoretikern empfohlen) und therapeutische Konsequenzen: Die Gabe sollte sich dem Rhythmus anpassen.
Seit Jahrzehnten wurde nicht das Testosteron, sondern das Mesterolon (Methylgruppe) empfohlen, weil es oral wirksam und besser verträglich ist.
Warum wurde die Mesterolongabe (Präparate von Jenapharm und Schering) nicht erwähnt?
Es wird behauptet, dass die positiven Wirkungen einer Testosterongabe immer nachweisbar seien. Ist es nicht möglich, dass sich im Alter die Rezeptoren für die Hormonwirkung irreversibel zurückbilden, sodass eine periphere Erhöhung des Hormons keinen Effekt mehr bringt?
Im Leistungssport wurde eine relativ gute Einsicht und Handhabbarkeit des Regelkreises von Testosteron erreicht, zu dem das Effektorglied Muskulatur gehört. Das würde für den „alternden Mann“ bedeuten, dass ich mich bei einer eventuellen Testosteron-Therapie nicht nur nach den entsprechenden Blutparametern zu richten habe, sondern diese in Beziehung zur körperlichen Aktivität in ein therapeutisches Konzept setzen muss.
Das Grundproblem um das DHEA besteht bekanntermaßen darin, dass die hohe Korrelation zwischen dem Abfall dieses Androgens und dem Lebensalter zu verführerischen kausalen Therapieversuchen in sehr großem Ausmaß geführt hat.
Dieses Problem aber mit einer Bemerkung: „. . . keine Wirkungen nachgewiesen. . .“ abzutun, scheint mir doch zu einfach. Es gibt sehr wohl positive und negative Wirkungen in den verschiedensten Bereichen, die auch nachgewiesen, zum Teil allerdings nicht bestätigt wurden.
Wie man sich leicht durch Recherche im Internet überzeugen kann, gibt es eine riesige Fülle von sich widersprechender Literatur zur Wirkung dieser Substanz. Eine zumindest einigermaßen orientierende Begleitforschung zu diesen „Therapie-Versuchen“ sollte geleistet werden.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Meinhard Adler
Facharzt für Nervenheilkunde, Sportmedizin
Universität zu Köln
Heilpädagogische Fakultät
Frangenheimstraße 4
50931 Köln

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