ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Karzinomrisiko bedenken

MEDIZIN: Diskussion

Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Karzinomrisiko bedenken

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-770 / B-651 / C-619

Wächter, Stephan

zu dem Beitrag von Dr. med. Sigrid von Eckardstein Prof. Dr. med.Eberhard Nieschlag, FRCP in Heft 47/2000
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LNSLNS Zweifellos kann man durch Gabe von Testosteron bei Männern sowohl metabolische wie auch psychotrope Effekt erzielen, die die Patienten als angenehm empfinden.
Dies ist in der Sportmedizin seit langem bekannt.
Tatsache ist allerdings, dass es für Männer keine sicheren Grenzen des Normalwerts des Testosteronspiegels gibt. Bei vielen (auch jungen) Männern ohne Beschwerden und klinisch-pathologischen Befunden liegt der Testosteronspiegel unter den angegebenen 12 ng/ml. Patienten mit einem eindeutigen Testosteronmangel (beidseitiger Hodenverlust, Klinefelter-Syndrom, et cetera) weisen einen freien Testosteronspiegel allenfalls bei 2 bis 4 ng/ml auf. Dass diese Patienten vor allem im Hinblick auf eine Osteoporoseprophylaxe substituiert werden müssen, ist unbestritten.
Eine sehr großzügige Indikationsstellung zur Hormonsubstitution älterer Männer sollte auch unter dem Blickwinkel des latenten Prostatakarzinoms betrachtet werden (Inzidenz bei Obduktionen beim 60-Jährigen: 20 Prozent, beim 80-Jährigen: 60 Prozent).
Dass bei der Entwicklung des Prostatakarzinoms das Testosteron eine große Rolle spielt, ist unbestritten. Es gibt bisher keine Langzeitstudien über die Inzidenz dieses Tumors beim hormonsubstituierten alternden Mann. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein latentes Prostatakarzinom oft deshalb nicht zu Lebzeiten manifest wird, weil der Patient keinen allzu hohen Testosteronspiegel hat.
Ärzte, die auch Patienten im Finalstadium des Prostatakarzinoms betreuen, sehen die Problematik sicher auch unter diesem Blickwinkel. Möglicherweise können Langzeitstudien diese Bedenken ausräumen beziehungsweise harte Kriterien liefern, unter denen Hormontherapien ohne großes Risiko sinnvoll und durchführbar sind.
Ich bin überzeugt, dass viele der Patienten, die die Symptome des alternden Manns schildern, allein durch eine gesunde Ernährung und täglich eine halbe Stunde Ausdauersport geheilt werden können.

Dr. med. Stephan Wächter
Königstraße 82
90762 Fürth

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