ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Zirkadiane Rhythmen bei Älteren

MEDIZIN: Diskussion

Therapie mit Sexualhormonen beim alternden Mann: Zirkadiane Rhythmen bei Älteren

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-771 / B-633 / C-593

Raschka, Christoph; Koch, Horst Josef

zu dem Beitrag von Dr. med. Sigrid von Eckardstein Prof. Dr. med.Eberhard Nieschlag, FRCP in Heft 47/2000
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LNSLNS Die Biochemie und Wirkungen der Sexualhormone werden von von Eckardstein und Nieschlag in ihrer Übersicht ausführlich erläutert und therapeutische Möglichkeiten und praktische Aspekte diskutiert. Für einige Substanzen gibt es widersprüchliche Angaben, sodass möglicherweise ein Therapieversuch, insbesondere bei niedrigen Plasmaspiegeln, gerechtfertigt ist. Morales et al. (3) untersuchten die Wirkung von 50 mg DHEA (Dehydroepiandrosteron) zur Nacht bei 13 Männern und 17 Frauen (Alter 40 bis 70 Jahre, Therapiedauer sechs Monate) in einer randomisierten, placebokontrollierten Crossoverstudie. Dabei nahmen die Konzentrationen von Androgenen (Testosteron, DHT) und IGF-1 (Insulin-Like Growth Factor) zu. Im Gegensatz dazu verringerte sich die Konzentration des IGF-bindenden Proteins-1 signifikant. Während die Libido nicht beeinflusst wurde, besserte sich das Wohlbefinden der Probanden deutlich.
Da die Hormonspiegel zirka-, infra- und ultradiane Rhythmen aufweisen, ist grundsätzlich zu fragen, ob es sinnvoll ist, Konzentrationen als Normbereiche anzugeben. Vielmehr scheint der zeitliche Verlauf von entscheidender Bedeutung. In der chronobiologischen Literatur wird häufig ein auf die Zeit bezogener Normwert (Chronodesm) angegeben (2). Die Periodizität der Hormonsekretion bleibt im Alter erhalten, auch wenn sich häufig Amplitudenreduktionen (beispielsweise bei DHEA-S) oder höhere Amplituden (beispielsweise bei Insulin) zeigen (4). Für das DHEA-S wird zusätzlich eine Phasenverschiebung (Phase Advance) beschrieben. Für Kinder (männlich), junge Erwachsene männlich und weiblich) und Ältere (männlich) betrugen der MESOR (Midline Estimating Statistic of Rhythm; Differenz zwischen maximalem und minimalem Wert der angepassten Kosinuskurve) 675, 2843 beziehungsweise 585 ng/ml, die Amplitude 75, 249 beziehungsweise 60 ng/ml und die Akrophase (Zeitpunkt des zirkadianen Maximums) 13.36, 16.32 beziehungsweise 12.32 Uhr (Mittelwerte aus 1). Interessant wäre die Gabe von Hormonen entsprechend ihrer periodischen Charakteristik mit steuerbaren Pumpsystemen oder chronotherapeutischer Galenik.

Literatur
1. Haus E, Nicolau GY, Lakatua D, Sackett-Lundeen L: Reference values for chronopharmacology. In: Annual Review of Chronopharmacology; Reinberg A, Smolensky M, Labrèque G (eds.). Oxfort: Pergamon Press 1988: 324–333.
2. Haus E, Touitou Y: Chronobiology in laboratory medicine. In: Biological Rhythms in Clinical and Laboratory Medicine; Touitou Y, Haus E (eds.). Heidelberg: Springer 1994: 673–708.
3. Morales AJ, Nolan JJ, Nelson JC, Yen SS: Effects of replacement dose of dihydroepiandrosterone in men and women of advancing age. Clin Endocrinol Metabol 1994; 78: 1360–1367.
4. Touitou Y, Haus E: Biological rhythms and aging. In: Biological Rhythms in Clinical and Laboratory Medicine; Touitou Y, Haus E (eds.). Heidelberg: Springer 1994: 188–207.

Dr. med. Dr. rer. nat. Horst Josef Koch
Alexander Szecsey
Psychiatrische Universitätsklinik, Gerontopsychiatrie
Universitätsstraße 84
93053 Regensburg

Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. Sportwiss.
Christoph Raschka
Universität Frankfurt, Institut für Sportwissenschaften
Ginnheimer Landstraße 39
60487 Frankfurt

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