ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Aventis: Vom Farbenwerk zum Life-Science-Konzern

VARIA: Wirtschaft

Aventis: Vom Farbenwerk zum Life-Science-Konzern

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-774 / B-636 / C-595

Jürgens, Philip

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LNSLNS Der deutsch-französische Pharmariese legt für das erste gemeinsame Jahr gute Zahlen vor.

Wäre Aventis im Deutschen Aktienindex notiert, käme der Pharmakonzern gleich nach den Schwergewichten Allianz, Siemens und Deutsche Telekom. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Euro belegt die deutsch-französische Aventis S.A. Rang sechs der größten Pharmakonzerne der Welt.
Aventis war Anfang 2000 durch den Zusammenschluss des französischen Chemieunternehmens Rhône Poulenc mit der deutschen Hoechst AG entstanden. Die Geschichte des deutschen Bausteins von Aventis begann 1863. Damals gründete der Chemiker Dr. Eugen Lucius die „Theerfarbenfabrik Meister, Lucius & CO.“ mit Sitz in Frankfurt/Hoechst.
Heute sind weltweit rund 90 000 Menschen bei Aventis beschäftigt. Allein die Landesgesellschaft, Aventis Deutschland GmbH, hat 7 400 Mitarbeiter und ist mit 400 Auszubildenden größter Lehrbetrieb im Industriepark Hoechst. Im letzten Jahr sind die Investitionen in Deutschland stark gestiegen. Die genehmigten Projekte waren im Jahr 2000 mit 306 Millionen Euro rund dreimal so hoch wie im Vorjahr. Zusätzlich fließen 153 Millionen Euro in ein gemeinsames Projekt mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer: „Large Insulin Plant“ heißt die Anlage in Frankfurt/Hoechst, in der die Produktion von „Exubera“, einem inhalierbaren Insulin, noch in diesem Jahr anlaufen soll. Das Medikament befinde sich in der klinischen Testphase III und stehe kurz vor der Einreichung zur Zulassung, sagte der Geschäftsführer der Landesgesellschaft, Dr. Heinz-Werner Meier, am 5. März 2001 in Bad Soden. Das 24-Stunden-Insulin „Lantus“ ist bereits seit Juni 2000 zugelassen. Hier genüge eine Spritze pro Tag, und das Wirkungsprofil bleibe 24 Stunden lang gleich.
Neben Medikamenten gegen Stoffwechselstörungen forschen die Aventis-Teams in Deutschland nach Mitteln gegen Gelenk-, Herz-Kreislauf- und Thrombose-Erkrankungen. Mit den Biotechnologie-Unternehmen GPC-Biotech, BioTez und InViTek kooperiert Aventis in einem Projekt zur Behandlung von Osteoarthrose. Das US-amerikanische Bridgewater ist Standort für Forschung im Bereich Atemwegserkrankungen, rheumatoide Arthritis und Störungen des Zentralen Nervensystems. Die Schwerpunktforschung für Onkologie, Infektionskrankheiten, Alzheimer und Parkinson übernehmen die Wissenschaftler am französischen Standort bei Paris.
Aventis hat zur Zeit 45 Projekte in der klinischen Entwicklung und will bis 2004 15 neue Produkte auf den Markt bringen. Das Wachstum soll sich in Zukunft auf die so genannten Blockbuster-Medikamente stützen, die jeweils mehr als eine Milliarde DM Umsatz erzielen sollen.
Erste gemeinsame Bilanz
Der Vorstandsvorsitzende, Jürgen Dormann, legte am 2. März dieses Jahres in Straßburg die Bilanz des ersten vollständigen Geschäftsjahres vor. Danach stieg der Konzerngewinn nach Steuern und vor Sondereinflüssen im Vergleich zum Vorjahr um 51,3 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz nahm um 9,1 Prozent zu und lag im Jahr 2000 bei 22,3 Milliarden Euro. Die Mitarbeiter an den sechs Standorten der deutschen Gesellschaft trugen 2,3 Milliarden Euro zum Umsatz bei – mehr als die Hälfte davon durch den Export von Wirkstoffen und Arzneimitteln.
Im Life-Science-Bereich – dem Kerngeschäft des Konzerns – stieg der Umsatz im letzten Jahr um mehr als 12 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro. Zum Life-Science-Bereich zählen verschreibungspflichtige Arzneimittel, Impfstoffe und Blutplasmaprodukte sowie die Pflanzenschutz-Sparte CropScience und der Bereich Tiergesundheit.
Die durch die Fusion bisher entstandenen Synergieeffekte bezifferte der Finanzvorstand Patrick Langlois auf 430 Millionen Euro. Er sagte, die Einsparungen könnten bis zum Jahresende 900 Millionen Euro betragen und im nächsten Jahr sogar bei 1,2 Milliarden Euro liegen.
Konzentration auf Pharma
Dormann sagte, der Konzern wolle sich in Zukunft auf das lukrative Pharmageschäft spezialisieren, für das in den nächsten drei Jahren ein Gewinnwachstum von 25 bis 30 Prozent pro Jahr möglich sei. Der Umsatz könne bis 2003 um zehn Prozent zulegen. Unklar sei noch, was mit der Pflanzenschutz-Sparte CropScience geschehe. Die Unternehmensführung denke dabei vor allem an einen Verkauf ihres 76-Prozent-Anteils oder an den Börsengang der Pflanzenschutz-Tochter noch in diesem Jahr. „Es wird etwas geschehen“, sagte Langlois „und das recht bald.“ Philip Jürgens


„Wissenschaftliches Laboratorium“ für Pharmaforschung in Frankfurt/Hoechst, 1890
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