ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Bekanntmachungen: Richtlinien über Kriterien zur Qualitätsbeurteilung in der Kernspintomographie

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Bekanntmachungen: Richtlinien über Kriterien zur Qualitätsbeurteilung in der Kernspintomographie

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): A-786 / B-647 / C-605

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LNSLNS gemäß § 136 SGB V i. V. m. § 92 Abs.1 SGB V
des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen
(Qualitätsbeurteilungs-Richtlinien für die Kernspintomographie)
vom 16. Oktober 2000


1 Grundsätze

1.1 Die Kernspintomographie ist ein modernes bildgebendes Verfahren und leistet einen wichtigen Beitrag für die ärztliche Diagnostik und Therapie. Als Untersuchungsmethode ist sie dadurch gekennzeichnet, dass für die Lösung des individuellen Patientenproblems und die dabei auftretende medizinische Fragestellung eine Vielzahl unterschiedlicher technischer Verfahren angewendet wird, die sich in einem raschen und
ständigen Prozess der Weiterentwicklung befinden. Deshalb und weil wegen der Vielzahl der einsetzbaren Techniken und Untersuchungsgänge Artefakte und Fehlermöglichkeiten größer sind als bei anderen bildgebenden Verfahren, kommt der Qualitätssicherung große Bedeutung zu. Besonders durch inadäquate medizinische Fragestellungen und die daraus resultierende ungenügend begründete Indikation ist trotz sachgerechter Durchführung und einwandfreier Ergebnisse der Kernspintomographie der Nutzen für die Diagnostik häufig nicht erreichbar.
1.2 Ziel der Kernspintomographie ist es, die medizinische Fragestellung zu beantworten. Dabei sind die Möglichkeiten dieser Untersuchungsmethode zu nutzen und so wirtschaftlich wie möglich einzusetzen. Hierzu ist es erforderlich, dass die Untersuchung fachlich korrekt, zielorientiert und wirtschaftlich durchgeführt wird, die diagnostisch relevanten Bildinformationen vollständig dargestellt sowie die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden. Dazu kann es notwendig sein, dass die medizinische Fragestellung und die Indikation für die kernspintomographische Untersuchung zwischen dem überweisenden und dem kernspintomographisch tätigen Arzt konsiliarisch abgestimmt werden.
1.3 Diese Richtlinien dienen den Kassenärztlichen Vereinigungen als Grundlage, die Qualität der in der vertragsärztlichen Versorgung erbrachten kernspintomographischen Leistungen einschließlich der Indikationsstellung durch Stichproben auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Die Stichprobenprüfung umfasst die Qualität der kernspintomographischen Untersuchung mit ihren diagnostischen Informationen sowie die Nachvollziehbarkeit und Schlüssigkeit der medizinischen Fragestellung, Indikationsstellung und Befundung.
1.4 Die fachlichen und apparativen Voraussetzungen für die Ausführung und Abrechnung von kernspintomographischen Leistungen in der vertragsärztlichen Versorgung sind in der Kernspintomographie-Vereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V festgelegt. Daneben sind bei der Durchführung von kernspintomographischen Untersuchungen ergänzend auch die „Leitlinien der Bundes­ärzte­kammer zur Qualitätssicherung in der Kernspintomographie“ zu berücksichtigen.


2 Qualitätsanforderungen

2.1 Medizinische Fragestellung und Indikation
2.1.1 Die Indikation für eine kernspintomographische Untersuchung wird als begründet angesehen, wenn
a) die individuelle medizinische Fragestellung aus den Beschwerden des Patienten und den klinischen Befunden zutreffend abgeleitet und für die Lösung des Patientenproblems relevant ist,
b) eine weiterführende Aussage zur Diagnose und/oder zur Therapieentscheidung mit dieser Methode erwartet werden kann sowie
c) die Durchführung konkurrierender Methoden, mit welchen die medizinische Fragestellung gleichwertig beantwortet werden kann,
– zu höheren Kosten führen würde und/oder
– für die Patienten mit einem höheren Risiko verbunden wäre.
Unter Beachtung der Bestimmungen der Bundesmantelverträge zur Überweisung (§ 24 Bundesmantelvertrag-Ärzte und § 27 Arzt-/Ersatzkassen-Vertrag) darf eine kernspintomographische Untersuchung nur durchgeführt werden, wenn zwischen dem überweisenden und dem kernspintomographisch tätigen Arzt Einvernehmen über die Indikation hergestellt worden ist. Ist die kernspintomographische Untersuchung aus der Sicht des kernspintomographisch tätigen Arztes nicht indiziert, darf sie nicht durchgeführt werden.
2.1.2 Können mit der durchgeführten kernspintomographischen Untersuchung die erwarteten Informationen zur Diagnose und/oder zur Therapieentscheidung nicht abschließend gewonnen werden, können weiterführende kernspintomographische Untersuchungen durchgeführt werden, wenn
a) die Beantwortung derselben medizinischen Fragestellung mit Anwendung anderer technischer Verfahren der Kernspintomographie erwartet werden kann oder
b) sich aus der vorangegangenen Kernspintomographieuntersuchung, den Patientenbeschwerden und den klinischen Befunden weitergehende medizinische Fragestellungen ergeben, welche die der Überweisung zugrunde liegende Fragestellung überschreiten und mit Anwendung der Kernspintomographie geklärt werden können.
Zur Durchführung der weitergehenden kernspintomographischen Untersuchungen nach Buchstabe b) ist das konsiliarische Einvernehmen mit dem überweisenden Arzt herzustellen und zu dokumentieren.
Kann das konsiliarische Einvernehmen nicht hergestellt werden, ist dies ebenfalls zu dokumentieren. Wird die kernspintomographische Untersuchung aus den besonderen Umständen des Einzelfalls dennoch durchgeführt, ist dies ausführlich schriftlich zu begründen.
Die Bestimmungen der Nr. 2.1.1 Satz 1 gelten.
2.2 Bildqualität
2.2.1 Die Anforderungen an die Bildqualität einer kernspintomographischen Untersuchung umfassen die objektbestimmten Bildmerkmale und die kritischen Bildelemente sowie die Messbedingungen. Die kritischen Bildelemente beschreiben organtypische Strukturen, welche für die diagnostische Aussage wichtig und für die Qualität der Aufnahme repräsentativ sind. Sie müssen gut erkennbar und artefaktfrei dargestellt sein. Die Messbedingungen richten sich nach der medizinischen Fragestellung. Zu den relevanten Messbedingungen gehören insbesondere das untersuchte Volumen, die Schichtlage und die Messparameter (z. B. Schichtdicke, Matrix, Messfeld, Messsequenz).
2.2.2 Die Beurteilungskriterien für die Bildqualität sind in der Anlage festgelegt. Diese Kriterien sind auf die verschiedenen Organbereiche bezogen und beschreiben den derzeitigen allgemeinen medizinischen Standard für Kernspintomogramme.
2.3 Vorzulegende Dokumentation
Die schriftliche und bildliche Dokumentation unter Einbeziehung der Unterlagen des überweisenden Arztes, welche bei der Stichprobenprüfung der Kassenärztlichen Vereinigung vorzulegen ist, muss alle für die kernspintomographische Untersuchung relevanten Angaben zu mindestens folgenden Punkten beinhalten:
a) Beschwerden des Patienten und Befunde
b) Medizinische Fragestellung und daraus abgeleitete Indikation zur kernspintomographischen Untersuchung im Hinblick auf die erwartete diagnostische Information und/oder das weitere therapeutische Vorgehen
c) Ergebnisse von zusätzlichen Untersuchungen, die von dem kernspintomographisch tätigen Arzt im Zusammenhang mit der vorliegenden medizinischen Fragestellung durchgeführt worden sind.
d) Messbedingungen; hierzu gehören Angaben zur verwendeten Spule, dem Untersuchungsvolumen, der Schichtlage und den Messparametern (s. Anlage)
e) Beschreibung der Bildinhalte
f) Befund und Beurteilung mit der Angabe, ob und ggf. welche Vorbefunde/Bilddokumentationen vorgelegen haben.
g) Ggf. Hinweise für das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen
2.4 In-Kraft-Treten
Diese Richtlinien treten am 1. April 2001 in Kraft.

Köln, den 16. Oktober 2000


Bundes­aus­schuss der Ärzte
und Krankenkassen

Der Vorsitzende

J u n g
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