ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2001Göttinger Gruppe (II): Selten folgt Besseres nach

VARIA: Schlusspunkt

Göttinger Gruppe (II): Selten folgt Besseres nach

Dtsch Arztebl 2001; 98(12): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Im letzten Beitrag habe ich über die Göttinger Gruppe berichtet und dem – allerdings noch nicht rechtskräftigen – Urteil, dass im Zusammenhang mit den umstrittenen Beteiligungssparplänen die Bezeichnung „Schneeballsystem“ vom Gericht als zulässige Meinungsäußerung eingestuft wurde. So weit, so gut oder, falls betroffen, so schlecht, je nachdem.
Die ebenso wichtige Frage ist aber, was hat die Göttinger Gruppe (GG) denn an Neuigkeiten feilzubieten? Künftig will die GG vor allem
Investmentfonds und Kommanditbeteiligungen unter die Leute bringen. Das steht zumindest in einer Mitteilung aus Göttingen, nach der Kunden „aus der gesamten, weltweit angebotenen Fonds-
palette von 4 500 Fonds wählen“ können. Das klingt nett, ist aber schon etwas ungenau formuliert, denn es gibt mittlerweile alleine in Deutschland mehr als die genannte Zahl an Fonds.
Bislang kann die Göttinger Gruppe freilich keine einzige Fondsgesellschaft benennen, mit der eine Vertriebsvereinbarung abgeschlossen ist. Doch wo keine Kontrakte, da keine Kohle.
Da aus den (nicht fließenden) Provisionen letztendlich die Ausschüttungen für die stillen Gesellschafter erwirtschaftet werden müssen, sind auch diese (Ausschüttungen) gefährdet. Folgerichtig hat die Göttinger Gruppe die gewinnunabhängigen Entnahmen der stillen Gesellschaft bereits halbiert.
Derweil hat die GG über die Tochtergesellschaft Trust Capital Berlin GmbH & Co KG bereits ein neues Anlagemodell in Form von zwei Dachfonds aufgelegt. Der Fonds „Trust Capital Berlin“ investiert wieder in fünf Unterfonds, und der „Vermögen Trust Capital Berlin“ baut – neben weiteren Teilfonds – mit dem Unterfonds „Equity Fonds“ eine so genannte „Investitionssäule“ auf.
Wo liegt das Problem? Für den Anleger macht der Umweg über die Rechtskonstruktion der Kommanditgesellschaft meines Erachtens gar keinen Sinn. Er wird – im Gegensatz zum offenen Fonds – auch noch Mitunternehmer mit allen üblichen Risiken. Ich glaube, es geht nur darum, der bei „normalen“ Fonds üblichen Aufsicht durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen zu entgehen.
Sollte der Dachfonds in die GG-eigene Immobilien-AG als auch in die zur Göttinger Gruppe gehörende Venture-Capital-Gesellschaft investieren, sind die Geldflüsse nur sehr schwer zu kontrollieren. Dieser mangelnde Durchblick wurde eben auch dem alten Anlagemodell vorgeworfen. Neue Schläuche, alte Vorwürfe.
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