ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Vorsicht Finanzhaie: Durch die Hintertüre

VARIA: Schlusspunkt

Vorsicht Finanzhaie: Durch die Hintertüre

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): [76]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Bei windigen Kapitalanlagevermittlern ist ein wichtiges Indiz für dringend gebotenes Misstrauen recht oft ein prachtvoller Hochglanzprospekt. Je edler das Machwerk aufgezogen ist, desto mehr muss beim Anleger die Alarmglocke läuten.
Einen genau entgegengesetzten Weg geht für meinen Eindruck die in Duisburg ansässige PCC AG. In einem seriös aufgemachten Prospekt stellt sich die PCC AG als Unternehmensgruppe vor, die
in den Geschäftsfeldern „Rohstoffhandel, Produktion von Chemikalien, Transporte, Handel mit elektrischer Energie und IT-Business“ tätig ist.
Zur Finanzierung des Geschäftes bietet die PCC AG zwei Inhaberschuldverschreibungen an, deren Renditen sich wirklich sehr attraktiv anhören. Die eine Teilschuldverschreibung mit einem Nominalzins von 6,5 Prozent läuft bis Juli 2002, und die andere mit sogar 7 Prozent ist am 1. April 2002 rückzahlbar.
Das Angebot ist wirklich ein Knaller. Die PCC AG weist denn auch folgerichtig in ihrem Prospekt auf die „Vorteile“ des Anlegers durch ihre festen, hohen Zinsen im „Vergleich zu Sparbuch, Festgeld und Bundesschatzbrief“ hin und vergisst auch die wichtige Erwähnung nicht, dass „kein Kursrisiko wie zum Beispiel bei Aktien und anderen Wertpapieren“ bestünde, da „Rückzahlungen zum Nennwert erfolgen“.
Wer mag da nicht gerne zugreifen, zumal die Inhaberschuldverschreibungen „keine Kosten bei direktem Erwerb, Einlösung und Eigenverwahrung“ verursachten und auch nach Unternehmensangaben frei übertragbar sind. Ist das alles wirklich wahr?
Sie sollten die Finger von der Sache lassen, meine ich. Egal, ob diese Schuldverschreibungen oder mögliche neu aufgelegte. Bei genauerem Hinsehen muss nämlich klar sein, dass der Kursunterschied der PCC-Schuldverschreibung zu einer sicheren Geldanlage dermaßen groß ist, dass durch die Hintertür ein ziemliches Risiko in ein solches Investment gerät.
Eine PCC-Inhaber-Teilschuldverschreibung ist in einem Konkursfall nicht einmal das Papier wert, auf dem die Urkunde bedruckt ist. So gut ist die PCC AG mit einem Grundkapital von 6 Millionen Mark schließlich auch nicht kapitalisiert, dass da sehr viel Substanz entgegensteht.
Ganz besonders auffällig und meines Erachtens schon sehr zweifelhaft erscheint das PCC-Angebot durch die Tatsache, dass Anlagevermittler auch noch eine Provision zwischen drei und vier Prozent bekommen, je nachdem, welche Laufzeit sie vermitteln. Das alles riecht sehr nach Geldbeschaffung um jeden Preis.
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