ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Krankenhäuser: Der Countdown läuft

POLITIK

Krankenhäuser: Der Countdown läuft

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-810 / B-670 / C-626

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Vorbereitungen für die Einführung der Diagnosis Related Groups (DRGs) ab dem Jahr 2003 laufen auf Hochtouren.


Der Countdown für die Einführung der DRGs in den Krankenhäusern läuft. Wie das neue System aussehen wird – das kann derzeit freilich niemand genau sagen. Grundstrukturen und politische Rahmenbedingungen des neuen leistungsorientierten, diagnosebezogenen und pauschalierenden Vergütungssystems müssen nach wie vor noch vereinbart werden. Bis zum Ende des Jahres will die Bundesregierung das Gesetzgebungsverfahren abschließen. Frühestens vom 1. Januar 2003 an soll dann – zunächst für ein Jahr budget-
neutral – nach den DRGs abgerechnet werden. Dies reicht dem Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Volker Odenbach, nicht. „Wenn es objektive Gründe für Verzögerungen gibt, müssen die Fristen verlängert werden“, verlangte er beim Frühlingsfest der DKG am 20. März in Berlin.
An dem Zeitplan will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt trotz der vielen offenen Fragen festhalten: Es wäre ein falsches Signal, zum jetzigen Zeitpunkt eine Verschiebediskussion zu eröffnen, sagte sie auf der Veranstaltung. Der Fallpauschalenkatalog und die Bewertungsrelationen könnten unabhängig von Fragen der künftigen Verhandlungsweisen und der Preisfindung entwickelt werden.
Genau in diesen Punkten gehen die Meinungen der Politik, der Krankenkassen und der DKG auseinander. Letztere plädiert eindeutig dafür, die neuen Entgelte als Festpreise zu gestalten. „Variable Preise würden im Krankenhausbereich zu einem kontrapoduktiven Wettbewerb mit einer Preisspirale nach unten führen“, befürchtet Odenbach. Die DKG fordert ferner, mit der Einführung der neuen Entgelte die Budgetierung der Krankenhausausgaben aufzuheben. Die Ausgaben müssten stattdessen durch eine sinnvolle Mengensteuerung reguliert werden, erklärte Odenbach. Eine ähnliche Ansicht vertrat der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU, Wolfgang Lohmann. Die Krankenhäuser könnten mit einer Deckelung nicht mehr weiterleben.
„Überkapazitäten“ sollen abgebaut werden
Die Krankenkassen haben andere Vorstellungen. Diese gingen „in Richtung Budget“, äußerte sich der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Hans Jürgen Ahrens, vage. Mehr Wettbewerb im Krankenhausbereich erhofft er sich durch variable Preise. Ebenfalls nicht für Fest-, sondern für Höchstpreise plädierte Dr. Werner Gerdelmann, Vorstandsmitglied der Ersatzkassenverbände. „Preise müssen durch die Kassen verhandelbar sein“, sagte er unter Protest des Publikums.
Eine weitere strittige Frage ist die zukünftige Kompetenz der Länder. Ihnen soll, wenn es nach der DKG geht, der Sicherstellungsauftrag für die stationäre Versorgung erhalten bleiben. Um dies zu erreichen, will sie die Kompetenz für eine Zuschlagsregelung (Zu- und Abschläge werden zusätzlich zu den DRGs notwendig sein) auf die Landesebene verlagern. Auch Monika Knoche (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Ruth Fuchs, gesundheitspolitische Sprecherin der PDS, und Wolfgang Lohmann (CDU/CSU) sprachen sich für eine solche Regelung aus. AOK-Chef Ahrens lehnte dies ab.
Mit der Einführung der DRGs sind offensichtlich unterschiedliche Erwartungen verknüpft. Ein solides Vergütungssystem, das Leistungen gerecht bezahlt, erhoffen sich die einen, ein Instrument zum Einsparen von Kosten die anderen. „Dass im Krankenhausbereich Überkapazitäten bestehen, erscheint mir unstrittig“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Schmidt. Auch die Kassen sehen hier „erhebliche Einsparpotenziale“. „Nach denen man vergeblich suchen wird“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der DKG, Jörg Robbers, die Hoffnungen. Zunächst müssten erst einmal zwei Millionen DM in den Aufbau des Systems gesteckt werden, gab Bundes­ärzte­kammerpräsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe zu bedenken. Auch nach Etablierung der DRGs sieht er kein Einsparpotenzial im Krankenhausbereich. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass es nur zu einer Verschiebung der Patienten vom stationären in den ambulanten Bereich kommt, beispielsweise durch verkürzte Liegezeiten. „Nur wenn die beiden Vergütungssysteme miteinander verbunden werden und die Patienten überall willkommen sind, haben wir eine gute Lösung gefunden“, sagte Hoppe. Dr. med. Eva A. Richter


Die Ansichten über die Ausgestaltung der DRGs gingen bei der Podiumsdiskussion weit auseinander.
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