ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Ärztliche Fortbildung auf höchstem Niveau

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Ärztliche Fortbildung auf höchstem Niveau

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-812 / B-672 / C-628

Thor, Susanne

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LNSLNS Das erste „Deutsche Ärzteforum“ im Rahmen des Hauptstadtkongresses setzt sich mit der Verzahnung von klinischer und ambulanter Versorgung
auseinander. Aber auch der Arzt als Manager und Unternehmer
wird angesprochen.


Vom 16. bis 18. Mai 2001 findet im ICC Berlin zum vierten Mal der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit statt. Die Kombination von drei Kongressen – dem ersten Deutschen Ärzteforum, dem Deutschen Pflegekongress und dem Kongress Krankenhaus, Klinik, Rehabilitation – soll den Willen zum interdisziplinären Austausch demonstrieren und die Bereitschaft der Ärzte zeigen, mögliche interprofessionelle Defizite reflektieren und orten zu wollen.
Der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Ärzteforums, Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin und Leiter der Unfallchirurgie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, sieht den Kongress als Pilotveranstaltung: „Wir haben uns bemüht, neue Fragen zu stellen, die auf den Nägeln brennen, und Leute auf das Podium der Sitzungen geholt, die versprechen, frischen Wind in die Diskussionen zu bringen.“ Neben der Interdisziplinarität und der Präsentation von Innovationen seien die Vermittlung von und die fachliche Auseinandersetzung mit Leitlinien und Hauptdiagnosen vorrangige Ziele des Kongresses.
Als starke Partner stehen hinter dem Deutschen Ärzteforum die Bundes­ärzte­kammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Marburger Bund in Zusammenarbeit mit den Berliner Universitätskrankenhäusern Charité und Klinikum Benjamin Franklin.
Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, möchte sich auch in Zukunft für qualitativ hoch stehende Fortbildungsangebote, wie es das erste Deutsche Ärzteforum sein wird, stark machen. „Das Ärzteforum greift innovative, zeitgemäße Ideen auf und hat den Anspruch, eine effektive Fortbildung insbesondere auch für die in der Weiterbildung befindlichen Kolleginnen und Kollegen zu sein.“ Die über 20 Foren bieten eine ärztliche Fortbildung auf höchstem Niveau. Für jeden Kongresstag werden von der zuständigen Ärztekammer Berlin 6 Punkte auf das freiwillige Fortbildungszertifikat der Ärzte anerkannt.
Das übergreifende Thema des Ärzteforums ist: „Gesund werden ohne Krankenhaus?“ Das erstaunt, weil hauptsächlich Krankenhausärzte das wissenschaftliche Programm erstellt haben. Dazu Prof. Ekkernkamp: „Wir sehen, dass es dringend zu einer besseren Verzahnung der klinischen mit der ambulanten Versorgung kommen muss. Wir wollen dieses Forum nutzen, um das Thema mit all seinen Möglichkeiten und Chancen zu beleuchten.“
Deshalb wurde auch die Veranstaltung „Herzinfarkt – Entlassung nach drei Tagen“ unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Franz-Xaver Kleber, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Unfallkrankenhauses Berlin, und Prof. Dr. med. Wolfgang Konertz, Direktor der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie an der Berliner Charité, ins Programm aufgenommen. Eine solche Frühentlassung kann jedoch nur ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn eine exzellente ambulante Weiterbehandlung gewährleistet ist. Unter diesem Aspekt soll auch das Thema „Ambulante Onkologie – Integrierte Versorgung zwischen Klinik und Praxis“ beleuchtet werden. Auf dem Podium sitzen hier der Onkologe und Gründer von Home Care Berlin, Dr. med. Bernd-R. Suchy, und Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter M. Schlag, Direktor der Klinik für Chirurgie und chirurgische Onkologie der Charité.
Bei der Beratung und Betreuung der Krebspatienten in direkter Anbindung an den klinischen Aufenthalt kämen nach wie vor direkt an die Universitäten angebundene Spezialisten in Betracht, beschreibt Prof. Ekkernkamp die Entwicklung, jedoch sei auch eine weitere Spezialisierung im Bereich der niedergelassenen Vertragsarztpraxen denkbar sowie ein gemeinsames Betreiben von Ambulatorien durch Vertragsärzte gemeinsam mit Krankenhausärzten.
Dass solche betreuten Ambulatorien machbar sind, soll auch das Thema „Lebensqualität mit Dialyse“ zeigen. Diese Sitzung leiten die niedergelassene Internistin und Nephrologin Dr. med Nicole Bunge, deren Praxis gleichzeitig das Dialysezentrum des Berliner Krankenhauses Neukölln ist, und Prof. Dr. med. Walter Zidek, Lehrstuhlinhaber und Spezialist für Dialyse und Hochdruckfragen am Universitätsklinikum Benjamin Franklin. In der Diskussion wird es nicht nur um die sich verändernden Zuständigkeiten von Universitätsklinikum, Zentrum und niedergelassener Praxis gehen, sondern auch um die Reaktionen des Patienten beim Wechsel seiner Betreuungssituation.
Das Fortbildungsprogramm will den Arzt jedoch auch als Heilberufler und Manager ansprechen. Der erste Programmpunkt des Ärzteforums gilt daher nicht ohne Grund dem Thema „Gesundheitswirtschaft als Deutschlands Zukunft?“ „Wir sollten nicht immer nur lamentieren, dass Gesundheit zu teuer sei oder dass wir zuviel Geld für Gesundheit ausgeben würden, sondern man muss auch sehen, welche wirtschaftliche Potenz der Gesamtbereich Gesundheit bis hin zur Wellness als immerhin zweitgrößter Arbeitsmarkt in sich birgt“, erläutert Ekkernkamp. Mit auf dem Podium bei dieser Diskussion sitzen auch FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann und Wolfgang Schäfer, Geschäftsführer des neu geschaffenen Berliner Krankenhaus-Großbetriebes Net-GE.
„Das Ärzteforum ist nicht nur eine reine Fortbildungsveranstaltung, sondern greift auch relevante gesundheitspolitische Themen auf. Als politische Standesorganisation wollen wir diese Plattform nutzen, um mit dem einzelnen Arzt in Dialog zu treten“, betont der KBV-Vorsitzende Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm. Die parallele Durchführung des „Ostdeutschen Kassenärztetages“ soll zeigen, dass den Veranstaltern auch die wirtschaftlichen Sorgen und Nöte der Kassenärzte am Herzen liegen.
Das Forum „Arztsein im Gesundheitswesen der Zukunft“ mit Dr. Frank Ulrich Montgomery, dem Vorsitzenden des Marburger Bundes, und Prof. Dr. med. Peter Neuhaus von der Charité ist besonders für junge Ärzte geeignet und vermittelt Fachwissen aus dem Bereich des Managements. Auf einer Rekrutierungsmesse können Arbeit suchende Ärzte überdies Kontakte mit künftigen Arbeitgebern knüpfen. Auch das Forum „Vom Medicus zum Gesundheitsmanager – Primäre ärztliche Kompetenz in Zeiten des Mangels“ richtet sich besonders an diese Zielgruppe. Den Vorsitz haben hier Dr. med. Robert D. Schäfer, geschäftsführender Arzt bei der Ärztekammer Nordrhein, und Prof. Dr. med. Martin Welte, leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Medizin, Intensivmedizin am Klinikum Benjamin Franklin.
Mit dem Thema „Ärztinnen – Lückenbüßer oder die besseren Mediziner?“ sollen Ärztinnen angesprochen werden, die sich noch in der Weiterbildung befinden und/oder sich beruflich umorientieren möchten, vielleicht auch in Richtung benachbarter Berufe wie Medizinjournalismus, Krankenhausmanagement, Consulting oder Öffentlichkeitsarbeit. Für den Vorsitz dieser Sitzung konnten Dr. med. Astrid Bühren, Präsidentin des Ärztinnenbundes, und Dr. med. Christiane Laun, Oberärztin in der Klinik für Allgemeinmedizin und Viszeralchirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin, gewonnen werden.
Auf dem Hauptstadtkongress haben die teilnehmenden Ärzte die Chance, mit den wesentlichen Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen persönlich zu sprechen, wie etwa mit der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt oder dem EU-Kommissar für Gesundheits- und Verbraucherschutz David Byrne. In den dafür eingerichteten Speakers corners besteht parallel zum laufenden Kongressbetrieb die Gelegenheit zum direkten Gespräch. „Es wäre schön, wenn möglichst viele Kollegen diesen Kongress sowie das Ärzteforum selbst als Chance sehen würden, sich nicht nur mit Kollegen auszutauschen, sondern auch mit Repräsentanten aus dem Krankenhausmanagement, der Politik, den Krankenkassen und der Krankenpflege zu diskutieren“, hofft Ekkernkamp.
Bürgernah soll der Nachmittag des 18. Mai sein, an dem mehrere Veranstaltungen des Ärzteforums – so etwa zum Thema „Piercing-Mode auf Kosten der Solidargemeinschaft“ – auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Ekkernkamp resümiert: „Es würde mich sehr freuen, wenn es uns gelingen würde, gleich mit diesem ersten Programm viele Kollegen aus Klinik und Praxis anzuziehen und begeistern zu können. Willkommen sind auch jene Ärzte, die sich einen Richtungswechsel ihrer ärztlichen Tätigkeit oder auch eine Änderung des Schwerpunktes ihrer ärztlichen Tätigkeit vorstellen können.“ Dr. med. Susanne Thor


- Die Teilnahmegebühr für das Deutsche Ärzteforum beträgt 290 DM (inkl. MwSt.). Die Teilnahme an einzelnen Veranstaltungstagen kostet 145 DM.
- Für AiP’ler und arbeitslose Ärzte gibt es einen Sondertarif von 145 DM für die drei Tage, und Studenten zahlen für drei Tage nur 87 DM.
Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen des Ärzteforums und des Hauptstadtkongresses sind erhältlich über:
- Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit
Kongress-Büro
Neuendorfstraße 20 a, 16761 Hennigsdorf
Telefon: 0 33 02/20 21-0 06 und -0 07
Fax: 0 33 02/20 21-0 08
Internet: www.hauptstadtkongress.de
E-Mail: info@hauptstadtkongress.de



Die Kassenärztliche Bundesvereinigung organisiert im Rahmen des Hauptstadtkongresses zwei Veranstaltungen zu aktuellen berufspolitischen Fragen:

Thema 1
Arztpraxen in der Krise – Das Prinzip Kostenerstattung als Königsweg?
Mittwoch, 16. Mai,
16.15 bis 18.00 Uhr
Es diskutieren auf dem Podium und mit dem Plenum:
- Dr. Manfred Richter-Reichhelm, 1. Vorsitzender der KBV
- Gunter Danner, Europavertretung der deutschen Sozialversicherung
- Gudrun Schaich-Walch, Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
- Dr. Rainer Hess, Hauptgeschäftsführer der KBV
- Dr. Wolfgang Aubke, KBV-Vorstand

Thema 2
Hausarztmodelle in Europa – Alternativen für Deutschland?
Donnerstag, 17. Mai,
9.00 bis 10.30 Uhr
Es diskutieren auf dem Podium und mit dem Plenum:
- Dr. Leonhard Hansen, 2. Vorsitzender der KBV
- Dr. Ulrich Orlowski, Abteilung Gesundheitsversorgung und Kran­ken­ver­siche­rung im BMG (angefragt)
- Prof. Dr. Jouke van der Zee, Direktor des Niederländischen Instituts für Gesundheitssystemforschung
- Franz Knieps, Geschäftsführer des AOK-Bundesverbandes
- Prof. Dr. Klaus-Dieter Kossow, Vorsitzender des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands
-Fachärztlicher Berufsverbände
- Dr. Hans-Friedrich Spies, KBV-Vorstand
- Dr. Andreas Köhler, Dezernent der KBV-Honorarabteilung
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