ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Psychiatrie-Reform: Verbesserung der Honorierung vonnöten

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Psychiatrie-Reform: Verbesserung der Honorierung vonnöten

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-830 / B-705 / C-670

Munzel, Hermann

Zu dem Beitrag „Auf halbem Weg stecken geblieben“ von Petra Bühring in Heft 6/2001:
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LNSLNS Als einer der fünf Modellträger zur Erprobung der ambulanten psychiatrischen Behandlungspflege (SGB V) und neben den anderen Pflegediensten als einzige am Modell teilnehmende Nervenarztpraxis auf dem Weg in Richtung sozialpsychiatrische Schwerpunktpraxis möchte ich folgende Aspekte ergänzen:
Nach Enthospitalisierung im ersten Schritt und Deinstitutionalisierung im laufenden zweiten Schritt im Rahmen der Versorgung besonders für chronisch psychisch Kranke kommen in der Tat umfangreiche Aufgaben insbesondere auf niedergelassene Nervenärzte zu. Die Vermehrung der Zahl der Niederlassungen im Zeitraum der letzten 15 bis 20 Jahre kompensiert diesen Mehrbedarf nur ansatzweise. Denn es fehlt im Wesentlichen an Anerkennung der notwendigen Behandlungsinstrumente für die Begleitung dieser Klientel . . . Ein wesentlicher Teil der Behandlung wird durch qualitätssichernde Elemente der Meetings in Qualitätszirkeln, Arbeitsgruppen der sozialpsychiatrischen Verbünde (PsychKG) und supervisorischen Veranstaltungen umgesetzt, was einen nicht unerheblichen Zeitaufwand für die behandelnden Kollegen bedeutet, andererseits für eine qualifizierte Versorgung unerlässlich ist. Dieser erhebliche Mehraufwand macht nach einer eigenen Erhebung circa 35 bis 50 Stunden pro Monat und Kollegen aus. Diese Arbeitsstunden werden jedoch nicht bezahlt, sind im Leistungskatalog der Kostenträger nicht enthalten. Solange hier keine Anerkennungen durchgeführt werden, sind mit Sicherheit sozialpsychiatrische Komplexleistungs-Angebote im ambulanten Feld nur Ansatz und von Idealisten umsetzbar.
Die „Verambulantisierung“ der psychiatrischen Versorgung verlangt eine Verbesserung der Honorierung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Unsere Praxis hat den „heißen Herbst“ 2000 nur mit Aufwand allergrößter Kräfte und nur „mit einem blauen Auge“ überstanden, beim zweiten Mal droht das wirtschaftliche Aus beziehungsweise eine Abkehr vom Behandlungskonzept. In Richtung einer inhaltlichen und strukturell geprägten Anerkennung bei gleichzeitigem Fehlen von Ressourcen im öffentlichen Gesundheitsdienst müssen meiner Meinung nach entsprechende nervenärztliche Praxen mit Angeboten zur ambulanten sozialpsychiatrischen Komplexleistung zukünftig auf einer Ebene wie die Sozialpsychiatrischen Dienste einerseits und Institutsambulanzen andererseits agieren können. Hierzu bedarf es sowohl formaler und struktureller Anpassungen wie auch finanzieller Verbesserungen.
Kapazitäten und Kompetenz sind im nervenärztlichen Bereich vorhanden. Im Rahmen einer eigenen Trend-Erhebung konnten bereits jetzt aktuell durchgeführte und letzten Ende vom Idealismus getragene sozialpsychiatrische Aktivitäten in zwei Drittel der bundesweit befragten Praxen nachgewiesen werden . . .
Dr. Hermann Munzel, Krefelder Straße 1–5, 28844 Weyhe-Kirchweyhe
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