ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Psychiatrie-Reform: Selbsthilfe stärken

BRIEFE

Psychiatrie-Reform: Selbsthilfe stärken

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-832 / B-689 / C-645

Pehe, Kalle

Zu dem Beitrag „Auf halbem Weg stecken geblieben“ von Petra Bühring in Heft 6/2001:
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LNSLNS . . Als Haupthindernis sehe ich die allgemein im Wirtschaftsleben platzgreifende Machtkonzentration, die auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt macht. Große Anbieter am Markt brauchen durchstrukturierte Märkte, sodass ihre Produkte und Dienstleistungen möglichst grenzenlos am Markt abgesetzt werden können. Das begünstigt die Suche nach absoluten Wahrheiten, mit denen der Einsatz entsprechender Produkte als einzig wissenschaftlich vertretbare medizinische Leistung angepriesen wird. In der Psychiatrie begünstigt das vor allem eine Ideologie, die, abgeleitet von einem naturwissenschaftlichreduktionistischen Krankheitsverständnis, dem Einsatz von Psychopharmaka höchste Priorität einräumt. Für mich als Patienten der Psychiatrie vor zehn Jahren war das für mich erkennbare wesentliche Therapieziel die Akzeptanz einer Dauermedikation. Kritik daran kann bei Psychiatriepatienten leicht als „krankheitsbedingte Uneinsichtigkeit“ abgewertet werden. Ich konnte meine Rehabilitation nur außerhalb der von dieser Ideologie beherrschten Systeme verwirklichen. Solange sich das nicht grundlegend ändert, sehe ich für die (immer noch dominierende biologistische) Psychiatrie keine wirkliche Zukunft.
Die wesentlichen Anstöße für meine Genesung bekam ich von Autodidakten in der Selbsthilfe. . . Ich setze voll auf die Stärkung der Selbsthilfestrukturen. Nur wenn wir als Betroffene und Angehörige zu überzeugenden eigenen Lösungen finden, kommen die Institutionen unter Druck.
Kalle Pehe, Von-Steuben-Straße 30, 47803 Krefeld
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