ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001BKK: Tatsachen umgedeutet

BRIEFE

BKK: Tatsachen umgedeutet

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-832 / B-689 / C-645

Schilling, Klaus-Joachim

Zu dem Interview, das Norbert Jachertz und Sabine Rieser mit Karl-Heinz Schönbach führten „Wir vertreten Konsumenteninteressen“ in Heft 3/2001:
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LNSLNS . . . Wer Patienten mit Konsumenten gleichsetzt, verkennt, dass die medizinische Versorgung satzungsgemäß und durch gesetzliche Vorgaben so eingeschränkt ist, dass sie nicht der Beliebigkeit eines Konsumenten unterliegt. Bisher haben die Krankenkassen nichts dazu beigetragen, durch Aufklärung ihrer Versicherten und durch Nutzungsbeschränkung der Chipkarte den Milliarden teuren Missbrauch durch den Verbraucher einzudämmen.
Hier wird offenkundig, wie wenig sich Krankenkassen bisher um eine sachlich korrekte Information ihrer Versicherten über deren Ansprüche auf eine ausreichende, wirtschaftliche und notwendige Versorgung bemühen. Ausdruck dieser Haltung ist auch jede fehlende Information über die Folgen des Kassenwechsels, vorwiegend zugunsten der BKK. Wer klärt den Patienten darüber auf, dass ein Kassenwechsel durch die Rahmenbedingungen des Fremdkassenausgleichs für den Patienten mit erheblichen Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung verbunden ist? Wer verweist auf den der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung zugrunde liegenden Solidargedanken, mit dem der Wettbewerb zwischen über 500 auf Selbsterhalt bedachten Versicherungen nicht vereinbar ist und der bei jedem Wechsel zu einer billigeren Kasse ein Stück weiter zu Grabe getragen wird?
Es zeigt sich auch, wie selbst unstreitige Tatsachen in absichtlicher Weise so umgedeutet werden, dass an den bestehenden Strukturen nichts geändert wird. Sich dennoch als Sachwalter der Interessen der Patienten zu verstehen zeugt entweder von unerträglichem Zynismus oder unglaublicher Ignoranz.
Statt über sinnvolle strukturelle Veränderungen zur Vermeidung unnützer Ausgaben nachzudenken, wird eine höhere Beitragsbemessung auf Basis der Steuererklärung gefordert, um die finanzielle Schieflage der GKV aufzufangen. Dabei unterschlägt Herr Schönbach bewusst die Tatsache, dass allein circa 20 Milliarden DM jährlich der Verwaltungsapparat von über 500 gesetzlichen Krankenkassen verschlingt. Er verschweigt, dass von den Beiträgen der Versicherten jährlich über 120 Milliarden DM für versicherungsfremde Leistungen zweckentfremdet oder als Verschiebemasse zur Finanzierung anderer Sozialaufgaben missbraucht werden (IGES Institut Kiel). Eine alleinige Verwendung der Beiträge zur Finanzierung der medizinischen Leistungen der Versicherten hätte sofort eine Halbierung der Beiträge zur Folge.
Dr. med. Klaus-Joachim Schilling, Antonstraße 2, 13347 Berlin
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