ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Frauengesundheit: Divergierende Rollen belasten die Gesundheit

VARIA: Heilbäder und Kurorte

Frauengesundheit: Divergierende Rollen belasten die Gesundheit

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-860 / B-732 / C-675

Bühring, Petra

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LNSLNS Jede fünfte Mutter in Deutschland leidet an einem frauenspezifischen Burn-out-Syndrom. Besonders betroffen seien Alleinerziehende und Mütter, die drei Kinder und mehr haben, erklärt Prof. Adelheid Bonnemann-Böhner, Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks (MGW), bei einer Tagung zum Thema Frauengesundheit. „Trotzdem gibt es bisher kaum frauenspezifische Gesund­heits­förder­ung.“ Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Erkrankungen würden nicht ausreichend berücksichtigt, und: „Männliche Ärzte erkennen oft nicht, woran die Mütter erkranken.“
Berufstätige Mütter reiben sich an den Ansprüchen ihrer divergierenden Rollen auf: Mutter, Lehrerin der Kinder, Berufstätige, attraktive Ehefrau, eventuell Pflegerin eines Familienangehörigen. Viele leisteten ein Wochenpensum von 76 Stunden und seien „allgegenwärtige Dienstleistungs-Anbieterinnen im häuslichen Versorgungs- und Reparaturbetrieb Familie“, betont Dr. med. Ingrid Olbricht, Wicker Klinik, Bad Wildungen. Durch den Zwang, ständig verfügbar sein zu müssen, erkrankten viele Frauen an Essstörungen, Depressionen, Unterleibs- oder Rückenschmerzen. Oft würden psychisch bedingte Leiden somatisch behandelt (ein Beispiel sind medizinisch nicht erforderliche Operationen am Unterleib) oder chronische Schmerzen für „psychosomatisch“ gehalten, beklagte die Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin auf der Tagung.
Einer der wenigen Bereiche frauenspezifischer Gesundheitsversorgung sind Frauen- und Mutter-Kind-Kuren. Die Effektivität dieser Kuren prüfte eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover an 40 Einrichtungen des MGW: 60 Prozent der Mütter wurden nach erfolgreichen Kuren gesund. Der Kurerfolg scheint, Zwischenergebnissen zufolge, langfristig anzuhalten. Signifikante Effekte konnten hinsichtlich psychosozialer Überlastung, somatischen und somatoformen Erkrankungen und bei beeinträchtigter Mutter-Kind-Interaktion erzielt werden.
Die Forderung nach mehr frauenspezifischer Gesundheitsforschung und -förderung bleibt. Ebenso die Forderung nach einer verbesserten Situation berufstätiger Mütter: Ganztagsbetreuungsangebote für Kinder und mehr Teilnahme der Väter an der „Familienarbeit“. „Dass das Müttergenesungswerk nach 50 Jahren noch nötig ist, zeigt, wie verbesserungswürdig unsere Gesellschaft ist“, betont Bonnemann-
Böhner. Petra Bühring


Berufstätige Mütter haben nach einem anstrengenden Arbeitstag oft nur das Bedürfnis nach Ruhe.
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