ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Die plötzliche Bewusstlosigkeit: Mehr Zuverlässigkeit bei Synkopendiagnostik

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Die plötzliche Bewusstlosigkeit: Mehr Zuverlässigkeit bei Synkopendiagnostik

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-852 / B-731 / C-667

Pohlmann, Birgit-Kristin

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LNSLNS Ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung haben mindestens einmal im Leben einen kurzzeitigen Ohnmachtsanfall beziehungsweise eine Synkope. Problematisch sind Synkopen, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder auftreten, speziell dann, wenn sie durch Herzrhythmusstörungen hervorgerufen werden. Die Abklärung rezidivierender Synkopen ist jedoch schwierig. Helfen soll hier ein neuer implantierbarer Ereignisrekorder. Das Gerät muss nicht mehr manuell aktiviert werden, sondern speichert Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus automatisch.
Synkopen kardialen Ursprungs zuverlässig erfassen
Trotz zum Teil aufwendiger diagnostischer Maßnahmen liegt der Anteil unklarer rezidivierender Synkopen bei circa 40 Prozent. Das Problem sei, dass Synkopen viele Ursachen haben können, erläuterte Prof. Wolfgang von Scheidt (Klinikum München-Großhadern) bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz und Kreislaufforschung in Münster.
Kardiale Ursachen machen zwar den kleinsten Prozentsatz aller Fälle aus, haben aber die höchste Mortalitäts- und Morbiditätsrate. Die Mortalitätsrate liegt nach einem Jahr bei 18 bis 33 Prozent, gegenüber 7,5 Prozent für das gesamte Patientenkollektiv. Davon unabhängig bedeutet jede Synkope ein potenzielles Verletzungsrisiko und beeinträchtigt die Lebensführung der Patienten. Ein Prozent aller Verkehrsunfälle soll auf Synkopen zurückgehen.
Um Synkopen kardialen Ursprungs zuverlässig zu erfassen, müsse ein direkter Zusammenhang zwischen Symptom und Herzrhythmus hergestellt werden, betonte Dr. Hans-Christoph Ehlers (Berlin). Dies gelingt am besten mit einer EKG-Aufzeichnung während eines spontan eintretenden Ereignisses.
Mit Standardverfahren wird dieser Zusammenhang nicht immer oder nicht zuverlässig hergestellt. Die Beobachtungszeiträume sind in der Regel zu kurz. Induzierte Ereignisse, zum Beispiel im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU), spiegeln meist nicht die Ursache wider. Der Einsatz externer Geräte zur Langzeitüberwachung scheitert immer wieder an der Compliance.
Eine Lösung könnte ein implantierbarer Ereignisrekorder darstellen, erläuterte Dr. Karlheinz Seidl (Herzzentrum Ludwigshafen). 1998 kam erstmals ein solches Gerät auf den Markt, das den Herzrhythmus fortlaufend aufzeichnet und bei besonderen Ereignissen auch speichert. Nachteil des Gerätes war bislang, dass es manuell aktiviert werden muss.
Vorgehen im medizinischen Alltag
Seit Anfang des Jahres steht die so genannte zweite Generation dieser Geräte zur Verfügung (REVEAL® plus, Medtronic, Düsseldorf). Sie erkennen das Ereignis selbstständig und speichern automatisch. Die neue Option der automatischen Speicherung bietet die Möglichkeit, auch asymptomatische Ereignisse zu erfassen. In klinische Studien wurde in 62 bis 88 Prozent der bislang unklaren Synkopen eine Diagnose mit dem implantierten Ereignisrekorder erzielt.
Seidl rät, den neuen Ereignisrekorder frühzeitig im Rahmen der Synkopenabklärung zu implantieren. In der RAST-Studie (Randomized Assessment of Syncope Trial) war in 63 Prozent der Fälle, in denen die Patienten sofort einen Ereignisrekorder implantiert bekamen, eine Diagnose möglich. In der Vergleichsgruppe, die mit konventionellen Methoden diagnostiziert wurde, waren es nur 15 Prozent.
Synkopenpatienten sollten initial einer Basisuntersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, EKG und Echokardiographie unterzogen werden, ergänzte Ehlers. Besteht der Verdacht auf eine neurokardiogene Ursache, kann der Kipptisch für weitere Klarheit sorgen. Nimmt der Arzt eine arrhythmogene Ursache an, empfiehlt auch Ehlers die Implantation des Ereignisrekorders. Wird weder eine neurokardiogene noch eine arrhythmogene Ursache vermutet, muss eine gezielte Diagnostik eingeleitet werden. Birgit Kirstin Pohlmann
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