ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Therapiestudie zu Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms

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Therapiestudie zu Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-839 / B-714 / C-679

Vogl, Thomas J.; Germer, C.; Mack, M. G.

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LNSLNS Etwa 40 000 bis 50 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich am kolorektalen Karzinom. Bei 25 Prozent der Patienten finden sich bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Metastasen in der Leber. Bis zu 60 Prozent der Betroffenen entwickeln trotz einer operativen Entfernung des Primärtumors im weiteren Verlauf der Erkrankung Lebermetastasen. Ein Viertel der Patienten mit kolorektalem Karzinom stirbt an dieser Lebermetastasierung, bei 20 Prozent der Patienten liegen ausschließlich Lebermetastasen vor (4, 5).
Prinzipiell ist die chirurgische Entfernung der Lebermetastasen zurzeit das einzige Verfahren zur potenziellen Heilung der Patienten (1, 2). Die systemische beziehungsweise regionale Chemotherapie erreicht meist lediglich eine partielle Remission. Für Patienten, bei denen bereits eine Leberresektion erfolgte, oder bei denen die Metastasen chirurgisch nicht entfernbar waren, wurden tumorablative Verfahren entwickelt, mithilfe derer bei einer hohen Tumorortskontrollrate Lebermetastasen vernichtet werden können. Die MR-gesteuerte laserinduzierte Thermotherapie (LITT) gilt derzeit als das am besten evaluierte Verfahren dieser Art. Es zeigte im Rahmen des palliativen Ansatzes bei nichtoperablen Lebermetastasen sehr hohe lokale Tumorkontrollraten und eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit (3). Dabei ist das Verfahren für den Patienten schonend, da es sich nur um einen minimalinvasiven Eingriff handelt.
Laserinduzierte Thermotherapie versus Leberresektion
Im Rahmen einer Studie, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert, soll überprüft werden, ob Metastasen des kolorektalen Karzinoms mittels der laserinduzierten Thermotherapie zerstört werden können, und sich diese Methode als ebenso wirksam wie die konventionelle chirurgische Entfernung der Metastasen erweist.
Unter der Leitung des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universität Frankfurt/Main und der Chirurgischen Klinik der Freien Universität Berlin sowie unter statistischer Betreuung durch das Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) der Medizinischen Fakultät Heidelberg sollen 400 Patienten mit Lebermetastasen randomisiert behandelt werden. Der Rekrutierungszeitraum beträgt vier Jahre, gefolgt von einem dreijährigen Nachbeobachtungszeitraum. Bei der Hälfte der Patienten werden die Lebermetastasen mittels LITT und bei der anderen Hälfte mit konventioneller Leberresektion therapiert. Falls die MR-gesteuerte LITT hinsichtlich der Heilungschance mit der chirurgischen Methode vergleichbar oder ihr überlegen ist, könnte sich dies, aufgrund der geringeren Belastung für den Patienten und der ambulanten Durchführbarkeit, ökonomisch positiv niederschlagen. Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllen, sollten bei den Studienzentren vorgestellt werden, um eine rasche Durchführung der Studie zu gewährleisten.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 2001; 98: A 839 [Heft 13]

Literatur
1. Nordlinger B, Guiguet M, Vaillant JC et al.: Surgical resection of colorectal carcinoma metastases to the liver. A prognostic scoring system to improve case selection, based on 1568 patients. Association Francaise de Chirurgie. Cancer 1996; 77: 1254–1262.
2. Stangl R, Altendorf Hofmann A, Charnley RM, Scheele J: Factors influencing the natural history of colorectal liver metastases. Lancet 1994; 343: 1405–1410.
3. Vogl TJ, Mack MG, Roggan A: Magnetresonanztomographisch gesteuerte laserinduzierte Thermotherapie von Lebermetastasen. Dt Ärztebl 2000; 97: A-2386– 2390 [Heft 37].
4. Vogl TJ, Mack MG, Straub R, Roggan A, Felix R: Percutaneous magnetic-resonance imaging-guided laser-induced thermotherapy for hepatic metastases of colorectal cancer. The Lancet 1997; 350: 29.
5. Weiss L, Grundmann E, Torhorst J et al.: Haematogeneous metastatic patterns in colonic carcinoma: an analysis of 1541 necropsies. J Pathol 1986; 150: 195–203.
Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie
Universitätsklinikum
Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt/Main
E-Mail: t.vogl@em.uni-frankfurt.dep




Aus- beziehungsweise Einschlusskriterien der BMBF-Studie
Einschlusskriterien:
 1. Der Patient hat maximal vier Lebermetastasen eines primär sanierten Kolorektalkarzinoms.
 2. Die größte Metastase hat einen Durchmesser von maximal 4 cm.
 3. Die Metastasen sind chirurgisch resektabel.
 4. Der Patient ist über die Studie aufgeklärt und hat der Studienteilnahme zugestimmt.
Ausschlusskriterien:
 1. Der Primärtumor ist nicht vollständig entfernt worden (Status R1, R2).
 2. Es liegen extrahepatische Metastasen vor.
 3. Es wurde bereits ein Lokalrezidiv des Primärtumors diagnostiziert.
 4. Patient in Bezug auf Lebermetastasen mit chirurgischen oder lokal-ablativen Verfahren vorbehandelt (zum Beispiel vorherige Leberresektion, LITT, Hochfrequenz/RF, Kryotherapie).
 5. Der Karnofsky-Index ist kleiner als 70 Prozent.
 6. Eine Leberzirrhose liegt vor (basierend auf Referenz-MRT), keine histologische Sicherung nötig.
 7. Die Knochenmarksfunktion ist unzureichend (Leukozytenzahl < 3 000/ml oder Thrombozytenzahl < 100 000/ml).
 8. Eine Leberinsuffizienz liegt vor (Quick < 50
Prozent, Bilirubin > 50 µmol/l, Cholinesterase
< 1500 U/l).
 9. Zweittumoren liegen vor (außer Basaliom und Spinaliom der Haut beziehungsweise Zervix-karzinom in situ).
10. Schwere Herzerkrankung liegt vor (NYHA 3, 4).
11. Psychiatrische Erkrankungen liegen vor, beziehungsweise es ist anzunehmen, dass der Patient unzureichend kooperiert (sprachliche Probleme, Alkohol, Drogenabhängigkeit).
12. Der Patient kann nicht in adäquatem Umfang über die Studie aufgeklärt werden.
13. Der Patient trägt einen Herzschrittmacher oder metallische Implantate, die eine kernspintomographische Untersuchung ausschließen.

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