ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Gesundheitsrisiken durch Passivrauchen: Aussagen und Daten nicht übereinstimmend

MEDIZIN: Diskussion

Gesundheitsrisiken durch Passivrauchen: Aussagen und Daten nicht übereinstimmend

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-845 / B-700 / C-654

Immich, Herbert

zu dem Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Karl-Heinz Jöckel in Heft 43/2000
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LNSLNS Wir müssen Jöckel danken, dass er seine Originalzahlen veröffentlicht hat. Es handelt sich um zwei Fall-Kontroll-Studien bei lebenslangen Nichtrauchern, die nach ihrer Exposition gegenüber Passivrauchen beim Partner und am Arbeitsplatz klassifiziert worden sind. In der PISP-Studie sind von 71 Fällen mit Lungenkrebs 30 niemals gegenüber dem Passivrauchen exponiert gewesen, das sind rund 42 Prozent. In der GFS-Studie sind von 304 Fällen mit Lungenkrebs 158 niemals exponiert gewesen, das sind rund 52 Prozent. Bei diesen Zahlen ist das Passivrauchen keine genügende und keine notwendige Bedingung für die Manifestation des Lungenkrebses. Ein Verbot des Passivrauchens schützt also niemanden, weder Raucher noch Nichtraucher. Zugleich bestätigen Jöckels Zahlen die mindestens 100-jährige ärztliche Erfahrung: Lungenkrebs ist ein anlage- und altersbedingtes Leiden.
Das relative Risiko ist kein Maß für die Stärke der Gefährdung; es ist vielmehr ein Maß für die Altersunterschiede zwischen Exponierten und Nichtexponierten und/oder Fällen und Kontrollen (3). Das beste Beispiel liefern Bofetta et al. In ihrer Studie über das Passivrauchen ist die Altersverteilung bei Fällen und Kontrollen gleich; die acht relativen Risiken schwanken zwischen 0,71 und 1,26 (1). In der Studie über Zigarren- und Pfeifenrauch sind die Fälle im Schnitt zwölf Jahre älter als die Kontrollen; die relativen Risiken liegen zwischen 8 und 9 (2).
Aus den gleichen Gründen muss man bei jeder Metaanalyse fragen: Sind die Altersverteilungen in allen erfassten Studien vergleichbar? Zwar versucht man, Altersverteilungen zu adjustieren oder zu standardisieren; die Alterswirkung bei der Manifestation des Lungenkrebses verschwindet dadurch nicht. Viel schlimmer ist die „Publikationsverzerrung“. Negative oder kritische Manuskripte erscheinen nicht im Druck.
Die Passivrauch-Doktrin ist also nicht begründet; man erhält sie nur dadurch am Leben, dass man sie vor jeglicher Kritik bewahrt.
Literatur
1. Bofetta P et al.: Multicenter case-control study of exposure to environmental tobacco smoke and lung cancer in europe. J Natl Cancer Inst 1998; 90: 1440–1449.
2 Bofetta P et al.: Cigar and pipe smoking and lung cancer: a multicenter study in europe. J Natl Cancer Inst 1999; 91: 697–701.
3. Immich H: Versicherungsmedizin 1999; 51: 83–87

Prof. (em.) Dr. med. Herbert Immich
Sandkamp 9 d
25826 St. Peter-Ording

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