ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms: Immuntherapie mit IL-2 und Interferon De-facto-Standard

MEDIZIN: Diskussion

Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms: Immuntherapie mit IL-2 und Interferon De-facto-Standard

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-848 / B-703 / C-657

Huland, Edith

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Claus G. Fischer Dr. med. Ralph Oberneder Prof. Dr. med. Jens Altwein Prof. Dr. med. Manfred Wirth Prof. Dr. med. Kurt Miller in Heft 42/2000
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LNSLNS Der Autorengruppe ist für die sorgfältige Zusammenstellung der Daten zur Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms zu danken. Diese Entwicklungen haben in den letzten zehn Jahren zweifellos zu den erlebbaren Verbesserungen in der Behandlung beigetragen. Interleukin-2 und Interferone sind Teil des klinischen Alltags, zu Recht: Spontanremissionen beim metastasierten Nierenzellkarzinom sind mit weniger als einem Prozent ausgesprochen selten. Ansprechraten durch Interleukin-2 und Interferon unterscheiden sich hiervon eindeutig. Dies hat für den Patienten unmittelbar Bedeutung. Atemnot verschwindet bei pulmonaler Remission, Schmerzen verschwinden bei Remission von Knochenmetastasen. Das mediane Überleben aller Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom ohne Immuntherapie beträgt weniger als median sieben Monate (1). Ein Überlebensvorteil durch Immuntherapie mit Interferon beim metastasierten Nierenzellkarzinom ist belegt. Für Interleukin-2 ist ein Überlebensvorteil wahrscheinlich (2), bislang aber wegen fehlender abgeschlossener Studien prospektiv nicht belegt. Retrospektiv zeigte sich in einer vergleichenden Analyse von 670 Patienten aus 24 verschiedenen klinischen Studien im Vergleich zu Chemo- oder Hormontherapie (3) ein besseres Ergebnis (medianes Überleben bei günstiger Prognose 27 Monate statt 15, bei mittlerer Prognose 12 Monate statt 7, bei ungünstiger Prognose 6 statt 3 Monate). Lokale Applikationsverfahren von Zytokinen sind richtungsweisend in der Verbesserung der Lebensqualität (4–6). Die Inhalation von Interleukin-2 erhält bei pulmonaler Metastasierung die Lebensqualität langfristig (im Mittel 13,4 Monate) (7). Daher ist bei Studienkonzepten eine Randomisierung gegen einen Nullarm (Arm ohne Immuntherapie) zweifellos – auch – ein ethisches Problem. Eine zurzeit von der Universität Hamburg durchgeführte Umfrage bestätigt, dass die ambulante Immuntherapie mit IL-2 und Interferon in Deutschland einen De-facto-Standard darstellt. Sie wird – laut Umfrageergebnis – von Ärzten wegen ihrer Effektivität eingesetzt.
In diesem Zusammenhang missverständlich erscheint die Forderung, dass Immuntherapien mit Interleukin-2 und IFN alpha-2a nur im Rahmen eines Therapieoptimierungsvergleiches durchgeführt werden soll. Patienten können und müssen durchaus mit regelhaften Therapieprotokollen (8) – ohne Zwang zur Teilnahme an der Studie – behandelt werden. Jede Aufklärung zur klinischen Studie informiert Patienten, dass aus Nichtteilnahme kein Nachteil entsteht. Eine effektive Behandlung darf daher nicht verweigert werden.
Es besteht kein Grund die Therapie an die personelle und finanzielle Verfügbarkeit GCP-gerechter Studienbegleitung im Therapiezentrum zu koppeln. Dies ist von den Autoren so sicher nicht beabsichtigt. Unterstreichen darf man die Forderung der Autoren, die Behandlungen unter kontrollierten und somit qualitätssichernden Bedingungen durchzuführen. Eine Expertenstellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Immuntherapie e.V. zur Immuntherapie kann im Internet über www.dgfit.de abgerufen werden.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Edith Huland
Klinik und Poliklinik für Urologie
Vorstand Deutsche Gesellschaft für Immuntherapie e.V.
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg

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