ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2001Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(13): A-849 / B-724 / C-689

Fischer, Claus G.

zu dem BeitragvonPriv.-Doz. Dr. med.Claus G. FischerDr. med. Ralph ObernederProf. Dr. med. Jens AltweinProf. Dr. med. Manfred WirthProf. Dr. med. Kurt Millerin Heft 42/2000
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LNSLNS Offensichtlich ist die Situation der Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms in Deutschland so komplex, wie wir sie in unserem Artikel beschrieben haben – die obige Stellungnahme von Frau Kollegin Huland zeigt dies. Die darin ergänzten Daten sind bekannt, tragen jedoch kaum zur Lösung der Probleme bei. Wir wissen, dass Interleukin-2 und Interferon-alpha-2a zu kompletten Remissionen und auch zu signifikanten Lebensverlängerungen führen können. Müssen wir deshalb jedem Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom diese teure Behandlung anbieten, wohlwissend, dass nur ein Teil der Kranken davon profitieren wird? Aus ethischen und rechtlichen Gründen wohl schon – aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus wohl eher nicht? Diese Frage wird in naher Zukunft viele Juristen beschäftigen. Wie konnte es dazu kommen?
Die Therapie mit Interleukin-2 und Interferon-alpha-2a ist ein De-facto-Standard in der Therapie des metastasierten Nierenzellkarzinoms. Der Großteil dieser Patienten erhält ein Interleukin-2-basiertes Behandlungsschema. Die Substanz ist für diese Indikation in der intravenösen Applikationsform zugelassen, wird aber aufgrund der unzumutbaren Nebenwirkungen weltweit fast nur in der subkutanen, teilweise auch in Kombination mit einer inhalativen Darreichungsform verabreicht. Diese sind praktisch äquipotent, nebenwirkungsärmer und kostengünstiger. Das ist der medizinische Wissensstand. Damit beginnen aber, zumindest in Deutschland, die eigentlichen Schwierigkeiten: Müssen unsere Patienten unerträgliche, potenziell lebensbedrohende Nebenwirkungen erleiden, weil diese Erkenntnis noch keinen Eingang in die Rote Liste gefunden hat? Nach der Ansicht einzelner Kostenträger schon, nach unserer Meinung nicht.
Es gibt ein zweites Problem. Wir wissen nicht genau, welchen Patienten diese Therapie helfen wird. Wir wissen nicht, ob die Kombination mit anderen Substanzen wirkungsvoller sein kann und ob diese Immuntherapie auch im adjuvanten Bereich nutzen kann. Deshalb brauchen wir klinisch-prospektive Studien, deren Ergebnisse überzeugen können. Dazu gehört für uns auch das Führen eines Nullarms, eben weil der prospektiv erbrachte Beweis einer Lebensverlängerung durch die Immuntherapie noch aussteht. Den angesprochenen ethischen Problemen wird in unserem Therapieoptimierungsvergleich durch die freie Zuordnung in einen Behandlungs- beziehungsweise den Nullarm begegnet. In der aktuellen klinischen Forschung zum fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom werden daher alle Qualitätsanforderungen berücksichtigt, die formal und inhaltlich für klinische Studien sinnvoll sind. Trotzdem werden in Deutschland Gerichte über diese Therapie entscheiden. Wir sind gespannt, ob im Sinne der Patienten.
Priv.-Doz. Dr. med. Claus G. Fischer
Urologische Klinik
Krankenhaus Hohe Warte
Hohe Warte 8, 95445 Bayreuth

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