ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2001Zunehmendes Lebensrecht: Unklare Begriffe, zweifelhafte Schlüsse

DOKUMENTATION: Diskussion

Zunehmendes Lebensrecht: Unklare Begriffe, zweifelhafte Schlüsse

Dtsch Arztebl 2001; 98(14): A-901 / B-753 / C-703

Scholtz, Andreas

Zum Beitrag von Ministerialrat a. D. Dr. jur. Rudolf Neidert in Heft 51–52/2000
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LNSLNS In allem, was Rudolf Neidert über Feten schreibt, gebe ich ihm gern Recht. Bei seinen Thesen über Zygoten und Embryonen jedoch sehe ich zwei Schwierigkeiten.
Erstens können auch nach mehr als einer Woche noch (ohne dass es dazu eines menschlichen Eingriffs bedürfte) aus einem Embryo eineiige Zwillinge entstehen. Zumindest so lange haben wir es mit einem „Dividuum“ zu tun. Was den Zeitraum nach den ersten beiden Wochen post conceptionem (p. c.) betrifft, so bin ich mir nicht sicher, ob es einen Begriff von Individualität gibt, der sich auf etwas ohne Zentralnervensystem (ZNS) und ohne persönliche Geschichte anwenden lässt.
Zweitens ist der Ausdruck „unbewusste Schmerzempfindung“ recht dunkel. „Es tut weh, aber ich merke davon nichts“ ist eine widersprüchliche Auskunft. Der Hinweis auf „Reaktionen des Ungeborenen“ trägt nicht zur Aufklärung bei. Es gibt keinen Schmerz ohne Bewusstsein (von Schmerz), und es gibt kein Bewusstsein ohne ein ZNS oder ein ZNS-Äquivalent. Und Letzteres fehlt im frühen Embryonalstadium nachweislich.
Solange die Begriffe, die wir benutzen, unklar bleiben, sind die Schlüsse, die wir aus ihnen ziehen, zweifelhaft.
Andreas Scholtz M. A.
Bredowstraße 18
10551 Berlin
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